Zivildiener: Es droht ein Engpass. Organisationen wie das Rote Kreuz leiden unter der „Untauglichkeit“.

Von Herwig Mohsburger. Erstellt am 06. Februar 2019 (05:16)
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Symbolbild

Bereits jeder vierte Jugendliche ist bei der Musterung untauglich und scheidet somit auch für den Zivildienst aus. Für viele Organisationen könnte dadurch ein Personalengpass entstehen.

Mit 32 ständigen Zivildienern ist die Bezirksstelle des Roten Kreuzes die Organisation mit dem größten Bedarf im Bezirk. Würden sie plötzlich fehlen, müssten zumindest 27 hauptamtliche Sanitäter eingestellt werden, um den Krankentransport aufrecht halten zu können; dies wäre finanziell kaum machbar, erklärt die Geschäftsführerin der Bezirksstelle, Nina Marsalek, auf Anfrage der NÖN. Man sei aber zum Glück „in der Position, dass alle Stellen besetzt werden können“, so Marsalek.

In anderen Regionen hingegen fehlen dem Roten Kreuz bereits Zivildiener. Sollte es nicht ausreichend Zivildiener geben, müsste laut Marsalek das freiwillige soziale Jahr intensiver beworben werden, denn weniger werden die Aufgaben nicht.

Bundesheer/H. Minich
Tauglich? Bei der Stellung werden sowohl körperliche als auch mentale Fähigkeiten getestet.

Konstant fünf Zivildiener beschäftigt der Verein Behindertenhilfe im Bezirk. Vier von ihnen sind in der Tagesstätte und im Wohnhaus in Oberrohrbach tätig, einer Stockerau. „Es wird enger“, beschreibt Wohnbereichsleiter Roman Sövegjarto die Suche nach geeigneten jungen Männern. Viel Werbung und Mundpropaganda seien nötig, um ausreichend Personal zu erhalten, das Warten auf eine Zuteilung sei zu wenig.

Noch gibt es keine Engpässe, sollten aber nicht mehr alle fünf Stellen besetzt werden können, „wird das eine große budgetäre Herausforderung“, so Sövegjarto. Dann müssten Zusatzleistungen reduziert werden.

„Wir müssen schon aktiv auf junge Leute zugehen“

Vier Zivildiener sind ständig bei der Freiwilligen Feuerwehr Stockerau tätig. Engpässe habe man nicht, „die Leute kommen aber oft aus anderen Bezirken“, erklärt der Leiter des Verwaltungsdienstes der Feuerwehr Stockerau, Andreas Steuer. Der große Vorteil: Haben die Zivildiener bereits eine feuerwehrspezifische Ausbildung, können sie auch im regulären Dienst eingesetzt werden.

„Wir müssen schon aktiv auf junge Leute zugehen“, beschreibt Paul Mazal, Geschäftsführer der Behindertenhilfe „geh mit uns“ in Gerasdorf, das Werben um Zivildiener. Fordere eine kleine Organisation keine Wunschkandidaten an, sei es nicht garantiert, dass über die Zuweisungsstelle genug Personal kommt. Man sei aber in Schulen sehr bekannt, und viele junge Männer würden nach ihrem Zivildienst freiwillig beim Verein mithelfen. Diese Mundpropaganda sei der beste Weg, Nachschub zu bekommen. „Der Zivildiener ist bei uns aber kein Systemerhalter“, erklärt Mazal. Somit werde der Verein auch mit weniger Zivildienern funk-tionieren.

Die Direktorin des Pflegeheims der Stadt Stockerau, Elisabeth Gruna, ist noch entspannt: Die Anwärter für die konstant sechs Zivildienst-Plätze schicken meist sogar Initiativbewerbungen. Allerdings ist sich Gruna bewusst, dass irgendwann auch sie Probleme mit zu wenigen Zivildienern bekommen wird.

Die Auswirkungen der steigenden Zahl an Untauglichen machen auch vor dem Bundesheer nicht halt. Natürlich hätte auch der Chef der ABC-Abwehrschule in Korneuburg, Oberst Jürgen Schlechter, gerne mehr Grundwehrdiener. Konkurrenz für das Bundesheer durch den hohen Anteil an Zivildienern sieht Schlechter keine: „Ob Zivildiener oder Grundwehrdiener – alle sind sie Österreicher, die Dienst für die Gemeinschaft leisten!“

Die Recherchen der NÖN zu diesem Thema haben übrigens bereits erste Auswirkungen. So fordert AK-Vizepräsident Josef Hager bereits Abstufungen bei der Bewertung der Tauglichkeit. Laut Hager müsse man hinterfragen, ob alle, die untauglich für das Bundesheer sind, auch wirklich untauglich für den Zivildienst sind.

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