Amstetten

Erstellt am 05. Februar 2019, 04:00

von Stephanie Turner, Ingrid Vogl und Andreas Kössl

Zivildienst: Stellen nicht besetzt. Rückgang an Zivildienern führt zu unbesetzten Stellen.

 |  APA (Symbolbild)

In Niederösterreich kommen durchschnittlich rund 7.000 Burschen pro Jahr zur Welt. Diese müssen ab dem 17. Geburtstag zur Untersuchung bei der Stellungskommission in St. Pölten antreten. Dabei ist die Zahl jener, die vom Wehr- oder Wehrersatzdienst befreit werden, steigend. Dieser Trend wirkt sich auch auf den Zivildienst aus.

„Gab heuer erstmals keine Bewerbungen“

Im Pflege- und Betreuungszentrum Amstetten wird es heuer von April bis Oktober erstmals keine Zivildiener bei vier freien Plätzen geben. „Der April ist immer ein ungünstiger Einrückungstermin für diejenigen, die nach dem Zivildienst studieren möchten. Heuer gab es allerdings zum ersten Mal keine Bewerbungen. Jetzt werden wir bis zum nächsten Termin alleine zurechtkommen müssen“, erklärt Direktorin Sabine Weidinger. „Die Zivildiener würden aber nicht nur unserem Team total fehlen, auch die Patienten freuen sich immer sehr über die netten, jungen Herren, die sie betreuen“, fügt sie hinzu.

Im Landesklinikum Amstetten gibt es für die sechs Zivildienstplätze auch für das nächste Jahr schon Interessenten.

Tauglich? Bei der Stellung werden sowohl körperliche als auch mentale Fähigkeiten getestet.  |  Bundesheer/H. Minich

Der Kommandant der Ostarrichi-Kaserne Amstetten, Oberst Rudolf Halbartschlager, kann keine Auskunft darüber geben, ob die Zahl der untauglichen jungen Männer zunimmt. „Darüber habe ich keine Daten. Was zu bemerken ist, ist der Geburtenknick. Die Kontingente werden künftig wohl insgesamt weniger werden.“ Noch ist das in Amstetten aber nicht gravierend.

Was das Rote Kreuz betrifft, gibt es für die 23 Zivildienstplätze pro Einrückungstermin im Bezirk noch keine Engpässe. Bezirksrettungskommandant Wolfgang Frühwirt spürt den Rückgang der Zivildiener dennoch: „Die Zivildiener-Situation ist beim Roten Kreuz in ganz Niederösterreich schwierig. Im Bezirk Amstetten geht es aber noch einigermaßen. So sind wir in Amstetten und Waidhofen zwar grundsätzlich bis zum Jahr 2020 voll. Vor allem für den April-Termin wird es aber immer schwieriger alle Zivildienstplätze zu besetzen.“ Den Grund dafür sieht er neben der steigenden Zahl der Untauglichen auch bei den geburtenschwachen Jahrgängen. Außerdem würde das Heer wieder attraktiver werden.

Situation wird von Jahr zu Jahr schwieriger

Im Roten Kreuz Haag gab es im Vorjahr Probleme, den April-Termin zu besetzen. Durch einen Aufruf in der NÖN fanden sich dann doch noch genug Zivildiener. Heuer gibt es in dieser Hinsicht kein Schwierigkeiten. Bezirksstellenleiter Klaus Seits sorgt sich allerdings um die Bereitschaft für den Freiwilligendienst: „Mir kommt es so vor, als würden die Jugendlichen das Zusammengehörigkeitsgefühl, etwas für die Allgemeinheit zu tun, von zu Hause nicht mehr mitbekommen. Das merken wir auch bei den Freiwilligen.“

Militär-KDO NÖ; Fotos: RK NÖ/Schodritz; Getmilitaryphotos/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Beim Roten Kreuz St. Valentin ist die Stimmung ähnlich: „Bisher sind wir noch immer mit einem blauen Auge davon gekommen, aber es wird von Jahr zu Jahr schwieriger Zivildiener zu bekommen. Wenn es keine jungen Burschen gibt, dann kann man sie nicht herzaubern“, so Organisationsleiter Michael Praska. Schwieriger, geeignete Zivildiener hinsichtlich psychischer und physischer Belastbarkeit zu finden, wird es laut Alexander Schachinger auch beim Roten Kreuz St. Peter/Au.

Fakt ist, dass alle Stellen des Roten Kreuzes stark von Zivildienern abhängig sind. Sollte die Anzahl dieser weiterhin zurückgehen, stehen Maßnahmen wie die Bewerbung des Freiwilligen Sozialen Jahres für Burschen wie auch Mädchen im Raum.

Die Politik muss sich wohl langfristig Gedanken über die Verberuflichung der freien Plätze bei Einsatzorganisationen machen – oder die Teilung der Tauglichkeit für das Bundesheer und den Zivildienst.

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