Neunkirchner IS-Sympathisant vor dem Richter. Staatsanwaltschaft warf jungem Mann vor, als Mitglied die Terrororganisation „Islamischer Staat“ unterstützt zu haben. Er wurde, nicht rechtskräftig, zu 30 Monaten Haft, davon zehn Monate unbedingt, verurteilt.

Von NÖNat Online-Team. Erstellt am 03. Juni 2020 (20:58)
Der Prozess fand am Landesgericht Wiener Neustadt statt.
NÖN

Ein mittlerweile 19-jähriger Neunkirchner mit Migrationshintergrund stand am Mittwoch wegen des Verbrechens der terroristischen Vereinigung und der kriminellen Organisation vor dem Landesgericht Wiener Neustadt. Die Staatsanwaltschaft warf dem jungen Mann vor, als Mitglied die Terrororganisation „Islamischer Staat“ mit der Verbreitung von mindestens 22 Propagandavideos und zumindest 20 einschlägigen Kampfliedern unterstützt zu haben. Staatsanwältin Katja Schwarz: „Er hat bei der ersten Einvernahme bei der Polizei gesagt, dass er jederzeit bereit ist, als IS-Kämpfer zu sterben.“ Der Mann soll zumindest 40 Dateien über die sozialen Medien WhatsApp, Telegram und Instagram an Einzelpersonen und Gruppen verschickt haben. Darunter waren nicht nur Kampflieder, sondern auch Aufrufe zur "Enthauptung von Ungläubigen", Selbstmordanschlägen und dergleichen. Außerdem soll der Mann mehrere Internet-Gruppen gegründet haben, wo er zum Teil vor sehr jungen Menschen (der Jüngste war 15 Jahre alt) gepredigt und über den Islam gesprochen haben soll. 

Sein Verteidiger Clemens Handler verwies darauf, dass sein Mandant durch die U-Haft geläutert und „eine gebrochene Persönlichkeit geworden“ sei und dass er noch minderjährig war, als er mit 17 Jahren zum Islam konvertierte.

Vater brachte Ermittlungen ins Rollen

Die Ermittlungen ins Laufen gebracht hatte übrigens der besorgte Vater des Angeklagten, dem die zunehmende Radikalisierung seines Sohnes auffiel. Laut dem Beamten des Verfassungsschutzes, der vor Gericht aussagte, sei diese sehr weit fortgeschritten gewesen, als der 18-Jährige verhaftet wurde. „Er war in allen wichtigen Chats und in den von ihm gegründeten Chat-Gruppen radikalisieren sich immer noch junge Menschen aus Österreich und Deutschland. Der Schaden ist leider angerichtet!“

Angeklagter: "Will nie wieder etwas mit IS zu tun haben!"

Der Angeklagte selbst erklärte mehrmals vor Gericht, dass er nie wieder etwas mit dem IS zu tun haben wolle und all das sehr bereue. In Zukunft wolle er sich nur mehr seiner Familie und einer Ausbildung widmen. Er sei in der Schule gemobbt worden und habe keine Freunde gehabt. Als er sich mit einem tschetschenischen Burschen anfreundete, habe er sich über dessen Religion, den Islam, informieren wollen. Als er seine Lehrstelle verlor, weil er mit einer Kollegin „viel über den Islam gesprochen“ habe, hätte er sich dann zuhause noch mehr mit der Religion beschäftigt. 

Auf die Frage von Beisitzerin Birgit Borns, ob er denn gerne als Märtyrer sterben wolle, antwortete er: „Ich würde gerne als Familienvater sterben.“ Ein Re-Konvertieren zu seiner ursprünglichen Religion komme für ihn aber nicht in Frage.

Der Mann wurde, nicht rechtskräftig, zu 30 Monaten Haft, davon zehn Monate unbedingt, verurteilt. Außerdem erging die Weisung zur Bewährungshilfe und zur Zusammenarbeit mit dem Deradikalisierungs-Verein.