Ermittler orten gezielte Desinformation. Im Zusammenhang mit der Bluttat in Gerasdorf bei Wien (Bezirk Korneuburg) hat die Polizei gezielte Desinformation durch eine Fülle von Informanten geortet. Angeblich zweckdienliche Angaben, die Ermittlern und offenbar auch Journalisten angeboten würden, "enthalten zum Teil offensichtliche Halbwahrheiten und widersprechen nicht selten dem Faktenstand", wurde am Donnerstag betont.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 16. Juli 2020 (10:53)
An Klärung des Falles wird mit Hochdruck gearbeitet
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Die seit den tödlichen Schüssen auf den 43-jährigen Tschetschenen Mamichan U. alias Martin B. am 4. Juli auftauchenden Informationen seien oft schwer und nur zeitaufwendig verifizierbar, hob die Landespolizeidirektion Niederösterreich hervor. Es gebe zur Thematik "zahlreiche tendenziöse Blogs, Youtube-Videos und Berichterstattungen, die unreflektiert wiedergegeben werden".

Personen würden sich als Zeugen anbieten und in weiterer Folge erzählen, was sie in den entsprechenden Blogs gelesen oder in den Videos gesehen hätten. "Je nach Standpunkt werden dabei ausländische staatliche Organisationen, kriminelle Netzwerke oder die Mitglieder der vor dem politischen Regime im Heimatland geflohene Diaspora in Europa diverser strafbarer Handlungen beschuldigt", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Die Vielzahl an angeblichen nationalen und internationalen Informanten erweckt bei den Ermittlern den Eindruck der mittelbaren Einflussnahme auf die Erhebungen durch gezielte Desinformation. "Rechtsstaatlich geführte Ermittlungen passieren faktenorientiert und basieren auf beweisbaren Tatsachen", stellte die Polizei klar.

Im Vordergrund stehe derzeit die restlose Klärung des "komplexen Mordfalles". Die Ermittler des Landesamts für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (LVT) Niederösterreich würden mit Hochdruck an der Lösung des Kriminalfalles und der dazugehörenden Hintergründe arbeiten, wurde festgehalten. Neue Details gebe es in der Causa nicht zu verkünden.