Tulln

Erstellt am 06. Februar 2019, 06:04

von Doris Firmkranz und Helga Urbanitsch

Untauglichkeit: Sorge um Zukunft der Zivildiener. Zunehmende Untauglichkeit löst Diskussion um Tests bei der Stellung aus.

Symbolbild  |  Weingartner-Foto

Statistiken besagen, dass ungefähr jeder zweite Stellungspflichtige für untauglich erklärt wird. Beim Heer macht man sich darüber bereits Gedanken: „Wir brauchen Soldaten und Zivildiener, gäbe es keine Wehrpflicht, gäbe es auch keinen Zivildienst“, weiß Kommandant der Flieger- und Fliegerabwehrtruppenschule Oberst Reinhard Kraft.

Wer die Kriterien zur Aufnahme in den Wehrdienst nicht erfüllt, darf auch keinen Wehrersatzdienst, also Zivildienst, leisten. Landesweit fehlen etwa beim Roten Kreuz für April über 100 Personen zu den an den vier Einrückungsterminen jeweils benötigten 308 angehenden Zivildienern.

„Wir haben Glück (...) Allerdings, der April ist immer ein Wackeltermin.“ Christian Hartung, Rotes Kreuz, Bezirksstelle

Beim Roten Kreuz Tulln sieht die Sache etwas entspannter aus. „Es wird schwieriger, aber wir haben hier das Glück, dass alle Plätze besetzt sind, allerdings ist der April immer ein Wackeltermin“, weiß Rotes Kreuz-Tulln Pressesprecher Christian Hartung. Das zunehmende Fehlen der Zivildiener im sozialen Bereich führt er auch auf geburtenschwache Jahrgänge und auf die Alternativen von Auslandsdiensten zurück.

Beim Roten Kreuz Tulln steht die Planung für das Jahr 2020 bereits fest. „Wir haben neun Plätze pro Einzugstermin zu vergeben, für Jänner haben wir noch drei Plätze frei, für April noch neun, am besten gleich nach dem Bescheid vorbei kommen“, rät Hartung jenen, die eine Zivildienstleistung dem Bundesheer vorziehen.

Keinen Rückgang an Zivildienern konstatiert man im Pflege- und Betreuungszentrum Tulln, hier gibt es zurzeit vier Zivildienstleistende. „Wir sind gut besetzt und bekommen laufend Anfragen. Von einem Rückgang spüren wir nichts, ganz im Gegenteil. Die Zivildiener sind eine große Bereicherung für die alten Menschen“, freut sich Leiterin Shajen Prohaska, zudem „steigt ein hoher Prozentsatz dann in den Sozialberuf ein.“

Ähnliches wird aus dem Universitätsklinikum Tulln verlautet: „Zivildienstleistende haben bei uns attraktive Lernmöglichkeiten, auch fürs Leben“, betont Alexander Herz vom Qualitäts- und Risikomanagement der Anstaltsleitung.

"Sehr gute Erfahrungen mit den jungen Menschen gemacht"

„Wir beschäftigen Zivildienstleistende seit vielen Jahren“, so Herz weiter, „und wir haben ausschließlich sehr gute Erfahrungen mit den jungen Menschen gemacht.“ Zu ihren Aufgaben gehören: Begleitung und soziale Betreuung von Patienten, Mithilfe bei der Pflege und logistische Aufgaben. Vorwiegend erfolgt die Beschäftigung im Patienten-Transportdienst. Im Vorjahr beschäftigte das Klinikum acht Zivildiener, heuer werden es sieben sein. Herz: „Eine freie Stelle gibt es noch ab April 2019. Für 2020 gibt es noch keine Anmeldungen.“

Zum aktuellen Thema hat sich nun auch Arbeiterkammer-Vizepräsident Josef Hager zu Wort gemeldet. Er spricht sich dagegen aus, Zivildienst- und Bundesheertauglichkeit in einen Topf zu werfen. „Es gibt da einen Unterschied“, betont Hager und fordert eine Zivildiensttauglichkeit, die nicht an die Wehrtauglichkeit gebunden ist.

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