Das Virus hinter Schloss & Riegel. Die NÖN wollte wissen, wie Corona den Alltag in der Justizanstalt in St. Egyden verändert hat. Ein Lokalaugenschein.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 07. Mai 2021 (05:23)
Aktuell sind in der Justizanstalt Gerasdorf rund 60 Insassen untergebracht. Der jüngste Häftling ist erst 15 Jahre alt.
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Anläuten bei der Torwache, Vorzeigen eines Ausweises – der Besuch der NÖN an diesem Mittwochvormittag in der Justizanstalt (JA) Gerasdorf beginnt wie sonst auch. Einzig die Maske ist allgegenwärtig – und ein kurzer Fieber-Check beim Eingang: Nur, wer unter 37,5 Grad hat, wird vorgelassen.

Die Corona-Pandemie hat vor etwas mehr als einem Jahr nicht nur unser aller Lebensbereiche verändert – selbst vor Gefängnismauern macht das Virus nicht halt. Wobei nennenswerte Zwischenfälle bis dato ausblieben, wie Chefinspektor Michael Heiling, Justizwachkommandant in der JA, im NÖN-Gespräch erklärt: Die zu Beginn der Krise eingerichtete Quarantäneabteilung ist nach wie vor verwaist, gab es schließlich bis dato keinen nachweisbaren Covid-19-Fall unter den Insassen. „Wir hatten im Herbst fünf Corona-Fälle unter den Bediensteten und dann natürlich etliche Kontaktpersonen – seitdem ist es aber ruhig“, so Heiling.

Nur im Haftraum ohne Schutzmaske

Trotzdem ist das Bild, das die JA abgibt, seit März letzten Jahres ein anderes. Insassen und Bedienstete tragen Maske, sobald sie sich nicht alleine in einem Raum aufhalten. „Sobald der Haftraum verlassen wird, ist die Maske aufzusetzen. Wenn das nicht der Fall ist, machen wir darauf aufmerksam. Die Reaktion ist meistens, dass es schlicht vergessen wurde“, berichtet die stellvertretende Justizwachkommandantin, Kontrollinspektorin Cornelia Wallner, im NÖN-Gespräch. Komplett gecancelt wurden unterdessen Ausgänge der Insassen – lediglich, um sich auf die bevorstehende Entlassung vorzubereiten, dürfen die Häftlinge einen Fuß vor die JA setzen. „Und hier auch nur in Begleitung – damit wollen wir sicherstellen, dass der Häftling nicht Familie oder Freunde trifft“, begründet Oberstleutnant Thomas Binder, stellvertretender Anstaltsleiter, die strengen Regeln.

Insassenbesuche in der Justizanstalt Gerasdorf sind derzeit nur so möglich: Getrennt durch eine Glaswand, um eine mögliche Corona-Infektion zu verhindern. Die Akzeptanz dafür ist laut Justizwachkommando durchaus gegeben.
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Besucher dürfen die Jugendlichen nur getrennt durch eine Glaswand empfangen – vorwiegend wird seit Beginn der Krise aber ohnehin auf Videotelefonie gesetzt: „Und das hat sich auch bewährt, weshalb wir diese ,Videobesuche‘ auch nach der Krise beibehalten werden“, ist Binder überzeugt. Während der Betrieb in den 13 Lehrwerkstätten unter Einhaltung der gängigen Hygienemaßnahmen normal weiterläuft, fällt das gemeinsame Mittagessen bis auf Weiteres aus: Gegessen wird alleine im Haftraum. Regelmäßige, freiwillige Testmöglichkeiten gab und gibt es ebenso – für Personal, aber auch für Häftlinge. Wie Letztere die Einschränkungen beurteilen? „Die Akzeptanz ist durchaus gegeben“, sagt Cornelia Wallner. Auch für die Impfung bestehe bei vielen Häftlingen Interesse, fügt sie hinzu.

Aktuell zählt die Justizanstalt – sie ist seit 2019 ein reines Nichtrauchergefängnis – rund 60 Insassen: Der jüngste Häftling ist 15, der älteste 23 Jahre.