Erstellt am 13. Juni 2018, 10:46

von Eva Hinterer

Menschenhändler-Ring mit Basis in NÖ ausgehoben. Im Bezirk Mödling und in Wien fasste die Polizei mit Unterstützung spanischer Kollegen fünf Menschenhändler und brachte 15 Opfer in Sicherheit.

Mehr Geld, ein besseres Leben, eine Arbeit als Kindermädchen – mit Versprechungen wie diesen köderten Menschenhändler in Kolumbien und Venezuela Mädchen zwischen 19 und 22 Jahren in Diskotheken und im Internet. Die Opfer, die sich Hoffnungen auf eine gute Zukunft in Europa gemacht hatten, wurden nach der Landung in Wien-Schwechat bitter enttäuscht: Man nahm ihnen die Pässe ab und brachte sie in angemietete Wohnungen, wo sie zur Prostitution gezwungen wurden. In völliger Abschottung von der Außenwelt mussten sie sich unter Druck und Drohungen prostituieren.

Im März 2018 konnte sich ein Opfer befreien und Kontakt zu einer Vertrauensperson herstellen, die richtig reagierte und die Polizei informierte. Die konnte jetzt den Verbrecherring ausheben. Bei einer Pressekonferenz im Landeskriminalamt präsentierte LKA-Leiter Omar Haijawi-Pirchner, Gerald Tatzgern, Leiter des Bereiches Menschenhandel im Bundeskriminalamt, Gerald Haider von der Cobra und Jesús Alberto Marquez Navarro, Attaché der spanischen Nationalpolizei in Österreich, die Ergebnisse der Ermittlungen.

Seit 2016 hatten die Menschenhändler agiert

Seit 2016 hatten die Menschenhändler aus Kolumbien und Venezuela – zwei Frauen und drei Männer – in Österreich agiert. Vier von ihnen besitzen zusätzlich die spanische Staatsbürgerschaft, aus diesem Grund wurde die spanische Exekutive beigezogen. In Wien und im Bezirk Mödling wurden Wohnungen angemietet, in denen die Opfer der Prostitution nachgingen; in weiteren Wohnungen lebten die Täter, teils mit Familienmitgliedern. Manche der Täter sind miteinander verwandt.

Die jungen Frauen wurden lückenlos überwacht, mussten ihren Lohn abliefern und wurden von ihren Erpressern mit absurden Geldforderungen für Reise- und Aufenthaltskosten zusätzlich unter Druck gesetzt.

Aktuell konnte die Polizei 15 Opfer befreien. 13 davon aus besagten Wohnungen, zwei junge Frauen wurden am Flughafen Schwechat abgefangen und sofort in Sicherheit gebracht. In den Wohnungen der Täter fand die Polizei Bargeld im fünfstelligen Euro-Bereich.

Lob für die Zusammenarbeit 

Omar Haijawi-Pirchner lobte in dem Zusammenhang die reibungslose Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt, der Cobra, der Staatsanwaltschaft Wien und natürlich der spanischen Nationalpolizei.

Die Ermittlungen dauern an, da nicht ausgeschlossen wird, dass es noch weitere Opfer gibt. Auch die spanische Polizei sucht weitere Zellen der Menschenhändler in Spanien beziehungsweise werden aktuell verwandte der Täter im Land gesucht.

Gerald Tatzgern erklärt, dass es in Österreich neben 8.000 legalen Prostituierten zwischen 2.000 und 4.000 illegale Prostituierte gibt. Viele von ihnen kommen aus Ländern, die wegen ihrer schwachen Wirtschaftslage kaum Perspektiven bieten und daher anfällig für Versprechungen der Menschenhändler sind. Überdies haben die Opfer oft Angst vor der Polizei und sind es nicht gewöhnt, dass ihnen dort jemand hilft.

Der spanische Attaché Jesús Alberto Marquez Navarro bezeichnet den Ermittlungserfolg als „sehr wichtig“. Die spanische Polizei ermittelt aktuell, welche Verwandtschaftsbeziehungen die gefassten Täter in Spanien haben.