Bundesheer: Stichprobenartige Grenzkontrollen . Durch Corona war das Bundesheer im Postzentrum Hagenbrunn, im Klinikum Wiener Neustadt, am Flughafen in Schwechat und gemeinsam mit der Polizei an der Grenze im Einsatz.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 03. Juli 2020 (18:35)
Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig und Militärkommandant Brigadier Martin Jawurek ziehen ein positives Resümee über die bisherige Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsbehörden und dem Bundesheer im Zuge von Corona.
Haiderer

Schutzausrüstung verteilen und bei der Zugangskontrolle im Krankenhaus in Wiener Neustadt helfen. Damit begann Anfang April die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsbehörden und dem Bundesheer im Zuge der Coronakrise. Doch nicht nur hier, auch an vielen anderen Orten war das Bundesheer im Assistenzeinsatz rund um Corona.

Grundsätzlich kann das Bundesheer dort, wo zivile Ressourcen nicht ausreichen, von Behörden angefordert werden. Von Bezirkshauptleuten bei Hochwasser zum Beispiel. Vom Bürgermeister oder vom Land. Oder aber auch von der Polizei – wenn es sich um einen Sicherheitseinsatz handelt. Wie es durch die Reiseeinschränkungen ab Mitte April der Fall war.

Damals kontrollierten die Straßenmeistereien Durchreisebestätigungen, Corona-Atteste usw. von Reisenden an der Grenze. Die Polizei führte Grenzkontrollen durch. Und rund hundert Mann des Bundesheeres lösten das Gesundheitspersonal ab und kümmerten sich ums Fiebermessen an den Grenzübergängen. Dazu kam später auch die Kontrolle der Papiere, Atteste und Formulare mit zahlreichen Sonderregelungen. Zudem überwachte man gemeinsam mit der Polizei die grünen Grenzen, rund 36 geschlossene Grenzübergänge sowie die offenen Grenzübergänge, wenn diese nachts geschlossen waren.

„Kleine Kasernen“ in acht grenznahen Orten

Jede Menge Soldaten waren also gefragt. Der Dienst der Grundwehrdiener wurde verlängert. Und so gab es – verschärft durch die Sicherheitsbestimmungen durch Corona - mancherorts mehr Soldaten als Platz in der Kaserne. Die Lösung? In Bad Großpertholz, Großschönau, Litschau, Raabs/Thaya, Horn, Retz Poysdorf und Untersiebenbrunn wurden aus geschlossenen Hotels und Pensionen „Kleine Kasernen“. „Somit haben wir rasch und dezentral reagieren können. Das hat sehr, sehr gut funktioniert“, betont Militärkommandant Brigadier Martin Jawurek. Das Essen wurde aus den Kasernen geliefert. Frühstückssemmerl gab es teilweise vom Bäcker aus dem Ort.

Dann endete der Dienst der Grundwehrdiener und die Miliz startete ihren Einsatz. Die Jägerkompanie Tulln kümmerte sich um die Grenze in den Bezirken Waidhofen und Gmünd, die erste Jägerkompanie des Jägerbataillons um Horn und Hollabrunn und die Jägerkompanie Korneuburg um Mistelbach und Gänserndorf.

Etwa drei Stichproben-Kontrollen pro Tag

Inzwischen gibt es die durchgehenden Grenzkontrollen nicht mehr. Nicht zuletzt aufgrund des Schengen-Abkommens. Der Einsatz im Auftrag der Landespolizeidirektion wurde ruhend gestellt. „Wir reagieren der Lage angepasst“, so Jawurek. Überprüft können Reisende aber dennoch werden. „Jetzt macht man stichprobenartige Kontrollen“, so Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Im Grenzbereich in Absprache mit dem Bezirkshauptmann und dem Bezirkspolizeikommando. Etwa drei Kontrollen pro Bezirk pro Tag, so Jawurek.

Angefordert werden kann das Bundesheer übrigens auch, wenn ein Problem zeitkritisch ist. Wie es etwa im Postzentrum Hagenbrunn der Fall war. „ABC-Experten haben beraten, desinfiziert und Vorkehrungen getroffen“, beschreibt Jawurek. Zwei Wochen lang kümmerten sich Soldaten um Pakete und Briefe.

Militärmusiker als Assistenzsoldaten

Und auch am Flughafen Schwechat, wo der Flugverkehr wieder zunimmt, sind Soldaten im Einsatz. Und es waren auch Soldaten im Einsatz, an die man vielleicht nicht gleich denkt. Die Militärmusik konnte nicht proben. Und so wurden auch die Musiker zu Assistenzsoldaten ausgebildet. Was man dabei übrigens unter anderem lernt? Vorgehensweisen, Eigenschutz, Handhabung mit der Pistole usw. Es gibt eine rechtliche Schulung. Was darf man? Was nicht? Und: Geht es um einen Assistenzeinsatz der Polizei, ist ein Trainer der Polizei mit dabei.

Wie Jawurek die bisherigen Assistenzeinsätze beurteilt? „Ein sehr positiver Einsatz aus unserer Sicht“, resümiert er. Bis zu 500 Soldaten waren im Einsatz. „Die Aufträge, die wir hatten, konnten wir erfüllen.“ Man war auch vorbereitet. Immerhin war das Bundesheer von Beginn des Sanitätsstabes im Februar durch einen Verbindungsoffizier dort vertreten. " Wir haben geplant, was könnte gebraucht werden.“ Noch bevor man angefordert wurde.
Aktuell: 97 Erkrankte und 2.510 in Quarantäne 

„Wir haben mit heute 113.704 Testungen durchgeführt“, so Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig. Sowohl bei Verdachtsfällen als auch im Rahmen von Screenings. 97 Personen sind aktuell in Niederösterreich erkrankt. Elf werden im Krankenhaus behandelt, zwei von ihnen auf einer Intensivstation. Es gibt fünf Cluster. Insgesamt wurden seit Beginn 3.014 Personen positiv getestet, davon verstarben 104 Menschen in NÖ. Und: Es wurden insgesamt 29.212 Absonderungsbescheide ausgestellt. Zurzeit sind 2.510 Personen aktuell zuhause.

 „Die Pandemie ist nicht vorbei“, warnt Königsberger-Ludwig und plädiert daher weiterhin für Händewaschen, ein angemessenes Verhalten bei Niesen und Husten, Abstand halten und den Mund-Nasen-Schutz bei Bedarf.