Mangel an „Zivis“ noch abgewehrt. Weil Rekruten weniger werden, fehlen oft Zivildiener. In Region half aktive Suche.

Von Renate Hinterndorfer. Erstellt am 05. Februar 2019 (05:11)
RK NÖ/F. Schodritz
Dringend gesucht: Zivildiener für das Rote Kreuz.

Immer mehr junge Männer sind untauglich für den Dienst beim Bundesheer. Welche Auswirkungen das auf jene Organisationen hat, die Zivildiener benötigen?

Bei der Neulengbacher Rot-Kreuz Bezirksstelle ist noch ein Platz ab April zu vergeben, dafür gibt es laut Bezirksstellenleiter-Stellvertreter Daniel Rauchecker auch schon einen Interessenten. Im Vorfeld hatte es nicht so gut ausgeschaut, weiß Rauchecker: „Im November hatten wir von zwölf Plätzen noch sechs offen, das hat uns beunruhigt, denn im Normalfall waren wir ein Jahr vorher ausgebucht.“

Die Rot-Kreuz-Leute haben aufgrund des geringen Interesses Informationsmaßnahmen gestartet: In NÖN-Berichten und auf den Rettungsfahrzeugen wurde auf die Zivi-Suche hingewiesen. „Das dürfte gut funktioniert haben“, freut sich Rauchecker darüber, dass jetzt so gut wie alle offenen Stellen für das heurige Jahr vergeben sind.

Beim Samariterbund Eichgraben sucht man noch nach Zivildienern, obwohl es zunächst nicht schlecht ausgeschaut hat. Obmann Philipp Schmid berichtet: „Im Jänner hätten wir eigentlich drei Zivildiener gehabt, aber zwei davon sind kurzfristig ausgefallen, das ist natürlich schlimm. Da muss man dann mit hauptberuflichen Mitarbeitern nachbesetzen.“ Die Zuteilung der „Zivis“ erfolgt über den Landesverband, Interessenten können sich aber jederzeit bei der Eichgrabener Rettungsstelle melden, betont Schmid: „Wir sind froh über jede Meldung.“

Beim Samariterbund Altlengbach gibt es derzeit keinen Engpass: „Wir haben zwei Leute bekommen. Aber ich weiß, dass andere Organisationen kämpfen“, erzählt Obmann Florian Geissler. Vier bis sechs junge Männer können auf der Altlengbacher Rettungsstelle ihren Zivildienst absolvieren. „Weniger als vier haben wir nie“, ist Geissler ganz zufrieden.

Zivildiener sind auch in Pflegeeinrichtungen eine wichtige Stütze. Im Kirchstettener Pflegezentrum Clementinum gab es im Herbst einen kurzen Engpass, ansonsten merke man nicht, dass es schwieriger werde, Zivildiener zu finden, berichtet Pressesprecherin Christina Pinggera: „Derzeit sind wir mit fünf Zivildienern gut ausgelastet. Wir sind sehr froh, immer ausreichend Zivildiener bei uns zu haben, da diese eine echte Bereicherung sowohl für die Pflegemitarbeiterinnen als auch für die Bewohner sind.“

Auch Untaugliche sollen zum Zivildienst dürfen

Mit einer Lösung für jene Organisationen, die Probleme haben, meldete sich Arbeiterkammer-Vizepräsident Josef Hager (NÖAAB-FCG) zu Wort: Er fordert, dass die „sinnlose Koppelung der Untauglichkeit an den Zivildienst“ dringend überdacht werden müsse. Denn nicht jeder, der die Mindestanforderungen für den Dienst an der Waffe nicht erfülle, ist seiner Meinung nach automatisch auch für den Dienst an der Menschlichkeit ungeeignet.

Für den St. Pöltner Samariterbund-Obmann Markus Voglauer ist das aber keine Lösung: „Der Zivildienst war immer nur als Wehrersatzdienst gedacht“, stellt er klar. Wenn er das nicht mehr sei, müsse man die Diskussion breiter gestalten und etwa auch hinterfragen, ob Frauen oder andere Personengruppen wie Asylwerber eine Art von Freiwilligendienst leisten sollen.

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