Ärztemangel: Pensionswelle wird erwartet. Hälfte der jetzigen 17 Allgemeinmediziner wird in den nächsten zehn Jahren in Ruhestand treten.

Von Astrid Krizanic-Fallmann. Erstellt am 12. Februar 2019 (04:05)
Krizanic-Fallmann
Merten Gareiß ist der Bezirksärztevertreter der Allgemeinmediziner und hat in Lilienfeld seine Praxis. Zu den Ordinationsmitarbeitern gehört Monika Hacek.

Kassenärzte fehlen mittlerweile in allen Bezirken des Landes. Hierzulande ist seit über zwei Jahren die einzige Kinderarzt-Vertragsstelle vakant. Die Frist der dritten Ausschreibung mit reduzierter Mindestordinationszeit von zehn Wochenstunden endet am 14. Februar. „Die Gemeinde würde einen Mediziner bei der Niederlassung voll unterstützen“, bekräftigt der Lilienfelder Bürgermeister Wolfgang Labenbacher.

Besetzt sind indes im Bezirk alle 17 Planstellen für Allgemeinmediziner. „In den nächsten zehn Jahren werden aber etwa 50 Prozent der Kolleginnen und Kollegen in den Ruhestand treten“, weiß der Bezirksärztevertreter für die Allgemeinmediziner, Merten Gareiß. Er gehört selbst zu diesem Kreis, führt er doch bereits seit rund 30 Jahren eine Ordination in Lilienfeld.

Dass sich so mancher Jungarzt sein Berufsleben anders vorstellt, kann Gareiß nachvollziehen. „Pseudoselbstständigkeit, das heißt, Risiko eines Unternehmers bei strengen Vorgaben vom Vertragspartner Krankenkasse, und mangelnde Anerkennung, auch von den Facharztkollegen und vom Patientenanwalt, schrecken eher ab“, sagt er. Laut Gareiß würde im Unterschied zu früher der jetzige Mediziner-Nachwuchs das doch einigermaßen geregelte Leben im Krankenhaus mit absehbaren Dienststunden eher schätzen. „Die Bezahlung der Allgemeinmediziner ist am unteren Ende der Einkommenspyramide bei den Ärzten, der beamtete Gemeindearzt im eigentlichen Sinn wurde abgeschafft und durch einen Sachverständigen in sanitätspolizeilichen Belangen mit Werkvertrag ersetzt“, schildert er. „Gerade der beamtete Gemeindearzt mit seinen günstigen Pensions- und Krankenversicherungskonditionen war ein ,Zuckerl‘, besonders bei Planstellen ohne Hausapotheke“, erwähnt der Lilienfelder.

Geringe Wertschätzung und viel Bürokratie

Gegen den Trend hat sich indes Ruth Eder-Harm entschieden. „Am Land zu arbeiten, stört mich nicht. Im Gegenteil, ich finde es schön, dort zu wohnen und zu arbeiten, wo jeder jeden kennt und man keine anonyme Nummer ist“, sagt die praktische Ärztin von Hohenberg. Außerdem könne sie Familie und Beruf besser unter einen Hut bringen. „Mir wurde eine Hausapotheke in Aussicht gestellt, seitens der Gemeinde wurde ich sehr freundlich unterstützt“, ergänzt sie zur Übernahme.

Und ihre bisherigen Erfahrungen? Ruth Eder-Harm: „Ich habe ganz schnell gelernt, dass ,selbstständig‘ selbst und ständig bedeutet, dass es mit der Patientenbetreuung allein lange nicht getan ist, weil dann nämlich die Bürokratie beginnt und man als Facharzt im Krankenhaus geachtet und respektiert wird, als Hausarzt hingegen viel geringer wertgeschätzt wird.“

Für Allgemeinmediziner-Vertreter Merten Gareiß liegt es auf der Hand, wie Lösungen des Problems ausschauen könnten: „Attraktivierung des Hausarztes seitens Anerkennung durch Politik, Medien und Ärztekammer, Wiedereinführung des beamteten Gemeindearztes und sinnvolle Honorargestaltung“, zählt er auf.

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