Wenn die Identität gestohlen wird …. Ins Internet gestellte Ausweise können leicht für kriminelle Geschäfte missbraucht werden.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 19. Februar 2019 (00:54)
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Die „Watchlist Internet“ verzeichnet einen Anstieg missbräuchlicher Verwendung von Ausweisdokumenten im Netz.

Ein Mann aus dem Bezirk Neunkirchen wollte kürzlich einen Handyvertrag abschließen, doch der wurde ihm verweigert. Das Argument: Er hätte eine schlechte Bonität. Erstaunt wandte sich der Mann an den Konsumentenschutz der Arbeiterkammer (AK).

„In solchen Fällen empfehlen wir ein Auskunftsbegehren über einen Wirtschaftsauskunftsdienst einzuholen und bei der Polizei Anzeige zu erstatten“, sagt AK-Konsumentenschützer Michael Dunkl. Und er verweist auf die ARGE Daten, die Ansprechpartner auflistet. Ein Auskunftsbegehren ist bei österreichischen Anbietern kostenlos. Im eingangs erwähnten Fall stellte sich heraus: Die Daten des Mannes wurden von Kriminellen für diverse Geschäfte missbraucht. Daher rührte auch seine schlechte Bonität.

AK NÖ/ Scheichl
Konsumentenschützer Michael Dunkl rät zum sensiblen Umgang mit Daten.

Vorgänge wie diese sind kein Einzelfall. Die „Watchlist Internet“, Österreichs zentrale Informationsplattform für Internet-Betrug und Online-Fallen, warnt vor einem Anstieg von Identitätsdiebstahl mit Ausweiskopien. Dabei begehen Kriminelle Straftaten im Namen des realen Ausweisbesitzers: Bankkonten werden eröffnet, Kredite aufgenommen, Onlineeinkäufe getätigt oder es wird Geldwäsche betrieben. „Betroffene erfahren davon meist erst Monate später und müssen in mühsamen Gerichtsverfahren nachweisen, dass sie die in ihrem Namen getätigten Geschäfte nicht abgewickelt haben“, führt Thorsten Behrens, Projektleiter der Watchlist Internet, aus.

Als Beispiele nennt er die Websites gremski.org, prophylactus.com und knurf.net: Die Seiten geben vor, solche von Marktforschungsinstituten zu sein, bei denen Konsumenten bis zu 100 Euro pro Umfrage verdienen könnten. Interessenten mussten dafür ihre Ausweisdokumente hochladen. Dann sollten sie ein Konto bei einer Online-Bank eröffnen und ein Video-Ident-Verfahren durchlaufen. „Die Bank wusste nichts und Kriminelle stahlen die Daten“, so Behrens. Auch bei Gewinnspielen oder Stellenausschreibungen wird diese Masche verwendet.

„Das kommt immer wieder vor“, bestätigt ein Ermittler der Betrugsgruppe des Landeskriminalamtes. Er rät ab, sich in dubiosen Onlineshops oder fragwürdigen Partnerbörsen zu bewegen. Außerdem empfiehlt er, die Identitätsbestätigung als „Kopie“ zu kennzeichnen, den Einsatzzweck und das Datum zu vermerken. Infos, die nicht gebraucht werden, sollten unkenntlich gemacht werden.