Mit Rekruten fehlen auch die „Zivis“. Weil Wehrdienst-Taugliche weniger werden, kämpfen andere mit Helfer-Mangel.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 05. Februar 2019 (02:59)
Bundesheer/H. Minich
Tauglich? Bei der Stellung werden sowohl körperliche als auch mentale Fähigkeiten getestet.Harald Minich

Das Bundesheer hat immer weniger Rekruten. Das schwächt nicht nur dessen Schlagkraft, sondern auch jene der Organisationen, die auf Zivildiener angewiesen sind. Die geburtenschwachen Jahrgänge sind dabei nicht der alleinige Grund. Von den ohnehin schon weniger Stellungspflichtigen sind auch immer weniger Männer tauglich für den Grundwehrdienst.

In der Hesserkaserne in St. Pölten werden alle jungen Männer aus Niederösterreich auf ihre leistungsphysiologische und psychologische Eignung getestet. Beim letzten Termin fielen 26,3 Prozent der Burschen durch. 70 Prozent davon konnten den Dienst aus körperlichen Gründen nicht antreten, 30 Prozent aufgrund ihrer psychischen Verfassung. Weil die, die vom Bundesheer als untauglich erklärt wurden, keinen Zivildienst leisten dürfen, steht auch das Rote Kreuz vor einem Problem: „Man merkt, dass immer weniger junge Menschen zur Verfügung stehen“, berichtet Bezirksstellenleiter Werner Schlögl.

Vor allem der Einrückungstermin im April sei von Jahr zu Jahr schwerer zu besetzen. In St. Pölten sind 15 Zivildiener eingeplant. Davon sind für die kommende Präsenzdienst-Zeit erst sieben Stellen besetzt. „Für die anderen acht Plätze suchen wir noch“, erklärt Schlögl.

„Der Wehrersatzdienst ist zur Lebensader des Rettungsdienstes geworden.“ Markus Voglauer, Samariterbund St. Pölten

„Der Zivildienst ist zur Lebensader des Rettungsdienstes geworden“, meint auch Markus Voglauer vom Samariterbund St. Pölten. Auch dort werde es immer schwieriger, Zivildiener zu finden. Und das Problem wird sich noch verschlimmern, ist Voglauer überzeugt: „Es kommen weitere geburtenschwache Jahrgänge auf uns zu. Das wird uns noch in voller Härte treffen“, glaubt Voglauer.

Weniger dramatisch sieht die aktuellen Entwicklungen Angela Haas vom Herzogenburger Martinsheim, wo pro Termin zwei bis drei Zivildiener arbeiten. Immer wieder würden sich laut der Pflegedienstleiterin junge Männer melden. „Ich lade sie dann zu einem Gespräch ein und wenn das für beide Seiten passt, geben wir bei der Zivildienst-Organisation bekannt, dass wir die Person gerne bei uns hätten“, erzählt Haas. Das funktioniere auch meistens: „Die Zuteilung erfolgt durch die Organisation. Bisher habe ich aber alle meine Wunschkandidaten bekommen“, meint Haas.

Auch Untaugliche sollen zum Zivildienst dürfen

Mit einer Lösung für jene Organisationen, die Probleme haben, meldete sich Arbeiterkammer-Vizepräsident Josef Hager (NÖAAB-FCG) zu Wort: Er fordert, dass die sinnlose Koppelung der Untauglichkeit an den Zivildienst dringend überdacht werden müsse. Denn nicht jeder, der die Mindestanforderungen für den Dienst an der Waffe nicht erfülle, sei seiner Meinung nach automatisch auch für den Dienst an der Menschlichkeit ungeeignet.

Für Samariterbund-Obmann Voglauer ist das aber keine Lösung: „Der Zivildienst war immer nur als Wehrersatzdienst gedacht“, stellt er klar. Wenn er das nicht mehr sei, müsse man die Diskussion breiter gestalten und etwa auch hinterfragen, ob Frauen oder andere Personengruppen wie etwa Asylwerber eine Art von Freiwilligendienst leisten sollen. „Langfristig wird man deshalb den Rettungsdienst und seine Finanzierung insgesamt neu aufstellen müssen. Man kann nicht die Zivildiener als schwächstes Glied der Kette zum Systemerhalter machen“, meint der Samariterbund-Obmann.

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