Frauen in der Politik brauchen mehr Mut. Bauernbunddirektorin, Nationalratsabgeordnete, Bürgermeisterin – drei Frauen schildern ihre Erfahrungen.

Von Karin Katona. Erstellt am 05. März 2019 (05:46)
ÖVP Bezirk Scheibbs
Klaudia Tanner

„Es stimmt, dass man als Frau 120 Prozent geben muss, wenn man sich in der Männerwelt durchsetzen will.“ Dieser Satz kommt von der Grestner Juristin Klaudia Tanner, die sich als Direktorin des NÖ Bauernbunds in einer – ehemaligen – Männerdomäne bewegt. Zu Beginn sei es, gibt Tanner zu, für viele Funktionäre überraschend gewesen, eine Frau in so hoher Position zu sehen: „Ich habe mir gedacht, das könnte spannend werden. Immerhin war mein Vorgänger 30 Jahre im Amt gewesen.“

Mittlerweile ist Klaudia Tanner auch VP-Landtagsabgeordnete und Landesparteiobfrau-Stellvertreterin. Einen Unterschied zwischen männlichem und weiblichem Führungsstil sieht sie nicht: „Jeder hat seinen persönlichen Stil.“

Eine weitere Herausforderung für Frauen in Führungspositionen: „Wir müssen noch besseres Zeitmanagement haben als Männer. Subtil wird schon manchmal angedeutet, dass ich ja sehr wenig Zeit für Mann und Kinder habe.“ Als Kampf hat die Bauernbunddirektorin ihren Berufsweg nie empfunden: „Wenn das Mitgestalten überwiegt, ist es überhaupt kein Kampf. Das Ziel ist aber, dass wir die Mann-Frau-Diskussion gar nicht mehr führen müssen.“

„Ziel ist, dass wir die ewige Mann-Frau-Diskussion gar nicht mehr führen müssen.“ 
Klaudia Tanner, Bauernbunddirektorin

Freude an ihrer politischen Tätigkeit als SPÖ-Nationalratsabgeordnete hat auch die Gaminger Bürgermeisterin Renate Gruber: „Es ist so ein breites Spektrum an Arbeit, man hat Begegnungen mit so vielen verschiedenen Menschen. Das ist auch persönlich sehr bereichernd.“ Sie stört es, wenn Kritik über die Mann-Frau-Ebene gespielt wird: „ Wenn man mir etwa im Wahlkampf unterstellt, dass ich meine Funktionen nicht gut unter einen Hut bringen kann – so etwas würde einem Mann nicht passieren.“

Um sich in der Männerwelt zu behaupten, müsse eine Frau sich manchmal auch männlicher Verhaltensmuster bedienen: „Frauen müssen sich auch einmal trauen, Ellbogentechnik einzusetzen. Das ist unter Männern selbstverständlich. Und auch Frauen brauchen Seilschaften und eine bessere Vernetzung.“ Dass trotz gleich guter Ausbildung Frauen die Führungsetagen nur zaghaft entern, liegt laut Gruber unter anderem an deren Selbstbewusstsein.

NOEN

Authentisch bleiben, Ziele konsequent verfolgen und klar sagen, was Sache ist – das sind für Christine Dünwald-Specht, ÖVP-Bürgermeisterin von Scheibbs, die drei Zutaten ihres Erfolgs. „Ich habe den spannendsten Beruf, den ich mir vorstellen kann. Jeder Tag bringt Neues.“ Frauen, findet Dünwald, seien für politische Arbeit sogar besonders gut geeignet: „Wir sind empathisch, gewohnt, besser zuzuhören und Zwischentöne wahrzunehmen.“

Die einzige Frau in einer Männerrunde zu sein, macht ihr nichts aus: „Ich komme aus der Wirtschaft und bin beinhartes Verhandeln gewohnt. Es ist schon öfters vorgekommen, dass jemand eine Verhandlung abgebrochen hat. Aber ich weiß, sie kommen wieder.“ Das persönliche Highlight in ihrer bisherigen Karriere sei die Präsentation der Projekte für die Landesausstellung gewesen: „Es ging um das Geld für insgesamt 17 Projekte. Ich habe gewusst, ich werde die einzige Frau unter lauter Anzugträgern sein. Also habe ich mir den Spaß gemacht und extra ein pinkes Jäckchen angezogen – und alles durchgebracht.“

Übrigens: Mit einer Bürgermeisterinnenquote von 27,8 Prozent ist der Scheibbser Bezirk top in Niederösterreich. Fünf von 18 Ortschefs sind weiblich: Neben Gruber und Dünwald-Specht sind das noch Claudia Fuchsluger (ÖVP, Randegg), Waltraud Stöckl (ÖVP, St. Anton) und Petra Jani (SPÖ/LUP, Puchenstuben).

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