Verkehr: Alt, zu Fuß und gefährdet. Ältere Menschen sind, wenn sie zu Fuß unterwegs sind, besonders gefährdet. Jedes zweite Unfallopfer ist über 70 Jahre. Der Verkehrsclub empfiehlt „fehlertolerierendes Konzept“.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 22. Januar 2019 (02:34)
terekhov igor/Shuttterstock.com
Obwohl der Zebrastreifen Schutz bieten sollte, passieren laut Polizei hier immer wieder Unfälle, weil Verkehrsteilnehmer unaufmerksam oder rücksichtslos waren.

Zehn Fußgänger kamen im Vorjahr auf Niederösterreichs Straßen ums Leben, acht davon im Ortsgebiet. Und: Jedes zweite Unfallopfer war über 70 Jahre.

Tempo 30 vor Schulen, Kindergärten oder in Wohnstraßen, Fußgängerampeln, Schutzwege, Gehsteige: In den letzten zwei Jahrzehnten haben Niederösterreichs Gemeinden viele Sicherheits-Maßnahmen für Fußgänger gesetzt. Besonders in von Kindern frequentierten Bereichen.

Aber bleiben die „Alten“ auf der Strecke? „Gerade für ältere Menschen ist es wichtig, dass das Verkehrssystem fehlertoleranter wird“, sagt Christian Gratzer vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). Ein Beispiel: „Die Zahl der Menschen, die etwa an Demenz erkranken oder die schlechter sehen, wird zunehmen. Darauf muss man in der Verkehrsplanung Rücksicht nehmen.“ Andernfalls könne ein Fehltritt mit schweren Verletzungen oder dem Tod enden. Der VCÖ fordert daher Begegnungszonen: Hier haben Fußgänger Vorrang und dürfen die Fahrbahn überall queren. Das Tempolimit liegt bei 20 Stundenkilometern. Begegnungszonen gibt es bereits in Horn, Mödling und Tulln.

"Der menschliche Faktor bleibt entscheidend"

Der Bau von breiteren Gehsteigen ist ein weiteres Anliegen. „Gehsteige sollten so angelegt sein, dass zwei Personen mit Rollator oder Kinderwagen leicht aneinander vorbeigehen können“, sagt Gratzer.

Übersichtliche Kreuzungen mit Halte- und Parkverbot davor, ohne ablenkende Werbetafeln sowie Tempo 30 als Regel im Ortsgebiet sind für den VCÖ weitere Punkte eines fehlertolerierenden Verkehrssystems.

Ferdinand Zuser, Leiter der Landesverkehrsabteilung der Landespolizeidirektion, meint, „dass vor allem die verbesserte Ausleuchtung von Schutzwegen an vielen Orten Sinn gemacht hat“. Maßnahmen zur Hebung der Verkehrssicherheit begrüßt er, doch meint er, dass ein „fehlertolerantes Verkehrssystem“ nicht zwingend die Unfallzahlen senken wird. „Der menschliche Faktor bleibt entscheidend. Man darf nicht davon ausgehen, dass der Schutzweg automatisch Schutz bietet.“ Und: „Man muss sich jeden tödlichen Fußgängerunfall genau ansehen, was letztlich dazu geführt hat und ob hier eine konkrete Maßnahme auf Dauer Sinn macht.“

Im Rahmen einer aktuellen Umfrage erhebt der VCÖ, welche Verbesserungen von Fußgängern gewünscht werden.

Zu finden unter www.vcoe.at