Langes Warten auf Lockdown-Ende. Lokale, Theater und Sportvereine haben auch in Niederösterreich noch immer zu. Und brauchen dringend Geld, Sicherheit – und Perspektiven.

Von Bernhard Schiesser, Michaela Fleck und Norbert Oberndorfer. Erstellt am 24. Februar 2021 (05:39)

Foto: Maderla/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Seit Monaten kein „Prost“ in der Gastronomie, kein „Bravo“ in der Kultur und kein „Hipp Hipp Hurra“ im Sport – diesen Branchen geht langsam der Schmäh beziehungsweise das Geld aus. Die Sorgen sind groß, der Frust sitzt tief. Und geöffnet wird – außer vielleicht in der Gastro – „nicht vor Ostern“. Was das heißt? Ein Rundblick.

Gastronomie/Hotellerie

WKNÖ-Tourismus-Spartenobmann Mario Pulker.
Andreas Kraus

Kurz nach der „Osterbotschaft“ trudelten über 150 Nachrichten von entrüsteten Gastro- und Hotellerie-Unternehmern bei WKNÖ-Tourismus-Spartenobmann Mario Pulker ein. „Keine einzige war positiv. Wir hatten insgesamt sieben Monate geschlossen, und die Leute haben kein Geld mehr“, sagt Pulker. Der Umsatzersatz sei in manchen Betrieben noch immer nicht angekommen. Neben akuter Geldnot plagen viele Gastronomen und Hoteliers Existenzängste. „Wenn man so lange zu hat, fehlt nicht nur das Geld, es schlägt sich auch psychologisch nieder: Den Unternehmern fehlt die Kommunikation mit den Gästen.“

Ein weiteres Problem sind die Tourismus-Fachkräfte: Ein Teil der Beschäftigten ist in Kurzarbeit, der andere ist arbeitslos. „Da wandern unheimlich viele in andere Branchen ab. Die Frage wird sein: Haben wir genug Mitarbeiter für die Zukunft?“

Ein noch viel größeres Problem haben schwach aufgestellte Betriebe. „Wenn die letzten drei Jahre negativ bilanziert wurden, das Eigenkapital und der Kontokurrent negativ sind, dann stellt sich die ernsthafte Frage der Zukunftsfähigkeit“, sagt Pulker. Wenn die Stundungen und Kreditmoratorien auslaufen, werden „Zombie-Betriebe“, die schon zuvor schlecht aufgestellt waren, in die Pleite schlittern. Rund zehn Prozent der Betriebe könnten verschwinden. Positiv wertet Pulker, dass sehr viele Betriebe die Corona-Zeit nutzen, um kräftig zu investieren.

Kultur

NÖ Kulturabteilungsleiter Hermann Dikowitsch.
NLK

„Wir haben gehofft, dass wir früher wieder zu einem normalen Kulturleben zurückkehren können. Das ist nicht der Fall“, fasst Hermann Dikowitsch, Leiter der Kulturabteilung des Landes, den Status quo in der heimischen Kulturszene zusammen. Dort hat man vor gut einem Jahr – und vor allen anderen – zugesperrt. Und „nicht gewusst, was auf uns zukommt“.

Aber: „Wir konnten 2020 die Kulturschaffenden mit zahlreichen Hilfsmaßnahmen unterstützen, weil Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner der Erhalt einer lebendigen Kulturszene von der ersten Stunde an ein wesentliches Anliegen war.“ Das wolle man auch 2021 fortsetzen. Und damit sowohl bestehende Standorte absichern, als auch Künstler unterstützen. „Ich mache mir keine Sorgen, dass wer auf der Strecke bleibt“, ist Dikowitsch optimistisch. Aber: „Das heißt nicht, dass das eine längerfristige Lösung sein kann.“

Bei den Kulturveranstaltern sei es derzeit so, „dass alle wieder spielen wollen“. Bei den Kulturschaffenden „sind alle hungrig, wieder aufzutreten“. Das Kulturpublikum sei „sehr diszipliniert“. Ausstellungs- und Museumsbesuche würden, so die Einschätzung des Kulturabteilungsleiters, funktionieren, Outdoor-Veranstaltungen im Sommer seien ohnehin „leichter durchzuführen“. Auch Indoor werde wieder möglich sein – „vielleicht mit Vortestungen“.

Sport

Sportunion-Geschäftsführer Markus Skorsch.
NOEN

Bis auf wenige Ausnahmen (Spitzensport, Einzelsport im Freien) steht der Sport seit November still. Zahlreiche Präventionskonzepte wurden in den vergangenen Monaten im Sport geplant und großteils erfolgreich umgesetzt. „Cluster, die aus Vereinseinheiten entstanden sind, gibt es praktisch nicht“, weiß Markus Skorsch. Der Geschäftsführer der Sportunion NÖ, unter deren Dach knapp 1.000 der 3.500 Sportvereine Niederösterreichs firmieren, beklagt fehlende Perspektiven und nennt massiven Mitgliederschwund bei den Vereinen als Folge.

Der fehlende Sport wirkt sich laut Skorsch verheerend aus: „Übergewicht, steigender Köperfettanteil, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychische Probleme.“ Skorsch fordert daher, den Sport „sicher zu öffnen“. Die Dringlichkeit, mehr Bewegung zu ermöglichen, sei in mehreren Studien zur Pandemie bestätigt.

So sehen die Lösungsansätze aus

Dass die Kurzarbeit bis Juni verlängert wurde, sei für Gastronomie und Hotellerie sehr wichtig gewesen, dennoch brauche es weitere Zuschüsse und klare Öffnungsperspektiven. Dass Nasenbohrer-Tests für Schulen, aber nicht für die Wirtschaft als Eintrittstests zugelassen sind, wertet Mario Pulker als ein „No-Go“. „Wir sind keine Menschen zweiter Klasse, das geht nicht. Wir wollen niederschwellige Tests, jede Menge Teststraßen, dann wird das auch funktionieren.“

Genau dieses Testangebot sollte es auch im Sport ermöglichen, erst den Nachwuchssport, später den gesamten Breitensport zu öffnen. Für Skorsch kann der Sport aber noch mehr: „Österreichs Vereinssport kann ein Anreiz sein, um Corona-Tests noch mehr in die Breite zu bringen.“ Und in der Kultur? Liegen die Lösungsvorschläge, so Hermann Dikowitsch, „am Tisch“. Jetzt sei es an der Bundespolitik, Maßnahmen zu setzen – „damit die Kultur wieder stattfinden kann“.

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