Zivildienst: Stellen nicht besetzt. Zivildiener sind im Bezirk vor allem im April heiß begehrt.

Von Andreas Kössl, Ingrid Vogl und Stephanie Turner. Erstellt am 06. Februar 2019 (04:00)
Shutterstock.com, Petra Silhava
Symbolbild

Fast 10.000 junge Männer werden bei der Stellungskommission in St. Pölten jedes Jahr untersucht. Dabei ist  die Zahl jener, die vom Wehr- oder Wehrersatzdienst befreit werden, steigend. Nahezu jeder vierte Stellungspflichtige ist mittlerweile untauglich. Wurden im Jahr 2012 in Niederösterreich noch 7.475 junge Männer als tauglich eingestuft, waren es 2018 nur noch 6.325.

Weniger Soldaten durch Geburtenknick

Der Kommandant der Ostarrichi-Kaserne Amstetten, Oberst Rudolf Halbartschlager, kann keine Auskunft darüber geben, ob die Zahl der untauglichen jungen Männer zunimmt. „Da-rüber habe ich keine Daten. Was zu bemerken ist, ist der Geburtenknick. Die Kontingente werden künftig wohl insgesamt weniger werden.“ Noch sei das in Amstetten aber nicht gravierend.

Die sinkende Zahl der für den Wehrdienst Tauglichen macht sich auch beim Zivildienst bemerkbar. Beim Roten Kreuz konstatiert Bezirksrettungskommandant Wolfgang Frühwirt im Bezirk Amstetten einen Rückgang der Zivildiener. Dafür verantwortlich macht der Geschäftsführer der Bezirksstelle Waidhofen aber nicht nur die steigende Zahl der Untauglichen, sondern auch geburtenschwache Jahrgänge. Dazu würde das Heer wieder attraktiver für junge Männer werden.

Militär-KDO NÖ; Fotos: RK NÖ/Schodritz; Getmilitaryphotos/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

„Die Zivildiener-Situation ist beim Roten Kreuz in ganz Niederösterreich schwierig“, sagt Frühwirt. „Im Bezirk Amstetten geht es aber noch einigermaßen. So sind wir in Amstetten und Waidhofen zwar grundsätzlich bis zum Jahr 2020 voll. Vor allem für den April-Termin wird es aber immer schwieriger, alle Zivildienstplätze zu besetzen.“

Zu den Einrückungsterminen im Jänner, April, Juli und Oktober stehen beim Roten Kreuz in den Bezirksstellen Amstetten und Waidhofen derzeit jeweils sieben freie Plätze zur Verfügung. Vier sind es in St. Peter/Au, jeweils drei in Haag und St. Valentin. Diese Zahl hängt von verschiedenen Faktoren, wie Einwohner pro Standort, gefahrene Kilometer und durchgeführte Transporte pro Jahr, ab und wird jährlich aufs Neue berechnet.

Bezirkskommandant Frühwirt würde sich vom Gesetzgeber eine höhere Zuweisungszahl wünschen. „Im Bezirk kompensieren wir den Rückgang der Zivildiener aber sehr gut mit dem Freiwilligen Sozialen Jahr“, sagt er. Junge Männer können sich hier zehn Monate auf den Zivildienst anrechnen lassen, für die Rettungsorganisation ist es zusätzliches Personal. „Wir bewerben dieses Angebot stark und die Zahl der Burschen und Mädchen, die es annehmen, steigt“, sagt Frühwirt.

Engpass auch bei Pflegeeinrichtungen

Stets vier Zivildiener versucht man im Pflege- und Betreuungszentrum Waidhofen zu haben, zwei sollen es im Pflege- und Förderzentrum Waidhofen immer sein. „Wir versuchen, die Einrückungen an den vier Terminen immer so zu koordinieren, damit uns das gelingt. Mit April wird das jedoch nicht mehr der Fall sein“, sagt die Direktorin beider Einrichtungen, Sonja Kirchweger. Für Juli hat man im Pflege- und Betreuungszentrum sowie im Pflege- und Förderzentrum derzeit erst eine Vormerkung, für Oktober liegt erst eine Anfrage vor.

Bundesheer/H. Minich
Tauglich? Bei der Stellung werden sowohl körperliche als auch mentale Fähigkeiten getestet.

Woran es liegt, dass die Zivildiener weniger werden, kann Kirchweger nicht sagen. „Fakt ist, es wird immer schwieriger, welche zu bekommen. Dabei sind die Zivildiener so wertvoll für uns, weil sie wichtige Dinge übernehmen und damit auch das Personal entlasten.

Anders die Situation in den Landeskliniken: In Amstetten gibt es für die sechs Zivildienstplätze auch für das nächste Jahr schon Interessenten und auch in Waidhofen kann derzeit noch kein Mangel bei der Nachbesetzung festgestellt werden. Die Zivildiener seien eine wertvolle Unterstützung bei der Betreuung der Patienten, heißt es.

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