Schutz vor Badeunfällen . Pro Jahr ertrinken rund 40 Personen in Niederösterreich. Wegen der extremen Hitze stellen Gewässer eine zunehmende Gefahr im Alltag dar: Selbstüberschätzung und Nicht-Wissen sind dabei häufig Ursache für Badeunfälle. Vor allem immer weniger Kinder können schwimmen, denn während der Pandemie fanden keine Schwimmkurse statt. Der NÖ Zivilschutzverband und der NÖ Landesverband der Wasserrettung wollen jetzt mit Broschüren und Erklär-Videos die Sicherheit der Badegäste fördern.

Von Verena Huber. Erstellt am 30. Juli 2021 (17:59)
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Markus Schimböck, Präsident der Wasserrettung des Landesverbandes NÖ (l.), und Christoph Kainz, Präsident des NÖ Zivilschutzverbandes (r.), präsentieren die neue Infobroschüre für mehr Sicherheit beim Schwimmen.
Verena Huber

Mit 23 Alarmeinsätzen verzeichnete die NÖ Wasserrettung, ähnlich viele wie im Vorjahr. Weil Events an Gewässern nun wieder vermehrt stattfinden, haben jedoch die Überwachungs- und Ambulanzdienste im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Bei den kürzlich über Niederösterreich hereingebrochenen Unwettern stand die NÖ Wasserrettung ebenfalls im Einsatz. Dabei wurden insgesamt drei Personen in Lebensgefahr aus dem Hochwasser in Nußdorf ob der Traisen (Bezirk Sankt Pölten-Land) und in Furth bei Göttweig (Bezirk Krems-Land) gerettet. Nichtsdestotrotz endet ein Unglück nicht immer so glimpflich. In Niederösterreich ertrinken pro Jahr und 40 Personen.

Häufig stellt Selbstüberschätzung und Unwissen der Badegäste eine Gefahr dar, weiß der Präsident der Wasserrettung des NÖ Landesverbandes, Markus Schimböck. Wetterextreme wie Hitze, Gewitter und Hochwasser fordern dieses Jahr nicht nur die Mitglieder der Wasserrettung, sondern erhöhen auch die Gefahr für Badegäste. Geht man etwa bei extremer Hitze ins Gewässer ohne sich vorher abzukühlen, besteht eine erhöhte Gefahr einen Krampf zu bekommen. „Das Element Wasser bringt Erholung aber auch Gefahrenpotenzial“, betont Präsident des NÖ Zivilschutzverbandes (NÖZSV), Christoph Kainz.

Kinder als Risikogruppe

Unter den Hauptbetroffenen bei tödlichen Badeunfällen sind vor allem Kinder, meint Schimböck und erklärt: „Immer weniger Kinder können richtig schwimmen.“ Während Corona fanden 18 Monate keine Schwimmkurse statt – weder durch die Wasserrettung noch in Schulen. „Es ist schwierig, das wieder aufzuholen“, sagt Schimböck. Dafür brauche es genug Kapazitäten, also verfügbare Schwimmbäder und –lehrer. Rund hundert der 400 aktiven Mitglieder der Wasserrettung mit Rettungsschwimmschein sind ausgebildete Schwimmlehrer. Die Nachfrage nach Schwimmkursen sei jedenfalls hoch. „Wir bemühen uns, dass jeder, der Schwimmen lernen möchte, einen Platz bekommt“, sagt Schimböck. Umso wichtiger sei es jetzt über die Frage zu informieren „Wie verhalte ich mich richtig?“, meint Kainz.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Ob am öffentlichen See oder im privaten Pool, Eltern sind aufsichtspflichtig über ihre Kinder. Diese Aufgabe ist nicht zu unterschätzen: „Auch der eigene Pool kann zur Gefahr werden“, warnt Schimböck. Ein Zaun oder ein Alarm seien mögliche Schutzmaßnahmen. „Kinder klettern“, betont Schimböck und appelliert an die Eltern, sich bei der Absicherung eines Pools in ein Kind hineinzuversetzen.

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Markus Schimböck, Präsident der Wasserrettung des Landesverbandes NÖ (l.), und Christoph Kainz, Präsident des NÖ Zivilschutzverbandes (r.)
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Kinder würden etwa häufig ihren älteren Geschwistern nacheifern. Dabei werden leicht persönliche Grenzen überschritten. Im Gewässer stellt das ein Risiko dar. Wenn die Eltern in so einer Situation 20 bis 25 Meter entfernt sind, würden sie davon nichts mitbekommen. „Kinder gehen lautlos unter“, sagt Schimböck. Mit Schwimmhilfen, wie Schwimmringe, -flügel oder -gürtel solle zudem man bedacht umgehen. „Schwimmhilfen sind eben nur Hilfen und keine Garantie vor Ertrinken“, sagt Schimböck.

Doch auch ältere und schwimmaffine Badegäste sind vor dem Ertrinken nicht gefeit. Selbstüberschätzung sei auch hier eine der häufigsten Ursachen, wodurch der Badespaß in einem Unglück enden kann, argumentiert Schimböck.

Information als Schutzmaßnahme

„Doch Badespaß ist möglich, wenn man sich vorab richtig vorbereitet“, sagt Kainz. Daher wollen der NÖ Zivilschutzverband und die Wasserrettung Richtlinien und Schutzmaßnahmen für Sicherheit beim Baden ins Gedächtnis rücken. Infobroschüren sowie Erklär-Videos sollen hier erste Schritte leisten.

Die Videoserie zur Wassersicherheit ist hier zu finden: