Jung und sozial voll engagiert. Seit 2015 können junge Menschen freiwillig ein Jahr Sozialdienst leisten. Die meisten kommen aus NÖ.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 25. Februar 2020 (04:20)
Viele, die ein freiwilliges Sozialjahr machen, bleiben den jeweiligen Organisationen als Freiwillige erhalten.
ÖRK/Nadja Meister

Seit Oktober 2015 gibt es das „Freiwillige Sozialjahr“, kurz FSJ. Es ist ein Angebot für junge Erwachsene zwischen 18 und 24 Jahren, die sich sozial engagieren möchten. Von der Rettungsorganisation über Pflege- und Kinderheime – die Einsatzbereiche sind vielfältig. Außerdem wird das Angebot durch ein Bildungsprogramm ergänzt. Beim Roten Kreuz etwa erhalten die Teilnehmer eine staatlich anerkannte Sanitäterausbildung.

Der Dienst dauert zwischen zehn und zwölf Monate und – interessant für junge Männer – ersetzt den Zivildienst.

FSJ: Von 26 auf 277 Teilnehmer in 5 Jahren

Niederösterreich ist das Bundesland, in dem es die meisten Teilnehmer gibt. Allein beim Roten Kreuz NÖ leisten aktuell 277 junge Menschen ihr Sozialjahr: Gestartet ist man 2015 mit 26 Teilnehmern, 2016 waren es schon 96, 2018 bereits 232.

Lisa Hartl hat ihr Sozialjahr bereits absolviert.
Rotes Kreuz Hollabrunn

Die 20-jährige Lisa Hartl hat ihr Sozialjahr beim Roten Kreuz Hollabrunn abgeleistet. „Ich bin durch eine Freundin auf die Idee gekommen“, erzählt die junge Frau. Zwischen Schulabschluss und Arbeitsbeginn hatte sie ein Jahr Zeit, und da sie ohnehin „etwas in diese Richtung“ machen wollte, passte das Angebot perfekt.

Hartl hat zumeist Krankentransporte begleitet. „Vorher habe ich mir gedacht, dass ich viel mehr unterwegs sein würde, das war dann nicht so extrem. Dafür habe ich viel mehr mit den Menschen geredet, als ich mir vorher gedacht habe, man erfährt viele Lebensgeschichten“. Was geblieben ist? Lisa Hartl ist dem Roten Kreuz Hollabrunn als Freiwillige erhalten geblieben. Und hat viele Freundschaften geschlossen.

"Menschen sind sofort beruhigt, weil sie wissen, dass ihnen geholfen wird" 

Simon Lercher (20) steckt noch mitten im Sozialjahr, das er im August 2019 beim Roten Kreuz Baden begonnen hat. „Ich wollte immer etwas im medizinischen Bereich machen“, sagt er, „aber nicht so hardcore, dass ich gleich Medizin studiere“. Die Entscheidung für das Rote Kreuz hat sich als richtig erwiesen, „das habe ich schon in der Ausbildung gemerkt“, sagt Lercher.

Simon Lercher ist seit August 2019 beim Roten Kreuz.
Rotes Kreuz Baden

Er ist zum Sozialjahr gekommen, weil die Zivildienstangebote bereits vergeben waren, „da habe ich nach Alternativen gesucht.“ Im Sozialjahr verdiene er zwar weniger als beim Zivildienst, habe aber mehr Freizeit, kennt Lercher die Vorteile.

Was er an seinem Dienst als Rettungssanitäter toll findet? „Dass die Menschen sofort beruhigt sind, sobald man ein Haus betritt, weil sie wissen, dass ihnen geholfen wird.“

Und wie Lisa Hartl wird auch Simon Lercher dem Roten Kreuz als Freiwilliger erhalten bleiben. Engagement ist offenbar im besten Sinn hoch ansteckend.