Kurzarbeit: Kritik am Roten Kreuz. Die Rettungsorganisation steht derzeit im Kreuzfeuer: Man habe Hunderte Mitarbeiter zur Kurzarbeit angemeldet und beschäftige gleichzeitig außerordentliche Zivildiener. Außerdem sei bei der Auswahl der für die Kurzarbeit angemeldeten Personen unfair vorgegangen worden. Das Rote Kreuz NÖ wehrt sich.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 22. April 2020 (16:11)
Einsatz in der Coronakrise. Jetzt muss sich das Rote Kreuz gegen Vorwürfe wehren, es schicke eigene Mitarbeiter in Kurzarbeit und ersetze sie durch außerordentliche Zivildiener.
ÖRK/LV Wien/KHD Dokuteam/Armin Fauland

"Alle Härtefälle wurden herausgenommen", sagt Rotkreuz-NÖ-Pressesprecher Andreas Zenker zum Vorwurf, es seien zum Beispiel Alleinerzieher zur Kurzarbeit angemeldet worden. Wem das passiert sei, der möge sich bitte bei seiner Personalvertretung melden. "Wir haben ja kein Interesse, jemanden schlecht zu stellen."

Dass von den rund 1.000 angestellte Mitarbeitern in Niederösterreich 223 zur Kurzarbeit angemeldet wurden, habe handfeste Gründe.

So werden derzeit keine Mitarbeiter in der Kinderburg Rappottenstein, wo das Rote Kreuz schwer kranke Kinder und ihre Angehörigen betreut, gebraucht. Die Burg ist derzeit geschlossen. Auch Mitarbeiter, die etwa Fortbildungskurse betreuen, werden derzeit nicht bzw. weniger gebraucht, alle Kurse sind abgesagt.

Kurzarbeit auch bei anderen Organisationen

Andreas Zenker betont außerdem, dass auch andere Sozialorganisationen in Niederösterreich ihre Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt haben: Von 1.600 Volkshilfe-Mitarbeitern sind 400 in Kurzarbeit, beim Hilfswerk sind es 680 von 3.100.

Einer der Vorwürfe betrifft die außerordentlichen Zivildiener: Das Rote Kreuz habe so viele Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt wie es jetzt außerordentliche Zivildiener einsetzt. Die Fakten: Insgesamt haben sich 362 ehemalige Zivildiener bei  Roten Kreuz NÖ gemeldet.

Davon wurden 258 von anderen Trägerorganisationen angefordert und vom Roten Kreuz im Auftrag der Zivildienstserviceagentur ZISA zugeteilt. 104 junge Männer sind an den Bezirksstellen des Roten Kreuzes Niederösterreich im Einsatz, primär im Rettungs- und Sanitätsdienst. Dazu kommen weitere 273 Personen, die mit 31. März ihren Zivildienst eigentlich abgeschlossen haben und noch weitere drei Monate verlängern.

Die Vorwürfe im Detail

Die folgenden Vorwürfe sind bei der NÖN via Mail eingegangen. Im Anhang jeweils die Antwort des Roten Kreuzes NÖ:

Vorwurf 1: "Es wurden Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt,  die Alleinerzieher oder Geringverdiener
sind."

Antwort Rotes Kreuz NÖ: Das ist uns so nicht bekannt. Das Rote Kreuz ist in NÖ mit seinen 60 Dienstleistungen mittlerweile weit mehr als eine Rettung. Derzeit musste auch das Rote Kreuz Mitarbeiter zur Kurzarbeit anmelden, die Kinderbetreuungseinrichtungen (Horte und Kinderkrippe), die Lernförderangebote, die Kinderburg, Seniorenausflüge oder Seniorentreffs als auch die Bildungsangebote wie Erste-Hilfe-Kurse und Kurse für pflegende Angehörige leider nicht angeboten werden dürfen. Das steht in keinem Zusammenhang mit dem Rettungsdienst, dem unsere Zivildiener zugeordnet sind. Hier wird auch die Ressource benötigt, um die zusätzlichen Aufgaben – bisher mehr als 13.000 Testungen, Covid-Transporte etc. durchführen zu können und gleichermaßen auch eine gewisse Sicherheitsreserve für eine mögliche neue Infektionswelle sicherzustellen. Auch wir müssen mit dem Geld, das uns sowohl Spenderinnen und Spender aber auch Bund, Länder und Gemeinden überantworten sorgsam umgehen und können nicht unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einfach bei vollen Bezügen freistellen. Alle Maßnahmen sind mit dem Betriebsrat akkordiert.

Vorwurf 2: "Das Rot-Kreuz-Präsidium spart nicht bei sich selbst, sondern bei den Mitarbeitern. "

Antwort Rotes Kreuz NÖ: Das ist ein interessanter Vorwurf, zumal unser Präsidium ehrenamtlich tätig ist. Wir verstehen den Vorwurf nicht.

Vorwurf 3: "Den Mitarbeitern wird gleichzeitig mit Einführung der Kurzarbeit ein Maulkorb
verpasst."

Antwort Rotes Kreuz NÖ: Weder seitens Pressestelle noch des Präsidiums wurde so etwas verfügt. Klar ist, dass Medienanfragen über die Pressestelle koordiniert werden.

Vorwurf 4: "Das Rote Kreuz schickt mobile Krankenpfleger um die 60 Jahre in Kurzarbeit, obwohl man da auch bei 50%-iger Beschäftigung gefährdet ist."

Antwort Rotes Kreuz NÖ: Die betreffende Mitarbeiterin (wir haben nur zwei Kollegeninnen aus dem Pflegedienst in der Kurzarbeit) wurde nach ersten Gesprächen auf einen sehr geringen Prozentgrad zur Kurzarbeit gemeldet (Schutz der Mitarbeiterinnen). Nachträglich hat sie selbst um eine Erhöhung ersucht, dem wurde nachgegangen. Die Mitarbeiterin ist – zur Schutz ihrer Gesundheit – erst wieder für Mitte Mai für eine aktive Betreuung vorgesehen.