Mit Bischof Schwarz durch den Advent: Frucht bringen. Unter dem Titel "Bereitmachen. Durch den Advent mit Bischof Alois Schwarz" ist ein täglicher Impuls unseres Diözesanbischofs auf NÖN.at zu lesen.

Von Bischof Alois Schwarz. Erstellt am 08. Dezember 2019 (05:00)
Gedanken zum Advent von Bischof Alois Schwarz
Pressestelle / Helge Bauer

„Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt“ (Mt 3,8) so heißt es unter anderem heute im Evangelium.

Ich hatte die Gelegenheit vor einiger Zeit im Rahmen der österreichischen Bischofskonferenz einer Zeitgeistforscherin zuzuhören, denn wir wollten erfahren: Was bewegt die Leute? Was ist Thema? Wir haben einen ganzen Tag mit dieser Zeitgeistforscherin gearbeitet. Sie hat uns Filme gezeigt und sie hat uns vor allem gesagt, wie die Werbung arbeitet. Die Werbung sagt den Menschen: „Du genügst nicht, wenn du das oder jenes nicht hast.“

Gegen Ende unseres Seminares haben wir sie gefragt, was es mit ihr eigentlich macht, wenn sie mit uns Bischöfen arbeitet. Sie hat gesagt, dass sie aus der ehemaligen DDR kommt. Sie ist nicht getauft. Sie hat überhaupt keinen Bezug zur christlichen Religion. Als sie von uns die Anfrage erhalten hat, dass sie uns einen Tag lang begleiten soll, hat ihre Mutter gesagt: „Tu das nicht. Du weißt ja, wie die Kirche ist.“

Sie hat sich dann aber doch dazu entschlossen, mit uns zu arbeiten und meinte: „Ihre Botschaft sagt: Mensch, du genügst. Du bist geliebt. Sie sagen der Welt etwas, wo man nicht etwas kaufen muss, um zu genügen, sondern wo man die Zusage hört: Mensch, du bist geliebt.“

Tatsächlich ist das so. Die christliche Religion ist die einzige Religion auf der Welt, die sagt: „Gott ist die Liebe.“ Der Islam hat viele Namen für Gott, aber er sagt nicht, dass Gott die Liebe ist. Der Hinduismus und der Buddhismus sagen das auch nicht. Keine andere Religion sagt, dass Gott die Liebe ist. Nur unsere Religion sagt das. Aber unser Gott sagt das nicht nur, sondern diese Liebe hat ein Gesicht. Im Kind von Bethlehem zeigt uns Gott seine Liebe. Diese wehrlose Liebe eines Kindes sagt uns: „Mensch, du genügst vor jeder Leistung, trotz aller Schuld. Mensch du bist geliebt.“

Das ist das beste Programm für die Welt, denn dieses Programm hält selbst über den Tod hinaus, denn seit Jesus von Nazareth wissen wir: Der Tod beendet das Sterben, aber nicht das Leben. Ich wäre heute nicht hier, wenn das so nicht wäre. Dann wäre das das Letzte gewesen, aber das ist nicht das Letzte. Das Letzte ist, dass die Liebe stärker ist als der Tod. Wir haben einen Gott, der sagt: „Mensch, du bist geliebt.“

Nicht mit Ratschlägen, sondern mit den ausgestreckten Händen eines kleinen Kindes sagt uns Gott: „Mensch, du bist geliebt.“ Das ist das große Geschenk von Weihnachten. Wir Menschen sind eingeladen diese Liebe Gottes füreinander fruchtbar werden zu lassen. Kehren wir um und schlagen wir eine neue Richtung auf dem Weg der Liebe Gottes ein.