NÖ-Virologin: „Keine Angst vor der Corona-Impfung“. Wirkstoff soll noch 2020 kommen. Er ist ausreichend erforscht, versichert die niederösterreichische Virologin Christina Nicolodi.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 25. November 2020 (03:51)
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Alle Hoffnung auf die Rückkehr zum gewohnten Leben liegt im Impfstoff gegen Covid. Kurz vor der Zulassung stehen soll nun einer der Firmen BioNTECH und Pfizer – entwickelt mit der Hilfe des Klosterneuburger Unternehmens Polymun.

Christina Nicolodi berät Firmen bei Entwicklung von Arzneimitteln.
privat

Doch wann kommt er, wie wirkt er, und ist mit dem Impfstoff der Kampf gegen Corona schon gewonnen? Die NÖN sprach darüber mit der Virologin und Impfstoff-Expertin Christina Nicolodi aus Laxenburg (Bezirk Mödling)

Impfstoff-Entwicklung dauert normal 15 Jahre

Bevor ein Impfstoff verwendet werden darf, muss er eine langwierige Entwicklung durchlaufen. Das beginnt mit der Sammlung von Informationen zum Virus, geht über Studien im Labor bis zur ersten Anwendung bei Menschen. „Im Durchschnitt dauert das 15 bis 17 Jahre“, sagt Nicolodi.

Bei Pandemien geht es schneller

Obwohl seit Wochen alle ungeduldig auf die Spritze gegen Corona warten, ist der Prozess hier also extrem schnell. Das liegt daran, dass wir uns in einer Pandemie befinden. In einer Zeit der medizinischen Notwendigkeit wird das Verfahren beschleunigt. Das bedeutet aber nicht, dass für den Corona-Impfstoff nicht alle Stufen durchlaufen werden. „Man hat bürokratische Hürden abgebaut und kann einzelne Phasen schon früher beginnen“, erklärt Nicolodi.

Sie betont, dass weder die Anzahl der Probanden, an denen der Impfstoff getestet wird, noch die Qualität des Impfstoffs oder seiner Studien niedriger sei als in anderen Verfahren. Sorge haben, dass in der Eile nicht sorgsam genug gearbeitet worden wäre, müsse man laut Nicolodi also nicht: „Ich verstehe, dass Impfstoffe angstbehaftet sind. Aber man muss keine Angst haben, dass man etwas bekommt, das nicht ausreichend evaluiert ist.“

Covid-Impfstoff soll vor Weihnachten kommen

Aufs Tempo gedrückt wird nicht nur bei der Entwicklung, sondern auch bei der Zulassung. Die Präsidentin der Europäischen Kommission geht davon aus, dass ein Impfstoff noch bis Ende des Jahres zugelassen wird. „Da hört man raus, wie hoch der politische Druck ist“, sagt Nicolodi.

Selbst rechnet die Laxenburgerin ebenfalls mit einer Zulassung bis Ende des Jahres, spätestens im ersten Quartal 2021. BioNTECH und Pfizer hätten im Oktober erste Daten bei der Europäischen Kommission, die die Zulassung erteilt, eingereicht. In der Vorwoche habe das Team bekannt gegeben, dass alle 40.000 freiwilligen Probanden geimpft wurden.

Nebenwirkungen treten meist bald auf

Entscheidend für die Sicherheit des Impfstoffs sind sechs Wochen nach der Impfung. In der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass in diesem Zeitraum am häufigsten Nebenwirkungen auftreten. Gleichzeitig fällt innerhalb des zweiten Monats oft der Antikörper-Anteil im Blut (Titer). Erst wenn die Sicherheit und Wirksamkeit bewiesen ist, kann das Unternehmen den Antrag auf Zulassung stellen. Aufgrund des beschleunigten Verfahrens soll der Impfstoff dann in wenigen Wochen ausgegeben werden.

Zuerst werden Systemrelevante und Alte geimpft

Die EU hat sich bereits Impfstoff-Dosen gesichert. Österreich soll in einem ersten Schritt 4 Millionen Dosen erhalten. Weil man zwei Mal impfen muss, würde der für 2 Millionen Menschen reichen. Das sollen Angehörige der Risikogruppe sowie Menschen in systemrelevanten Berufen sein.

Langzeitwirkung wird überwacht

Wenn der Impfstoff auf dem Markt ist, muss weiter an den Langzeiteffekten geforscht werden. Die Probanden müssen zur Blutabnahme und weiterhin Tagebuch über Nebenwirkungen führen. Im schlimmsten Fall kann es zum Rückzug kommen.

Haltbarkeit ist die Unbekannte

Studien haben ergeben, dass der Impfstoff zu 95 Prozent wirksam ist. Der Hoffnung, dass sich das Leben normalisiert, sobald er da ist, verpasst Nicolodi dennoch einen Dämpfer. Für eine Herdenimmunisierung müssen rund 95 Prozent der Weltbevölkerung geimpft sein oder Antikörper gegen das Virus aufweisen. „Das ist ambitioniert.“ Zudem sei die Frage, wie lange die Wirkung des Impfstoffs im Körper hält. Sind das nur wenige Monate, muss die Impfung oft wiederholt werden. Wissen werde man das erst in einem Jahr.