Abrechnung nach Gagen-Erhöhung. Harald Nemeth (FSG) geht nach der Erhöhung der Gemeinderatsgagen mit der Stadtpolitik hart ins Gericht.

Von Christian Feigl. Erstellt am 27. April 2015 (11:02)
Der Personalvertreter der Gemeindebediensteten Harald Nemeth ist empört: »Haben wir Öl oder Gold in Neunkirchen gefunden?«
NOEN, Feigl

Harald Nemeth ist Personalvertreter der Gemeindebediensteten. Er war bei der Gemeinderatssitzung kopfschüttelnder Augenzeuge des Beschlusses zur Bezugserhöhung. Die NÖN traf ihn zum Gespräch.

NÖN: Die Neunkirchner Politiker haben sich in der Gemeinderatssitzung ihre Gehälter zwischen 5 und 110 Prozent erhöht. Sind das Zahlen, von denen die Gewerkschaft bei kollektivvertraglichen Verhandlungen wohl nur träumen kann?
Harald Nemeth: Ja! Gehälter, die sich so erhöhen, gibt es nur bei Managern, Brokern oder Aktionären.

Neunkirchen ist eine Abgangsgemeinde. Es wird auch im Mitarbeiterbereich sehr viel gespart. Wie argumentieren Sie da als Personalvertreter Ihren Mitarbeitern gegenüber?
Nemeth: Da fällt einem das Argumentieren schwer. Wir feilschen um Nachbesetzungen in der Reinigung im Rathaus oder Schulen. Personen, die das geringste Salär im Gemeindedienst haben. Oder um Überstunden-Zuschläge von 1:1 auf 1:1,5 oder Nachbesetzungen im Erholungszentrum, wo schon ein Bademeister eingespart wurde... und dann kommt so was!

Wie sind die Reaktionen der Gemeindebediensteten auf solche Vorgänge?
Nemeth: Wie kann so was für Gemeindebedienstete motivierend sein. Vor fünf Jahren bei unserer Bedienstetenversammlung hat uns die Stadtregierung erklärt wir können uns die Gehälter der Bediensteten bald nicht mehr leisten. Jetzt nach fünf Jahren haben wir mehr Schulden als vorher, das Krankenhaus ist seit 2008 auch beim Land, und dann höre ich bei der Gemeinderatssitzung, dass die Zuwendungen der Ortsvorsteher um 110 Prozent erhöht werden, von bisher 827,95 auf 1739, 25 Euro brutto.

Jetzt frage ich mich als Gewerkschafter und Personalvertreter, wie kann man so was vertreten?

Und die des Vizebürgermeisters um 28 Prozent von 2.264,64 auf 2.904,61 Euro brutto. Wie viele Stunden arbeiten Sie in der Woche für die Stadtgemeinde? Das wäre interessant, denn die Bediensteten müssen auch Tagesberichte aufzeichnen, was sie gearbeitet haben! Jetzt frage ich mich als Gewerkschafter und Personalvertreter, wie kann man so was vertreten?

Wurden Sie seitens der Politik im Vorfeld über die Pläne informiert?
Nemeth: Nein, bei so einer Erhöhung wird das sicher im stillen Kämmerlein ausgeheckt.

Halten Sie es für sinnvoll, dass die Politik den Gemeindebediensteten in einer Versammlung die Vorgänge erklärt?
Nemeth: Wäre sehr interessant, wie man in einer Versammlung so eine Gehaltserhöhung argumentieren würde!

Waren Sie enttäuscht, in der Gemeinderatssitzung trotz der Kritik der Opposition keine Antwort der Stadtregierung zu hören?
Nemeth: Ja, aber wie soll man so was erklären, haben wir hier Öl oder Gold gefunden?

Maßnahmen kann es nicht geben, denn die Politiker machen sowieso, was sie wollen!

Wird es Maßnahmen seitens der Gewerkschaft geben?
Nemeth: Maßnahmen kann es nicht geben, denn die Politiker machen sowieso, was sie wollen! Aber mir brauchen sie nicht mehr damit kommen, dass wir kein Geld haben. Wasser predigen und Wein trinken – ja der Spruch steht für unsere Stadtführung. Ein treffender Spruch noch zum Abschluss: Quod licet jovi, non licet bovi oder auf Deutsch: Was dem Jupiter erlaubt ist, ist dem Ochsen nicht erlaubt!