Von den Pocken bis zu Corona. Was Impfstoff mit Kühen zu tun hat, und dass es schon Gamechanger gab, zeigt unser Blick zurück.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 03. März 2021 (05:33)
Begonnen hat die österreichische Impfgeschichte mit den Pocken. Schon im Jahr 1872 wurden Menschen gegen die Krankheit immunisiert.
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Ob Politikerinnen und Politiker wie alle anderen auf den Impfstoff warten oder aufgrund ihrer Vorbildwirkung früher die Spritze erhalten sollen, wird in der Corona-Pandemie immer wieder diskutiert. 1768, als die Pocken wüteten, waren es vier Kaiserkinder, die als allererste geimpft wurden. Maria Theresia und Joseph der II. starteten einen Impfversuch in Wien.

Sonia Horn ist Ärztin und Historikerin.
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Das Beispiel zeigt, dass die Geschichte des Impfens weit zurückgeht. Das Wissen, das dafür nötig ist, ist laut Medizinhistorikerin Sonia Horn sogar noch älter: „Man hat schon in der Antike gewusst, dass es Krankheiten gibt, die sich von einer Person zu nächsten übertragen.“ Um zu verhindern, dass sich diese ausbreiten, hat man schon damals Maßnahmen ergriffen: So wurden etwa Infektionsspitäler eingerichtet. Paradebeispiel ist das Spital in St. Marx/Wien, aber auch am heutigen Europaplatz in St. Pölten befand sich, laut Horn, ein solches Krankenhaus.

"Sozialer Druck spielte große Rolle"

Im 18. Jahrhundert haben die Menschen damit begonnen, erkrankten Kindern Sekret aus den Pusteln zu entnehmen und dieses Gesunden zu verabreichen. Ende des 18. Jahrhunderts fand der englische Arzt Edward Jenner eine neue Methode: die Vakzination. Menschen bekamen Kuhpocken-Viren, die für sie ungefährlich sind, um sie gegen die echten Pocken zu immunisieren. Auf das lateinische Wort für Kuh – „vacca“ – geht übrigens der Name „Vakzin“ für Impfstoff zurück.

In verschiedenen Ländern des heutigen Deutschland soll es zur damaligen Zeit große Widerstände gegen die Impfung gegeben haben. „In den habsburgischen Ländern konnte die Pockenimpfung aufgrund des stark strukturierten Gesundheitswesens rasch umgesetzt werden, wobei der soziale Druck eine große Rolle spielte“, erzählt die Ärztin, die in Bad Pirawarth (Bezirk Gänserndorf) arbeitete.

In der Corona-Pandemie gilt die Impfung als „Gamechanger“. In der Geschichte finden sich Beispiele für Krankheiten, bei denen sie das tatsächlich war: Neben den Pocken, „wo man allerdings 250 Jahre zur Ausrottung gebraucht hat“, nennt Horn Tetanus, Polio, also Kinderlähmung, oder Diphtherie, eine Infektionskrankheit der Atemwege, als Beispiele.