"Viele haben nur Namen draufgeschrieben und abgegeben". Heute fiel der Startschuss für die Matura. Die aufgrund der Krise getroffene Ausnahmeregelung, wonach auch die Leistungen der achten Klasse in die Endnote einfließen, sei von einigen Schülern "ausgenutzt" worden, berichtet BHS-Landesschulsprecher Benjamin Koiser: "In meiner Klasse haben einige die Prüfung nicht einmal ausgefüllt, um die Zeit für die Mathematik-Vorbereitung nutzen zu können."

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 25. Mai 2020 (16:21)
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Tag 1 ist geschafft. Die niederösterreichischen Maturanten haben heute ihre Fachklausuren an den BHS oder etwa Biologie-, Physik- und Russisch-Klausuren an den AHS absolviert. Mit Fragen zur Betriebswirtschaftslehre beschäftigte sich Benjamin Koiser. Der BHS-Landesschulsprecher legte in der HAK St. Pölten seine erste Matura-Prüfung ab. In einem Gespräch mit der NÖN zog er Bilanz über den ersten Tag und berichtete von den Auswirkungen der sogenannten 50:50-Regelung bei der Leistungsbeurteilung.

50:50-Regelung wurde ausgenutzt

Dabei handelt es sich um eine der Ausnahme-Regelungen, die für den Corona-Jahrgang getroffen wurden. Die Matura-Note bildet heuer nicht nur die Leistung der schriftlichen Abschlussprüfung. Es fließt auch die Note der achten bzw. fünften Klasse in die Endnote mit ein. "Das ist eine gute Lösung, weil sie eine enorme Entlastung darstellt", findet Koiser. Aus seinen eigenen Erfahrungen berichtet er aber auch, dass die Regelung von einigen ausgenutzt wurde: "Einige Schüler haben nur den Namen auf den Prüfungsbogen geschrieben und sofort wieder abgegeben", erzählt er.

Das seien Schüler, die ohnehin keine negative Note mehr bekommen können, da sie in der achten bzw. fünften Klasse bereits ein "Befriedigend" oder etwas Besseres erzielt haben. "Sie konnten sich statt die Prüfung zu schreiben, auf die Fächer vorbereiten, in denen sie Schwächen haben. Bei den meisten ist das Mathematik", weiß Koiser. Nach der Abgabe des leeren - oder nur rudimentär ausgefüllten - Prüfungsbogens, seien sie nachhause gegangen, um dort für Mathematik zu lernen.

Aus der Sicht des Landesschülervertreters sollte das System, wonach die Leistungen der Abschlussklasse in die Matura-Note miteinfließen, beibehalten werden. Somit ergebe sich ein passenderes Bild über die Leistungen eines Schülers. "Die Matura sollte aus meiner Sicht aber stärker gewichtet werden. Ich wäre etwa für 70:30", sagt Koiser. Die Chancen, dass dieses in anderen Ländern ebenfalls übliche System tatsächlich bleibt, stehen gut: Dass er es beibehalten wolle, sagte Bildungsminister Heinz Faßmann vor einigen Tagen zur "Presse". 

"Ruhe war positiver Nebeneffekt"

Die strikteren Hygiene-Maßnahmen haben aus Koisers Sicht - zumindest an seiner eigenen Schule - gut funktioniert. "Ein positiver Nebeneffekt war auch, dass in den BHS außer den Maturanten niemand in der Schule war", meint der Landesschülervertreter. Dadurch konnten jene ohne Störgeräusche und Wirbel auf den Gängen die Prüfungsfragen beantworten.

Morgen geht es mit Deutsch weiter

Die von einigen Schülern gefürchtete Mathe-Klausur findet am Donnerstag, 28. Mai, statt. Morgen, Dienstag, müssen die Schüler ihre Deutsch-Fähigkeiten unter Beweis stellen, am 27. Mai ist Englisch-Matura und am Freitag, 29. Mai, finden einige Fremdsprachen-Klausuren statt, weitere Fremdsprachen-Prüfungen werden bis 4. Juni abgehalten.

Insgesamt treten in Niederösterreich heuer rund 7.000 Schüler zur Matura an.