Waldohreule völlig durchnässt und erschöpft gefunden. Ungewöhnlich spät gibt es in diesem Jahr bei einigen Wildtieren noch Jungtiere. So auch die völlig durchnässte und erschöpfte Waldohreule, die vorige Woche in Velm-Götzendorf im Bezirk Bruck in einem Garten gefunden und dann in die EGS Haringsee (Bezirk Gänserndorf) wurde...

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 11. September 2019 (09:09)

Die Nachbarn brachten das arme Tier in die von "Vier Pfoten" geführte Eulen- und Greifvogelstation Haringsee (EGS). „Der Haushund hatte die Bewohner auf die kleine Eule aufmerksam gemacht“, berichtet Vier Pfoten-Expertin Brigitte Kopetzky. „Sie wird jetzt vom EGS-Team liebevoll aufgepäppelt. Übers Wochenende hat sie sich auch schon recht gut erholt.“

Die junge Waldohreule wird der EGS wahrscheinlich erhalten bleiben. Denn sie hat einen Federdefekt und wird daher vermutlich ein Dauerpatient bleiben. „Wir vermuten eine genetische Störung“, sagt Kopetzky. „Das Schöne ist aber, dass sie als Amme für andere Jungeulen eine ganz wichtige Funktion haben wird.“

Denn die EGS ist die einzige Pflegestation, in der Jungvogelfindlinge durch Ammen derselben Vogelart, also in einem natürlichen Familienverband, großgezogen werden können. Dadurch werden die schädlichen Folgen einer Handaufzucht vermieden, und die Tiere können nach ihrer Genesung zu 90 Prozent wieder in die Natur gelassen werden.

Die Tatsache, dass es noch jetzt Jungtiere gibt, liegt an der sehr hohen Mäusepopulation im nördlichen Weinviertel. „Viele mäusefressende Arten haben ihre Jungenanzahl an das gute Futterangebot angepasst“ erklärt der wissenschaftliche Leiter der EGS, Hans Frey. „Die junge Eule stammt vermutlich aus einem Zweitgelege, d.h. ihre Eltern ziehen heuer schon zum zweiten Mal Junge auf.“

Alle Beutegreifer für Nager, sofern sie mobil sind, reagierten mit Zuwanderung. „Als Beispiel sei eine am Boden brütende Art erwähnt, die Sumpfohreule, die sonst in Österreich nur sehr sporadisch als Brutvogel in Erscheinung tritt“, sagt Frey.

2019 wurden im nördlichen Weinviertel plötzlich über 100 (!) Brutpaare registriert mit extrem guter Reproduktion. Die Landwirte waren auch meist sehr kooperativ, um die Gelege oder Jungtiere zu schonen. „Wir übernahmen heuer auch auffallend viele Jungtiere von anderen Eulenarten, wie eben Waldohreulen, oder Turmfalken“, so Frey.