Batterien: Brandgefährlicher Müll. 1,4 Millionen Lithiumbatterien landen jährlich im Restmüll. Diese falsche Form der Entsorgung ist gefährlich, denn die Energielieferanten sind leicht entzündbar. Das führt vermehrt zu Bränden in Entsorgungsbetrieben.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 02. Dezember 2019 (15:04)

Vertreter der Abfall- und Ressourcenwirtschaft rufen nun die Bevölkerung dazu auf, Produkte mit Lithiumbatterien ausschließlich in den dafür vorgesehenen Sammelboxen im Handel oder bei Altstoffsammelzentren getrennt zu entsorgen. Denn die Lage ist dramatisch: Die Montanuniversität Leoben warnt vor einer Verdoppelung von derzeit 1,4 auf 2,8 Millionen Lithiumbatterien im Restmüll, die Feuerwehr geht von einer weiteren Zunahme von gefährlichen Bränden aus. Eine Studie belegt, dass nur jeder zweite Österreicher alte Batterien korrekt entsorgt. 

Lithiumbatterien: In Kinderschuhen, Tablets, Mixern, ...

Lithiumbatterien befinden sich in blinkenden Kinderschuhen, Tablets, Stabmixern, singenden Grußkarten oder Gartengeräten. Wenn sie im Restmüll landen, können sie sich bereits bei kleinster Reibung entzünden und Brände verursachen: in Mülltonnen, LKWs und Recyclinganlagen – aber auch in den eigenen vier Wänden. Dass Lithiumbatterien hochexplosiv und brandgefährlich sind weiß aber nur jeder dritte Österreicher, der Unterschied zu herkömmlichen Alkaline-Batterien ist überhaupt nur 16 Prozent der Bevölkerung klar, zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag des Verbands Österreichischer Entsorgungsbetriebe (VOEB). 

Alte Batterien meist falsch entsorgt

So entsorgen auch nur 55 Prozent der befragten Österreicher alte Batterien und Akkus in den dafür vorgesehenen Sammelboxen. Das entspricht zwar der gesetzlichen Sammelquote von 45 Prozent, ist aber aufgrund der massiven Zunahme von im Umlauf befindlichen Lithiumbatterien für die Entsorgungsbetriebe eine Katastrophe, denn die Zahl der Brände steigt. 

Verletzte Mitarbeiter, hoher Sachschaden

Hans Roth, Präsident des VOEB: „Lithiumbatterien sind die größte Herausforderung der Branche in den letzten 40 Jahren. Wir wissen von Entsorgungsbetrieben, in denen sie für 95 Prozent der Störfälle verantwortlich sind. Wir haben verletzte Mitarbeiter zu beklagen, der Sachschaden ist enorm. Das kann so nicht weitergehen. Wenn die Batterie-Sammelquote nicht zumindest auf 75 Prozent erhöht wird, wird kein Weg an einem Pfand vorbeiführen.“

Handel muss Batterien zurücknehmen

Die Zahlen der Studie zeigen eindeutig, dass die Bevölkerung nur unzureichend über die Gefahren von Lithiumbatterien informiert ist. Besonders auffällig ist das bei unter 30-Jährigen: Nur 29 Prozent wissen, dass der Handel verpflichtet ist, alte Batterien zurückzunehmen, gerade 32 Prozent ist die fachgerechte Entsorgung ein Anliegen und nur etwas mehr als jeder Dritte entsorgt alte Batterien fachgerecht – bei den über 60-Jährigen sind es 71 Prozent! 

Studie bestätigt Zusammenhang zwischen Bränden und Lithium-Batterien 

Seit Jahren beschäftigt sich Roland Pomberger von der Montanuniversität Leoben mit den leistungsstarken, hochexplosiven Lithiumbatterien. „Wir können den Zusammenhang zwischen der steigenden Anzahl von Lithiumbatterien im Restmüll und den Bränden bei Entsorgungsbetrieben eindeutig belegen.“ Die Hersteller erfüllen bereits die geforderte Sammelquote und fühlen sich daher nicht zuständig. Die Konsumenten haben kein Bewusstsein dafür und wissen oft nicht einmal, worin sich überall Lithiumbatterien befinden. Auch für die Politik hat das Thema (noch) keine Priorität. Pomberger: „Die Faustregel lautet: In einer Tonne Restmüll befindet sich durchschnittlich eine Lithium-batterie. Jede Lithiumbatterie ist eine potenzielle Zündquelle. Durch Abfallbehandlung und Recycling steigt die Wahrscheinlichkeit einer Beschädigung und damit die Wahrscheinlichkeit eines Brandfalles.“

Gefahr im eigenen Heim

Roman Sykora vom Österreichische Bundesfeuerwehrverband: „Lithium-Ionen-Akkus im Restmüll sind brandgefährlich. Oft dauert es eine gewisse Zeit, bis aufgrund unterschiedlichster Umstände eine Rauchentwicklung entsteht. Ein daraus resultierender Brand in Kombination mit einer starken Verrauchung kann in den eigenen vier Wänden innerhalb kürzester Zeit fatale Folgen haben.“ Gerade für die Einsatzkräfte ergeben sich durch die rasanten Entwicklungen und ständig neue Innovationen, von denen auch Gefahren ausgehen können, ein bestimmter Handlungsbedarf. „Neue Feuerwehr-Gerätschaften bzw. Ausrüstungsgegenstände zur Prävention, Abwehr und Bekämpfung von Gefahren müssen entwickelt und angeschafft werden. Vor allem aber ist der Bereich der Ausbildung gefordert, schließlich müssen die österreichischen Feuerwehrmitglieder stets am aktuellen Stand der Technik sein, um professionell helfen zu können.“

Studien-Infos 

  • Im Auftrag des VOEB befragte das Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent.com im Oktober 2019 über 500 webaktive ÖsterreicherInnen im Alter zwischen 14 bis 69 Jahren zu den Themen Wissen, Entsorgung und Gefahren von Lithiumbatterien.