Hotspot für grüne Ideen. Die landwirtschaftliche Fachschule Tulln ist eine wahre Goldgrube an energieautarken und nachhaltigen Projekten. Dem nicht genug wird der ganze Standort mit eigens erzeugter, grüner Energie am Laufen gehalten.

Von Gina Christof und NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 25. Mai 2019 (14:06)
Landwirtschaftliche Fachschule Tulln
Direktor Josef Meisl mit dem energieautarken und mobilen Hühnerstall, der mit der Ehrenmedaille beim Energy Globe Award ausgezeichnet wurde.
 

Ob ein energieautarker Hühnerstall, eine solarbetriebene Elektro-Rikscha, die zum fahrbaren Marktstand ausgebaut werden kann, eine Schultasche für Kinder in Afrika, die mit Solarpanelen ausgestattet Strom liefert oder eine energieautarke Station zum Trocknen von Kräutern – die Liste der innovativen Energiekonzepte, die die landwirtschaftliche Fachschule in Tulln zu bieten hat, könnte fast endlos fortgeführt werden.

Der kluge Kopf hinter den meisten Projekten ist dabei Direktor Josef Meisl, der übrigens auch schon den Energy Globe Award für sein Lebenswerk erhalten hat. „Gerade im erneuerbaren Energiesektor gibt es immer wieder neue Ideen, da bleibt nichts stehen“, erklärt er. Die Ideen kommen von ihm, von Kollegen oder von Schülern der Fachschule.

So auch jene für den mobilen, energieautarken Hühnerstall und die mobile, energieautarke Trocknungsstation für Kräuter – die beide mit der Ehrenmedaille beim Energy Globe Award ausgezeichnet wurden.

Energieautarke Freilandhaltung

Der Hühnerstall ist für Freilandhaltung ausgelegt. „Ein Solarpanel liefert Strom für das automatisch betriebene Tor, das um 11 Uhr die Hühner ins Freie lässt und sich abends wieder schließt“, erklärt Meisl. Der Hühnerstall kann bis zu 80 Hühner beherbergen und ist so konzipiert, dass er an ein Auto oder einen Traktor angehängt auch auf der Straße transportiert werden kann. Die Fachschule liefert aber auch die kleine Alternative dazu, die für den privaten Gebrauch gedacht ist: Bis zu zehn Hühner können hier untergebracht werden, die direkt unter dem fahrbaren Stall ihren Freilauf haben. „So können die Hühner nicht entkommen, und wenn eine Grasfläche abgegrast ist, kann der Wagen einfach zur nächsten weitergeschoben werden“, erklärt Meisl.

Ähnlich funktioniert die mobile Kräuter-Trocknungsstation. Mit Solarpanelen ausgestattet, wird Luft erhitzt und durch ein Rohr mit Gebläse zu einem Lochbodengitter geleitet, auf dem die Kräuter liegen. Ebenfalls mit Solarpanelen bestückt ist die energieautarke Schul tasche. „Da hatten wir eine Kooperation mit Schülern in Afrika. Außen befinden sich Solarpanele, die Energie wird in Strom umgewandelt, und innen kann der Laptop angesteckt werden“, erklärt Meisl stolz.

Die Projekte werden auf zwei Arten umgesetzt: als Forschungsprojekte, bei denen praxistaugliche Maschinen entstehen sollen. „Das sind dann Kooperationen mit Firmen“, erklärt Meisl. Oder als Umsetzungsprojekte, an denen auch die Schüler beteiligt sind. „Der Hühnerstall, die Kräuterstation oder auch die Rikscha waren solche Projekte, an denen auch Schülergruppen mitgearbeitet haben“, so Meisl.

Die Zukunft hält viele weitere Ideen bereit. Das Wichtigste bei alldem ist für Meisl aber der regionale Aspekt: „Das Schließen regionaler Kreisläufe – vor allem bei Energie und Lebensmitteln – liegt mir sehr am Herzen“, erklärt er. So wird auch die gesamte Fachschule energieautark betrieben.