Laute Musik als unterschätzte Gefahr im Straßenverkehr. Überhören von Signalen und Ablenkung erhöhen das Unfallrisiko!

Von Online Redaktion. Erstellt am 09. Dezember 2019 (11:24)
Symbolbild

Früher waren sie eher eine Ausnahmeerscheinung, mit der Verbreitung von MP3-Playern und Smartphones gehören sie zum täglichen Bild auf den Straßen, in Parks und in öffentlichen Verkehrsmitteln: Menschen mit Kopfhörern aller Formen und Größen. 

ÖAMTC-Verkehrspsychologin Marion Seidenberger versteht den Wunsch nach Aktivierung und Unterhaltung zwar, warnt aber gleichzeitig vor den Risiken: "Auch wenn der Mensch einen Großteil der Informationen über die Augen wahrnimmt, sind die Ohren eine wichtige Ergänzung – gerade im Straßenverkehr." 

Es ist nicht nur so, dass man ein sich näherndes Fahrzeug häufig zuerst sieht, bevor man es hört. "Generell gibt es eine Vielzahl an akustischen Warnsignalen wie Klingeln, Hupen, Folgetonhörner oder Lkw-Rückfahrwarner. All das wird durch Musik aus dem Kopfhörer unterdrückt oder erschwert wahrgenommen", erklärt die Expertin des Mobilitätsclubs. "Verschärft wird diese Situation durch moderne Geräte, die über 'noise cancelling' Außengeräusche auf praktisch Null reduzieren können." 

Verspätete Wahrnehmung und verlängerte Reaktionszeit

Die Folge: Unfälle aufgrund verspäteter Wahrnehmung und verlängerter Reaktionszeit. Das gilt natürlich auch für Auto- und Lkw-Fahrer, von denen laut ÖAMTC-Umfragen um die 90 Prozent angeben, beim Fahren Musik zu hören. Auch sie können – vor allem bei zu hoher Lautstärke – beispielsweise akustische Signale von anderen Verkehrsteilnehmern oder Einsatzfahrzeugen zu spät wahrnehmen. 

Aber nicht nur die Lautstärke der Musik kann zum Problem werden. Wer sein Lieblingslied hört, ist häufig stark abgelenkt. "Im Extremfall kann das dazu führen, dass man beispielsweise als Fußgänger einen Radfahrer zwar sieht, aber das Gehirn so mit der Reizverarbeitung aus dem Kopfhörer beschäftigt ist, dass man trotzdem den Radweg betritt", schildert Seidenberger. 

Am besten wäre es aus Sicht der ÖAMTC-Verkehrspsychologin daher, die Kopfhörer ganz weg zu lassen, wenn man sich in den Straßenverkehr begibt: "Das mag drastisch wirken, aber in komplexen Situationen kann rasch eine Reizüberlastung entstehen. Speziell in Städten mit ihren vielen Ampeln, Radwegen, Kreuzungen usw. ist man auf alle Sinne angewiesen."

Gesetzliche Einschränkungen für die Verwendung von Kopfhörern gibt es in der Deutlichkeit zwar weder für Fußgänger noch für Radfahrer. Dennoch gibt es Fälle, in denen gestraft wird, denn die StVO sieht vor, dass sich Fahrzeuglenker in der körperlichen und geistigen Verfassung befindet müssen, in der sie ihr Fahrzeug beherrschen und die Rechtsvorschriften befolgen können. 

Das Tragen von Kopfhörern kann hier durchaus als Verstoß gegen diese Bestimmung anzusehen sein. Kommt es auf Grund von Kopfhörern zu einem Unfall, kann dem Träger sogar eine Mitschuld angelastet werden.