Dietmar Fahrafellner: „Bewerbe sind extrem wichtig“. Am 26. März wurde Dietmar Fahrafellner bestätigt: Ein Gespräch über Pläne, Motivation und Absagen.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 01. April 2021 (05:47)
Dietmar Fahrafellner
Nadja Straubinger

NÖN: Soeben wurden Sie erneut zum Landesfeuerwehrkommandanten gewählt: Ihre Pläne für die kommende Periode?

Dietmar Fahrafellner: Wir haben aus den Lockdowns gelernt und werden eLearning in allen Sparten forcieren. Überdies gilt es, die Feuerwehrjugend und die Kinder wieder zu motivieren; wir müssen da eine Trendwende herbeiführen, damit es nicht dazu kommt, dass die Zahlen bei den Jungen sinken. Zurzeit haben wir ein Ausbildungsmanko, das müssen wir aufholen.

Was die Ausstattung betrifft, werden wir Ende des Jahres Waldbrand-Fahrzeuge bekommen, es wird pro Viertel zwei Löschfahrzeuge und zwei speziell ausgerüstete Pick ups geben, der Umgang damit muss natürlich auch trainiert werden.

Was bedeutet die Absage aller Bewerbe für dieses Jahr?

Fahrafellner: Die holen wir 2022 nach, dann wird St. Pölten Feuerwehrhauptstadt, die Bundesfeuerwehrbewerbe und auch der Bundesfeuerwehrtag werden dann in der Hauptstadt über die Bühne gehen. Bewerbe sind extrem wichtig für die Motivation der Leute, sie wollen ihre Leistungsabzeichen machen.

Wie steht es um die Motivation?

Fahrafellner: Wir müssen positive Stimmung in die Mannschaft bringen, da sind alle Kommandanten gefordert. Was wir aber derzeit auch sehen, ist, dass sich zu Einsätzen so viele Freiwillige melden wie nie zuvor.

Mit Martin Boyer, Bezirksfeuerwehrkommandant von Krems, haben Sie einen neuen Stellvertreter. Was wird sich mit Boyer ändern?

Fahrafellner: Er ist fünf Jahr jünger als ich (47), wir werden ein modernes Führungsteam bilden. Martin Boyer ist das Bindeglied zur Jugend. Zum Thema Jugend möchte ich auch – wie schon vor einigen Jahren – wieder eine Umfrage mit Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier machen, um zu erfahren, wie wir als Feuerwehr auf die Jungen zugehen sollen, zum Beispiel im Bereich Social Media.

Zurück zu Martin Boyer: Der ist ein Vollprofi im Feuerwehrwesen, er ist seit Jahren Mitarbeiter im Landeskommando und kennt alle Facetten.

Boyers Vorgänger Armin Blutsch hat sich nach vielen Jahren zurückgezogen, was sagen sie zu seinem Abgang?

Fahrafellner: Mit Armin Blutsch hat die Zusammenarbeit toll funktioniert, ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei ihm bedanken, wir werden sicher das eine oder andere Mal seinen Rat einholen. Und bis Juni 2022 ist er ja noch Vizepräsident des Bundesfeuerwehrverbandes.

Ein heikles Thema sind Zusammenlegungen von Feuerwehren, wird es da weitere geben?

Fahrafellner: Grundsätzlich sind wir sehr gut aufgestellt, natürlich gibt es immer Kleinst-Feuerwehren, die es trifft, weil sich zum Beispiel kein Kommandant mehr findet. Aber man könnte solche Kleinstfeuerwehren auch an andere Wehren angliedern. Grundsätzlich ist es aber so, dass jede einzelne Wehr eine wichtige Säule ist, und wenn sie wegfällt, verteilt sich mehr Gewicht auf alle anderen.

Wie geht es den Wehren mit den Corona-Einsätzen?

Fahrafellner: Rund 300 bis 500 Leute sind permanent im Einsatz, das sind aber nur die, die man in den Test- und Impfstraßen sieht. Viele sind auch für Logistik zuständig, also unsichtbar, aber unverzichtbar.

Sind die Feuerwehrleute schon geimpft? Die Impfung war den Wehren ja, so wie der Polizei, in Phase Zwei versprochen worden. Was bei der Polizei auch nicht gehalten hat.

Fahrafellner: Wir haben die Zusage der Landesregierung, dass wir in diesen Wochen einige tausend Impfungen für Leute in den wichtigsten Positionen bekommen werden. Also nicht für alle 90.000, aber für die an der Front und für die in wichtigen Stabsfunktionen. Außerdem sind wir völlig autark, haben unsere eigene Teststraße und können jederzeit eine eigene Impfstraße aufstellen.

Sie arbeiten intensiv mit der Politik zusammen, haben etwa die Umsatzsteuer-Rückvergütung für FF-Fahrzeuge herausgehandelt. Wie steht es um die Finanzierung der Feuerwehr in NÖ?

Fahrafellner: Mit Landeshauptfrau Mikl-Leitner und ihrem Stellvertreter Stephan Pernkopf haben wir kürzlich den Finanzierungsvertrag für die kommenden fünf Jahre ausgehandelt, der 100 Millionen Euro umfasst; darin ist von den Fahrzeugen bis zur Ausrüstung alles enthalten.

Im vergangenen Jahr mussten die Feuerwehrfeste abgesagt werden, heuer sieht es auch nicht gut aus.

Fahrafellner: Wir werden über den NPO-Fonds Ausgleichszahlungen beantragen – aber Feuerwehrfeste sind ja viel mehr als Einnahmequellen, sie sind auch gemeinsame Erfolgserlebnisse, in vielen Gemeinden haben sie Kult-Faktor. Aber ich bin zuversichtlich.