Johannes Schiesser: „Große Bedrohung für Bodenbrüter“. Invasive Arten wie Marderhund und Waschbär gefährden heimische Tiere.

Von Birgit Kindler und Beate Riedl. Erstellt am 20. Februar 2019 (03:23)
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Der Waschbär kann hierzulande zum Problem werden. Tiere wie das Rebhuhn erkennen die Gefahr oft zu spät.

Tierische Einwanderer durchstreifen nicht nur in den Grenzregionen, sondern werden auch in der Region immer wieder gesichtet. „Der Wolf ist im Bezirk unterwegs“, ist Bezirksjägermeister Johannes Schiesser überzeugt. In Mauerbach hat er Schafe gerissen, wie eine DNA-Analyse bestätigte. Spuren seien auch Richtung Traismauer bemerkt worden. „Immer wieder werden Rehe gerissen, Beweise gibt es hier aber keine“, so Schiesser.

Die generelle Unsicherheit bei den Sichtungen spricht auch der Wolfsbeauftragte des Landes Georg Rauer an. „Bei den Fährten ist es schwierig, mit Sicherheit zu sagen, dass es ein Wolf ist. Die Meldungen halten sich in der Region in Grenzen“, so Rauer. Natürlich gebe es auch immer die Möglichkeit, sich zu täuschen. Denn größere Hunde könnten ähnliche Pfotenabdrucke hinterlassen.

„Das Rebhuhn, die Feldlerche und einige andere Bodenbrüter werden wir früher oder später verlieren, das können auch wir Jäger nicht verhindern.“ Johannes Schiesser, Bezirksjägermeister

Für den Bezirksjägermeister könnte der Wolf aber zum Problem werden: „Er pflanzt sich stark fort und braucht als Großraubwild riesige Flächen zum Jagen. Unser Bezirk ist sehr dicht besiedelt, dadurch kann der Wolf nahe an Menschen und Haustiere kommen, was natürlich großes Konfliktpotenzial birgt.“ Früher oder später müsse in den Wolfbestand eingegriffen werden, ist Schiesser überzeugt.

Aber nicht nur tierische Rückkehrer, sondern auch einst nicht heimische Arten können eine Gefahr sein. „Waschbär und Marderhund etwa sind eine große Bedrohung für Bodenbrüter, weil sie quasi auf dem Präsentierteller sind“, weiß Schiesser. Diese invasiven Arten vermehren sich stark und verdrängen heimische Arten und Ökosysteme. „Das Rebhuhn, die Feldlerche und einige andere Bodenbrüter werden wir früher oder später verlieren, das können auch wir Jäger nicht verhindern“, befürchtet Schiesser. Ein besonderes Problem sei, dass heimische Tiere den Marderhund oder den Waschbär im ersten Moment nicht als Feind erkennen. „Sie sind an diese Bedrohung nicht angepasst“, sagt der Bezirksjägermeister.

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