Erstellt am 13. März 2018, 08:37

von Jutta Hahslinger

Baby totgeschüttelt: Vater ohne Emotion. Zwei Mal hat ein Vater, der zu seinem Kind gar keinen Kontakt haben durfte, das Baby „ruhiggestellt“ – bis zum Tod.

Patrick P. (29), der sein Kind totgeschüttelt hatte, zeigte beim Prozess keine Regung.  |  NOEN, Hahslinger

Die Richterfrage „Waren Sie schon am Grab Ihrer Tochter?“ löst bei der Kindsmutter (28) eine Tränenflut aus. Schluchzend verneint sie und bestätigt damit die Vermutung des Prozessvorsitzenden Manfred Hohenecker: „Dann müssten Sie sich den verhängnisvollen Fehler eingestehen.“

„Er war doch der Vater. Ich habe ihm oft gesagt, er muss sachte mit dem Baby umgehen“, schluchzt die 28-Jährige. Die Kindsmutter will oder kann es offensichtlich nur schwer wahrhaben, dass ihr Versagen zum Tod ihres drei Monate alten Mädchens beitragen hat.

„Sie haben den Gefährder ins Haus gelassen, ihm trotz Kontaktverbots Zugang zu den Kindern gewährt“, findet Anklägerin Gudrun Bischof klare Worte.

„Sie wussten doch, dass er keine glückliche Hand mit Kleinkindern hat. 2015 brach er seinem sieben Wochen alten Buben beim Wickeln den Oberschenkel. In der Folge wurde er zu einer 15-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt und die Jugendbehörde untersagte ihm den Kontakt zu den Kindern. Sie haben sich beide nicht daran gehalten. Auch wenn Sie als alleinerziehende Mutter überfordert waren, hätten Sie woanders bessere Hilfe gefunden, aber nein, Sie wählten ihn“, bringt es der Richter harsch auf den Punkt.

„Ich wollte einfach meine Ruhe haben. Ich war überfordert“

Während die 28-Jährige immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt wird, sitzt Patrick P., der 29-jährige Kindsvater, apathisch wirkend, daneben. In seinem Gesicht findet sich keine Regung, als ihn der Richter fragt: „Nach dem Vorfall mit Ihrem Buben, warum greifen Sie da noch ein Baby an?“

„Ich glaubte, ich kann es jetzt besser und kriege das hin. Aber als das Baby so weinte, fortwährend geschrien hat und sich nicht beruhigen ließ, habe ich die Nerven verloren“, sagt P. und gesteht zwei Schüttelattacken an dem Säugling, der an einem Schädelhirntrauma starb.

„Ich wollte einfach meine Ruhe haben. Ich war überfordert“, erklärt der Kindsvater.

Patrick P. wird wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Für die Kindsmutter setzt es wegen Vernachlässigens unmündiger Personen drei Jahre, davon muss sie ein Jahr absitzen. Nicht rechtskräftig.