Amstetten

Erstellt am 12. Februar 2019, 05:08

von Peter Führer und Hermann Knapp

Nur eine Praxis offen: 250 Patienten an einem Tag.... Josef Weinhart war am Mittwoch der einzige zur Verfügung stehende Arzt in Amstetten.

Josef Weinhart sorgt sich um den Ruf der Ärzte.  |  Hudler

Die Versorgung durch Hausärzte bleibt problematisch. Die Einzelpraxen in Mauer (seit 1. Juli), St. Valentin (seit 1. Oktober) und Ennsdorf (ab 1. April 2019) sind derzeit oder in naher Zukunft unbesetzt. Bewerber für die Stellen gibt es noch keine. Wie prekär die Situation im Bereich Amstetten ist, zeigte Josef Weinhart am Mittwoch der Vorwoche auf. „An diesem Tag war ich der einzige praktische Arzt in Amstetten, der zur Verfügung stand. Alle anderen waren entweder auf Urlaub, hatten geschlossen oder waren krank“, berichtet er.

Weinhart hat Sorgen um den Ruf der Ärzte

Er musste an diesem Tag 250 Patienten betreuen. „Ich bin 64 Jahre alt, ohne meine hervorragenden Mitarbeiter würde ich das nicht mehr machen“, sagt er. Weinhart befürchtet auch, dass die praktischen Ärzte den guten Ruf, den sie sich über Jahrzehnte hinweg aufgebaut haben, verlieren werden. Denn bei der großen Patientenzahl werde durch die Überlastung der Ärzte auch die Qualität der Versorgung leiden. „Wir brauchen uns wirklich nicht wundern, wenn junge Ärzte keine Ordination am Land übernehmen wollen.“

Amstettens Bürgermeisterin Ursula Puchebner betont, dass man Anreize für neue Ärzte schaffen wolle: „Ich kann mir gut vorstellen, bei Investitionen einen Beitrag zu leisten und bei der Miete entgegenzukommen.“ Amstetten biete gute Voraussetzungen für Ärzte mit Familie. Etwa durch das Kulturleben, den Sport- und Naherholungsbereich und Einkaufsmöglichkeiten.

Für die gewählten Kammerräte für niedergelassene Ärzte in Niederösterreich, die Geschwister Lukas Heschl und Martina Heschl aus Oed/Öhling, gibt es für den Mangel an Allgemeinmedizinern in der Region mehrere Gründe. „Seit die Politik den Gemeindearzt abgeschafft hat, sind die Probleme aufgekommen. Damit waren unter anderem Ordinationszeiten von 7 bis 18 Uhr und die Durchführung von Totenbeschauen verbunden. Da hat das System noch funktioniert“, erklärt Martina Heschl. Dass die Stelle in Mauer nachbesetzt wird, hält sie für unrealistisch. „Das ist eine kleine Ordination ohne Hausapotheke und wenig attraktiv. Auch beim Primärversorgungszentrum in Mauer bin ich skeptisch. Für die Errichtung eines Primärversorgungszentrums benötigt es mindestens drei offene Planstellen für Allgemeinmedizin.“

„Der Beruf ist etwas Wundervolles“

Der Hausärztemangel liegt für Lukas Heschl an der Verteilung. „Wir haben so viele Ärzte wie noch nie, allerdings entscheiden sich aufgrund mangelnder Attraktivität wenige für den Weg zum Allgemeinmediziner. Ein Großteil bleibt in den Spitälern oder wird Facharzt oder Wahlarzt“, sagt er. Jungmediziner möchten möglichst viel Zeit für ihre Patienten haben, dies sei unter den derzeitigen Umständen nur in einer Wahlarztordination möglich. Dazu kommt eine fehlende Aufwertung des Hausarztes. Kritik üben Lukas und Martina Heschl an der Finanzierung aus zwei Händen. Die Spitäler fallen in die Zuständigkeit des Landes NÖ, die niedergelassenen Ärzte in jene der Gebietskrankenkasse. „So kann keine Kostenwahrheit entstehen.“

Trotz allem gebe es an der Tätigkeit auch positive Aspekte: „Der Beruf ist etwas Wundervolles. Man begleitet die Patienten von der Geburt bis zum Lebensende. Ich habe bei meinem Vater und meiner Schwester gesehen, wie erfüllend die Tätigkeit sein kann.“ Heschl plädiert dafür, dass Studenten mehr Einblicke in das Leben als praktischer Arzt erhalten. Derzeit sind nur wenige Tage in einer Hausarztpraxis vorgesehen. Ein weiterer Anreiz wäre die Implementierung eines Facharztes für Allgemeinmedizin.

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