Spezialtruppe unauffällig, wachsam & schnell unterwegs. Die polizeiliche Spezialtruppe EGS ist Kriminellen auf der Spur. Und das höchst unauffällig.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 14. Januar 2020 (02:35)
Teamwork und Ausdauer: Dafür steht die EGS, die Einsatzgruppe zu Bekämpfung der Straßenkriminalität.Observieren und zugreifen, das sind kurzgefasst ihre Kernaufgaben.
Symbolfoto: Shutterstock.com/Andrey_Popov

Sie sind im Auto unterwegs, zu Fuß in der Einkaufsstraße, am Fahrrad im Park. Oder gemütlich im Lokal sitzend. Sie sind unauffällig. Und genau das macht sie so professionell: die Mitglieder der Einsatzgruppe für Straßenkriminalität (EGS). Sie haben Einsätze höchster Brisanz, oft noch bevor Sondereinheiten wie die Cobra oder Wega hinzugezogen werden.

Seit ihrer Installierung in Niederösterreich im Juli 2005 bis zum Jahresende 2019 hat die EGS 4.100 Festnahmen getätigt.

Gegründet wurde die Einsatzgruppe 2003 in Wien, sie entstand aus der Suchtgiftgruppe des Sicherheitsbüros. „Damals wurden aufgrund steigender Drogenkriminalität erstmals Schwerpunktaktionen an sogenannten Hotspots in der Prater straße und am Karlsplatz durchgeführt“, erinnert sich Gottfried Raab, Leiter der EGS Niederösterreich.

Mittlerweile gibt es diese Einsatzgruppen in allen Landeskriminalämtern. Ihre Schwerpunkte: Suchtgiftdelikte, Eigentumsdelikte und Gewalttaten. „Wir observieren. Das kann nur einige Stunden sein oder sich über Monate erstrecken. Dann erfolgt der spontane, doch akribisch geplante Zugriff“, erklärt Raab.

Die Referenzliste der EGS ist lang: So beschäftigte die Exekutive in den Jahren 2008 bis 2010 eine Fahrkartenautomaten-Einbruchsserie. „Damals haben wir in vier Serien 28 Täter festgenommen“, berichtet Raab. Die Täter waren für die Coups aus Rumänien angereist.

Planenschlitzer und brutale Froschbande

Der serbischen „Planenschlitzer-Bande“, die auf Rastplätzen entlang der West- und Südautobahn Planen von Lastwägen aufschlitzte und die Fahrer zum Teil betäubte, wurde auch von der EGS das Handwerk gelegt.

Doch Aufgabe der EGS ist es nicht nur, bis zum Zugriff auf der Lauer zu liegen. Wenn es die Situation erfordert, werden auch Scheingeschäfte angebahnt. So wie im Fall einer polnischen Bande, die drei Diamanten um 380.000 Euro verkaufen wollte. Der Realwert der angeblich edlen Steine lag bei 1.000 Euro.

Auch das Treiben der rumänischen Froschbande, die für die brutale Home-Invasion-Serie in Niederösterreich samt Raubmord in Bayern verantwortlich war, wurde durch die EGS beendet. „Der Zugriff war nicht einfach. Die mutmaßlichen Täter waren aufgeteilt auf ein Lokal und ein Fahrzeug. Wir mussten zeitgleich acht Täter festnehmen und dabei arbeitsteilig vorgehen“, erzählt Raab. Er selbst war zuvor viele Jahre lang Drogenermittler. „Die EGS ist als einer unserer vielen Assistenzbereiche für uns absolut unverzichtbar geworden“, sagt der Leiter des Landeskriminalamtes, Omar Haijawi-Pirchner. Sie kann von allen Ermittlungsbereichen (Raub, Mord, Diebstahl etc.) angefordert werden und steht in engem Austausch mit dieser Gruppe. Die Erhebungen bleiben aber immer beim jeweiligen Ermittlungsbereich. Das kann auch Wirtschaftsbetrug sein. Dann verwandeln sich die EGS-Beamten, die gerade noch in der Drogenszene unterwegs waren, in smarte Geschäftsmänner. Ein riesiger Fall – auch für die EGS – war 2013 der des Wilderers von Annaberg. Die Reaktion des Verdächtigen, der, als er die inszenierte Straßensperre entdeckte, vier Männer tötete, sei „absolut nicht vorhersehbar“ gewesen, erinnert sich Raab.

Schräg: Observieren aus dem Panzer

Zugriffe sind generell gefährlich: Stichschutzweste, Helm, Dienstwaffe, Sturmgewehr und Elektro-Taser gehören zur Standard-Sicherheitsausrüstung der EGS-Beamten. Observationsorte können mitunter ungewöhnlich sein, schmunzelt Raab: „Bei einer Einbruchsserie haben wir uns in einem Panzer versteckt und von dort aus observiert.“

Hat man bei aller Professionalität nicht manchmal das Gefühl, dass man auffliegt? „Das Gefühl hat man oft. Aber in 95 Prozent der Fälle hat man sich getäuscht.“ Die Verdächtigen, sagt Raab, sind beim Zugriff meistens sehr überrascht. Und gerade das macht die EGS so erfolgreich.