Es geht um die Begegnungen. Ein Caritas-Haussammler erzählt, was außer Geldsammeln wirklich wichtig ist.

Von David Brandl. Erstellt am 17. Juni 2021 (03:10)
Anton Hiesleitner aus der Pfarre Euratsfeld ist einer von 4.500 Sammlern.
Franz Gleiß, Franz Gleiß

„Grüß Gott, wie geht es Ihnen?“ – mit diesen Worten begrüßen seit Anfang Juni rund 4.500 Haussammler ihre Mitmenschen, um Spenden für die Caritas zu sammeln. Im Mittelpunkt stehen nicht nur Geldspenden, sondern auch persönliche Begegnungen, bei denen die Helfer von den Sorgen ihrer Mitbürger erfahren.

Einer der Haussammler in Niederösterreich ist Anton Hiesleitner aus der Pfarre Euratsfeld. Seit zehn Jahren ist der rüstige Pensionist im Pfarrgemeinderat aktiv und in Euratsfeld für die Pfarrcaritas verantwortlich.

Nachdem die Haussammlung von Tür zu Tür letztes Jahr aufgrund der Pandemie ausfiel, freut sich Hiesleitner heuer umso mehr: „Bei den Begegnungen sieht man, wenn es Menschen schlecht geht. Deshalb ist die Caritas-Haussammlung für mich so wichtig.“ Angst habe man kaum, weil viele bereits geimpft seien und die Schutzmaßnahmen eingehalten werden.

"Die Not wohnt bei dir im Ort – Die Hilfe auch"

Das persönliche Gespräch ist für die Haussammler zentral. Dafür entwickelten die Euratsfelder auch kreative Ideen: So hinterließen Helfer schon in den Jahren vor der Pandemie Einladungen an die Spender, die nicht zuhause waren, damit die später bei den Sammlern auf Kaffee und Kuchen vorbeikommen – mit einer Spende. „Das hat tatsächlich funktioniert“, zeigt sich Hiesleitner erstaunt.

Das Motto der diesjährigen Haussammlung lautet „Die Not wohnt bei dir im Ort – Die Hilfe auch“. Pro Jahr verwenden Niederösterreichs Pfarren rund 100.000 Euro für eigene Soforthilfeprojekte.

So erzählt Hiesleitner, dass die Pfarrcaritas mit den Spenden direkt und rasch unterstützt. Im Vorjahr konnte einer jungen Frau mit Lernschwäche, deren Mutter verstorben war, geholfen werden. „Sie ist allein zurückgeblieben und wusste nicht, wie es weitergehen soll.“ Die Pfarrcaritas half bei der Organisation der Beerdigung und übernahm die Kosten. „Auch eine Arbeitsstelle im Ort konnte vermittelt werden. Jetzt geht es ihr wieder gut“, freut sich Hiesleitner.