Wie entstehen Gewitter und Hagelkörner?. Blitze, Donner und Hagelkörner in der Größe von Tennisbällen: Unwetter haben diesen Sommer hierzulande bereits großen Schaden verursacht. Mag. Christian Pehsl arbeitet als Meteorologe an der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) in Graz. Er erklärt, wie Gewitter und Hagelkörner entstehen.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 10. September 2021 (05:13)
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Hierzulande reichen Gewitterwolken bis zu zwölf Kilometer in die Höhe.
Shutterstock.com/John D Sirlin

Damit eine mächtige Gewitterwolke entsteht, sind drei Bedingungen notwendig. Zuerst braucht es einen großen Unterschied zwischen der Temperatur am Boden und in höheren Luftschichten. Wird die bodennahe Luft zum Aufsteigen gezwungen, ist sie wärmer als die Umgebungsluft und steigt weiter in die Höhe, wie ein Heißluftballon.

Die zweite Zutat ist eine hohe Luftfeuchtigkeit. Steigt die Luft auf, kühlt sie ab, und aus dem unsichtbaren Wasserdampf werden sichtbare Wassertröpfchen – die (Gewitter-)Wolke entsteht.

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Christian Pehsl
ZAMG

Als Drittes braucht es einen Auslöser, damit ein Luftpaket in die Höhe steigen kann. Die Luft strömt etwa auf einen Berg und muss aufsteigen, oder die Sonne erhitzt den Boden so stark, dass sich eine heiße Luftblase bildet, die aufsteigt. Aber auch eine Kaltfront vom Atlantik kann in die Sommerhitze rauschen und sie in die Höhe wirbeln, wie wenn man in einen Haufen Federn bläst.

Laut den Daten des Blitzortungssystems ALDIS ist nicht Niederösterreich, sondern die Steiermark das blitzreichste Bundesland. Im steirischen Bezirk Weiz schlägt der Blitz dreimal häufiger ein als im Bezirk Horn. Gewitter haben extrem starke Auf- und Abwinde mit teils mehr als 100 km/h. Dadurch werden Wassertropfen weit nach oben geschleudert und gefrieren. Dieser Prozess kann sich wiederholen.

Das Eiskorn wächst dann so lange, bis es zu schwer ist und aus dem Gewitter fällt – es hagelt. Im Unterschied dazu entsteht Graupel, wenn in einer Wolke Schneekristalle und Wassertröpfchen zu einer Art kleinem Schneeball verklumpen. Daher lässt sich Graupel im Gegensatz zu einem Hagelkorn problemlos mit der Hand zerdrücken.