Sprache als Schatz für die Kinder. Das grenzüberschreitende Projekt "BIG" blickt auf drei aktive Jahre zurück: Kinder konnten ab dem Kindergarten Tschechisch lernen, Pädagogen bildeten sich fort und schufen einen Pool mit Lernmaterialien. Eine Fortsetzung ist geplant.

Von Karin Widhalm. Erstellt am 03. Juni 2019 (17:40)

„Ihr seid mir weit voraus“, war Kindergarten-Inspektorin Regina Fichtl sehr beeindruckt vom Auftritt der Jüngsten bei der Abschlussveranstaltung eines grenzüberschreitenden Interreg-Projektes in der Freizeithalle Langau (Bezirk Horn). Die Langauer Kindergartenkinder sangen mehrere Lieder auf Tschechisch. Genau das wollte die Bildungskooperation in der Grenzregion („BIG AT-CZ“) bewirken.

Native Speakers aus Tschechien suchen Kindergärten, Volks- und Mittelschulen in den Bezirken Gänserndorf, Gmünd, Horn, Hollabrunn, Mistelbach und Waidhofen auf, um ihnen die Sprache vertraut zu machen.

„Wir bieten es freiwillig an“, erzählt Direktorin Susanne Zlöbl. Die Retzer Volksschule (Bezirk Hollabrunn) hat etwa eine Tschechisch-Gruppe, wo Schüler aus allen Schulstufen zusammengezogen werden.

"Ein Kind singt immer auf Tschechisch"

Die selbe Sprachlehrerin ist im Kindergarten und in der Volksschule Pleißing (Bezirk Hollabrunn) aktiv: Das erleichtere auch den Übergang, findet Direktorin Sonja Ziegler. Die Sprachoffensive fruchtet jedenfalls: „Ein Kind singt bei uns immer das Geburtstagslied auf Tschechisch“, schildert Andrea Gerstl, Kindergartenleiterin in Drosendorf (Bezirk Horn).
Positive Bilanz ziehen ebenso die Landesräte Christiane Teschl-Hofmeister (Bildung) und Martin Eichtinger (Internationale Beziehungen).

Sprachkenntnisse seien die Voraussetzung für das Zusammenwachsen einer Region: Kinder erhalten so Kompetenzen, um Kontakte aufbauen und wirtschaftlich wie auch gesellschaftlich Potenziale ausschöpfen zu können. Ziel ist es laut Teschl-Hofmeister, „dass man gar nicht überlegen muss, wie man sich unterhält, sondern dass man’s einfach tut.“

Eichtinger spricht von einem „Leuchtturmprojekt“: „Die Sprachoffensive zeigt uns: Die Zusammenarbeit über Niederösterreichs Ländergrenzen hinweg funktioniert.“ Das sei auch ein wichtiges Anliegen der Langauer Gemeinde, erklärt Bürgermeister Franz Linsbauer: „Diese großartige Initiative ist für uns lebenswichtig und zukunftsgestaltend.“


"BIG ist wirklich big"

Die seit 2003 bestehende NÖ Sprachoffensive ist eine Initiative des Landes, in der Kinder und Jugendliche Nachbarsprachen erlernen. Das Interreg-Projekt stieg 2016 als großer Finanzgeber ein und geht noch einen Schritt weiter. „Big ist wirklich big“, denkt Christa Kirchner vom Amt der NÖ Landesregierung (Abteilung Kindergärten) an die geografisch weitläufige Kooperation von Österreich mit Tschechien, Ungarn und der Slowakei.

Nicht nur die jeweilige Sprache wird vermittelt. Pädagogen werden zusätzlich geschult, sie können sich mit ihren Partnern über der Grenze vernetzen und arbeiteten gemeinsam an einem Pool mit didaktisch-methodischen Lernmaterialien, die jetzt allen zur Verfügung stehen.

Projekt wird weitergeführt


„Wenn man bei den kleinsten Kindern beginnt, dann ist das nur das Beste, was man tun kann“, verdeutlicht Jana Fischerová, Kreishauptmann-Stellvertreterin in Vysočina. „Jede Sprache bedeutet ein zusätzliches Leben, weil sich eine neue Kulturwelt erschließt“, ergänzt Eichtinger. „Es ist uns sehr daran gelegen, dass das Projekt weitergeführt wird“, berichtet Teschl-Hofmeister zum Schluss.


Die Abteilung Kindergärten im Amt der Landesregierung startet als Lead-Partner in der EU-Förderperiode 2014 bis 2020 drei neue EU-Projekte „Bildungskooperationen in der Grenzregion“ in Österreich-Tschechien, Slovakia-Österreich und Österreich-Ungarn. Sie verfolgen somit weiterhin das Ziel der Sprachoffensive.