Ausgesetzte Tiere: Erst putzig, dann lästig. Hunde, Katzen, Meerschweinchen – die Zahl der nicht mehr gewollten Haustiere steigt, besonders im Sommer. Dann müssen Tierheime als Versorger einspringen.

Von Gila Wohlmann und Eva Hinterer. Erstellt am 16. Juli 2019 (02:09)

Ein Papiersack, abgestellt bei einer Kapelle am Wallfahrerweg in Traisen: Das kam zwei Radfahrern seltsam vor. Sie verständigten die Polizei und haben dadurch drei ausgesetzten Katzenwelpen das Leben gerettet. Das Aussetzen vor Tieren hat leider derzeit Hochsaison, wie Tierschutzexperten wissen.

Hochsaison Mai bis September:

Am Straßenrand angebunden, in Schachteln abgestellt, oft auch vor Tierheimen oder Supermärkten hinausgeworfen, auf Tankstellen oder am Bahnhof vergessen. Die Liste an Fundorten lästig gewordener Haustiere ist lang. „Jedes Jahr, ab Mai bis September, ist ein deutlicher Anstieg an ausgesetzten oder abgegebenen Tieren zu verzeichnen“, sagt Elisabeth Penz, Sprecherin der Tierschutzorganisation „Vier Pfoten“.

Tierheime als Asyl:

Die Tiere werden dann von Tierheimen aufgenommen. Acht Tierheime in Niederösterreich kooperieren mit dem Land. 70 Prozent der dort rund 3.000 pro Jahr abgegebenen Tiere sind „Fundtiere“, wie das Büro des zuständigen Landesrates Gottfried Waldhäusl mitteilt.

ÖTK

Von diesen 3.000 Tieren können rund 900 wieder ihren Besitzern zurückgegeben werden. Fundtiere wurden ja nicht immer ausgesetzt.

Um diese Aufgaben finanziell bewältigen zu können, gibt es Fördervereinbarungen zwischen den NÖ Tierheimen, dem Tierschutzverband und dem Land. Die sollen garantieren, dass Fundtiere und behördlich abgenommene Tiere dort versorgt werden können. Derzeit liegt diese Förderung bei insgesamt 1,3 Millionen Euro jährlich.

„Eine diesbezügliche Vereinbarung wurde zuletzt Anfang 2019 für fünf Jahre abgeschlossen“, heißt es aus dem Büro Waldhäusl. Rund 60 Prozent der Ausgaben für die Tiere werden dadurch abgedeckt.

Ausgesetzte Exoten:

Neben Hunden, Katzen, Kaninchen, Hasen oder Meerschweinchen werden auch Schildkröten, Vögel, Fische oder verschiedene Exoten ihren Haltern lästig. In Wien wurden kürzlich zehn Pythons entsorgt. Sie wurden ins Tierschutzhaus nach Vösendorf gebracht, berichtet Oliver Bayer, Sprecher des Wiener Tierschutzvereins. Ausgesetzte exotische Wildtiere machen in NÖ lediglich ein Prozent aller Fundtiere aus. Großteils werden Schildkröten aufgegriffen, auch einige Papageien, ganz selten Schlangen und andere Reptilien.

Chip- und Registrierungspflicht:

„Durch die Chip- und Registrierpflicht in der Heimtierdatenbank hat sich aber die Zahl der ausgesetzten Hunde reduziert“, stellt Penz von „Vier Pfoten“ fest. Seit heuer müssen Zuchtkatzen gechipt werden. „Ein ähnlicher Effekt wie bei Hunden ist dadurch jedoch nicht zu erwarten“, meint sie.

Störfaktor Tier:

Davor Stojanovic vom St. Pöltner Tierheim merkt, dass zu Sommerbeginn vor allem junge Katzen ausgesetzt oder abgegeben werden. „Manche sagen, dass sie auf Urlaub fahren und daher die Katzen nicht mehr brauchen können.“ Katzen werden aber häufig auch im September abgegeben. Elisabeth Penz: „Das hat damit zu tun, dass es in Niederösterreich viele Wiener mit Zweitwohnsitz gibt. Sie füttern diese Katzen sehr gerne über den Sommer und im Herbst wissen sie oft nicht, wo sie die Tiere unterbringen können.“

Dem Anfüttern von Katzen steht Tierarzt Heinz Heistinger, Präsident der NÖ Tierärztekammer, skeptisch gegenüber: „Oft werden Streunerkatzen angefüttert und damit wird, wenn auch ungewollt, ihre Vermehrung gefördert.“

Kastrationspflicht und Förderung:

Laut Gesetz müssen alle Katzen kastriert werden, die ins Freie gelassen werden. Ausgenommen von dieser Regelung sind reine Wohnungs- sowie Zuchtkatzen. Heistinger verweist auf das Förderprojekt des Landes NÖ: Die Kastrationskosten für Streunerkatzen werden zu gleichen Teilen von Land, Gemeinden und Tierärzten getragen. Ein Förderantrag ist bei der Heimatgemeinde zu stellen.

Fundtier-Datenbank:

Fundtiere kann jeder Bürger der Polizei, dem Amtstierarzt oder dem nächsten Tierheim melden. Das Tier wird vom Tierheim aufgenommen und nach Prüfung einer eventuellen Tierkennzeichnung und Registrierung wird eine Fundanzeige auf der Homepage veröffentlicht. Wer selbst sein Haustier vermisst, weil es ihm entlaufen ist, kann in der Fundtier-Datenbank nachsehen: www.tiersuche.noe.gv.at