Tunnelbau trübte Bäche und Gemüter . Bohrungen im Semmeringtunnel führten zu Trübungen in Bächen der Region.

Von Tanja Barta, Philipp Grabner und Gerhard Brandtner. Erstellt am 16. Juli 2019 (04:56)
Erich Santner/Einsatzdoku.at
Hier fließt der Erlbach im Raum Gloggnitz in die Schwarza ein. Der Sand bzw. Schlamm (kl. Bild) wurde bis nach Neunkirchen gespült.

Glasklares Wasser ist im Bezirk Neunkirchen zur Gewohnheit geworden. Seit einer Woche sind viele Bäche und Flüsse, vor allem in der Semmering/Raxregion, aber getrübt. Getrübt durch Sand, der von der Semmering-Basistunnel-Baustelle Göstritz austritt und nach wie vor für Aufregung in der Bevölkerung sorgt. Nun sollen die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) die Situation wieder in den Griff bekommen haben. Die Trübung der Bäche bleibt aber noch für mindestens eine Woche.

Bereits seit 30. Juni tritt Wasser im Tunnel aus. „Die Menge war damals deutlich geringer und es war noch nicht erkennbar, dass dies zu einem Problem für die Gewässerschutzanlage und in weiterer Folge für den Göstritzbach werden könnte“, so ÖBB-Sprecher Christopher Seif auf NÖN-Anfrage. Laut ihm wurden umgehend die Behörden über den Zustand informiert.

„Der mitgeführte Sand kann in der Gewässerschutzanlage nicht zur Gänze abgesetzt bzw. gefiltert werden.“Juliane Pamme, ÖBB.

Momentan treten aus der Baustelle rund 60 Liter pro Sekunde aus – und damit viel weniger, als von den ÖBB eigentlich erwartet. Diese rechneten nämlich gar mit einem Austritt von 300 Liter pro Sekunde. Die Wassermenge selbst wäre für den Betrieb kein Problem gewesen, nur mit dem Sand hätte man laut den Bundesbahnen nicht gerechnet. „Der mitgeführte Sand kann in der Gewässerschutzanlage nicht zur Gänze abgesetzt bzw. gefiltert werden und führt daher zu den aktuellen Trübungen im Göstritz- und Auebach sowie der Schwarza“, so Juliane Pamme von den ÖBB.

Gefahr für Mensch oder Säugetiere hätte durch den Sand aber zur keiner Zeit bestanden. Das bestätigten auch Ergebnisse von Proben, die durch die Niederösterreichische Gewässeraufsicht über mehrere Tage entnommen wurden. „Jedoch können Schädigungen der Wasserlebewesen weiterhin nicht ausgeschlossen werden. Da diese Schädigung hauptsächlich durch mechanische Beeinflussungen entstehen, wirken diese nicht akut, sondern erst mittelfristig“, so Bezirkshauptfrau-Stellvertreter Michael Engel.

Man müsse daher noch abwarten, ob Schädigungen auftreten. Bisher gibt es laut Engel aber keine Meldungen über ein Fischesterben seitens des Landesfischereiverbandes.

Alternative Quelle für Trinkwasser

In der Gemeinde Schottwien hat man sich Tage nach dem Wasseraustritt auf die Suche nach einer alternativen Trinkwasserquelle gemacht. Bisher bezieht der Ort dieses nämlich aus der Göstritzquelle. Diese hat nach dem Vorfall im Tunnel jedoch den niedrigsten Stand seit Aufzeichnungsbeginn.

„Ich möchte die Schuld hier auf keinen Fall den Tunnelarbeiten geben. Der Wasserstand der Quelle steigt und sinkt bereits seit Jahren immer wieder. So niedrig wie jetzt war er aber noch nie. Deshalb suchen wir vorsichtshalber nach einer Alternative“, so ÖVP-Ortschef Wolfgang Ruzicka. Und dabei werden die Bundesbahnen ebenfalls gefordert sein. „Im Moment gehen die ÖBB nicht davon aus, dass ein Zusammenhang mit dem Tunnelbau gegeben ist“, so Pressesprecher Seif. Dennoch bauen die Bundesbahnen vorsorglich eine zusätzliche Wasserversorgung, damit keine Gefahr für das Trinkwasser besteht.

Was im Rahmen des Vorfalls besonders heftig kritisiert wurde, war die Kommunikation zwischen ÖBB, Gemeinden und Bürgern. „Grundsätzlich möchten wir festhalten, dass wir mit dem Informationsfluss seitens der ÖBB in keinster Art und Weise zufrieden sind!“, so Gloggnitz‘ Listen-Bürgermeisterin Irene Gölles in einem Statement.

Und dabei hat sie auch die Unterstützung der Bezirks-Landtagsabgeordneten hinter sich, die eine transparente Kommunikation fordern. Die ÖBB beteuern hingegen, alle Behörden und Partner umgehend informiert zu haben. „Um zukünftig umgehend informieren zu können, haben die ÖBB auf infrastruktur.oebb.at/semmering-aktuelles eine Rubrik ‚Aktuelles‘ eingerichtet“, so Seif.