Luxus Wohnen? Armutsnetzwerk NÖ schlägt Alarm

Das Armutsnetzwerk NÖ bemängelt den zu niedrigen Wohnkosten-Anteil der Sozialhilfe neu.

Erstellt am 03. Dezember 2021 | 05:39
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Armut Symbolbild
Kein Geld, keine Wohnung. Besonders Alleinerzieherinnen sind betroffen.
Foto: Shutterstock.com/Vitalii Demin

„Ich habe Angst, meine Wohnung zu verlieren“, wendet sich Frau W. an die Beraterin. Die Hälfte ihres Einkommens sind Wohnkosten, dazu kommen dann noch die Kosten für Strom und Gas. Und auch die werden 2022 kräftig ansteigen: Das Vergleichsportal durchblicker.at rechnet für 2022 mit einem Anstieg der Energiekosten bis zu einem Viertel.

So wie Frau W. geht es mittlerweile vielen Menschen in Niederösterreich. Betrug die durchschnittliche Bruttomiete (inkl. Betriebskosten) in NÖ 2010 noch 384 Euro, waren es 2020 bereits 532 Euro, rechnet Barbara Bühler vom Armutsnetzwerk NÖ vor.

Sozialhilfe-Empfänger besonders betroffen

Besonders betroffen von steigenden Mieten und Energiepreisen sind Sozialhilfe-Empfänger: Die Sozialhilfe Neu ist in einen Anteil für Lebensbedarf und in einen für Wohnbedarf unterteilt. Der Wohnbedarfs-Anteil liegt bei 379,78 Euro – das sind 178 Euro Differenz zu einer durchschnittlichen Bruttomiete. Was bedeutet: Die Differenz muss vom Lebensbedarfs-Anteil bestritten werden, erläutert Bühler.

Was zusätzlich stigmatisierend ist: Auf dem Antrag für die Sozialhilfe muss nun der Vermieter angegeben werden, dem der Wohnbedarfs-Anteil von 379,78 Euro direkt vom Amt überwiesen wird. Den Rest muss der Mieter überweisen.

„Weder die Einkommen noch die Richtsätze bei Förderungen haben in dem Ausmaß eine Steigerung erfahren, in dem Mieten und Energiekosten gestiegen sind“, sagt Bühler. Als Beispiel nennt sie den Heizkostenzuschuss, der einmal pro Heizperiode ausbezahlt wird. „Der orientiert sich mit 150 Euro nicht an den tatsächlichen Kosten.“ Besonders im Frühjahr 2022, wenn die Abschlussrechnung über die Heizperiode kommt, werde das viele Menschen treffen.

Wie viele Personen in NÖ von Wohnungsnot betroffen sind? Dazu gibt es kaum Zahlen. Noch. Denn in Kürze wird dazu eine Studie veröffentlicht, die das Land NÖ beauftragt hat.

Info: noe-armutsnetzwerk.at