Kinder bewegen beim Fortbildungsprogramm. Die „Bewegte Klasse“ von „Tut gut“ bietet Raum für Bewegung und Lehrern die Möglichkeit, ihre Schüler aus einer anderen Perspektive zu entdecken.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 05. Juni 2019 (03:08)

Hinaus gehen aus der Klasse. Auf den Gang, in den Schulhof, den Turnsaal oder den Wald. Das kann Schülern passieren, deren Lehrer beim Fortbildungsprogramm „Bewegte Klasse“ von „Tut gut“ mitmachen.

Warum? „Es geht darum, eine andere Sichtweise auf die Klasse zu finden“, erläutert der Programmleiter Ralph Wakolbinger. Pädagogen können dabei beobachten, wie ihre Klasse in einer anderen Umgebung funktioniert. Immerhin kann es etwa sein, dass ein Kind in der Klasse unruhig ist, im Wald aber nicht. Warum das so ist, das gilt es, herauszufinden.

Bewegung auf vielen Ebenen

Bei Bewegte Klasse werden Schüler aber nicht nur woanders hinbewegt, es geht darum, sie körperlich, geistig, sozial und seelisch zu bewegen. Alle diese Ebenen sollen Platz im Unterricht finden, so der Pädagoge und Musiker. Denn: Nicht nur körperliche Bewegung ist gut fürs Gehirn und gesund. Auch Denken und Lernen sind Bewegung. Es geht um emotionale Bewegung, um Beziehungen, an denen gearbeitet wird, um aktives Zuhören und vieles mehr – damit Schule ein Ort der Geborgenheit sein kann. Und: Es geht auch um soziale Bewegung. Sie ist umso wichtiger in einer Zeit, in der digitale Geräte es leicht machen, die meiste Zeit alleine zuhause zu sitzen und sich von der Gesellschaft abzuschotten. Denn: Das hat Folgen. Es macht es schwer, sich in andere hineinzuversetzen, zuhören zu können, ein Gespür für das Gegenüber zu entwickeln, erläutert Wakolbinger.

 

Die „Bewegte Klasse“ will die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen fördern, Gemeinschaft und Kreativität im Schulalltag. Bei den Jüngeren in der Grundstufe geht es darum, selbstständig zu werden, bei den Älteren in der Neuen Mittelschule oder Unterstufe des Gymnasiums um Selbstwirksamkeit, verrät er. Es gehe darum, zu lernen, dass etwas dabei rauskommt, wenn man etwas selbst tut und Verantwortung übernimmt. Dass man Herausforderungen schaffen kann. Dass man Dinge ausprobieren kann, ohne Angst vor Fehlern zu haben. Fehler passieren eben manchmal. Übrigens auch im Rahmen der „Bewegten Klasse“. Auch hier hat schon das eine oder andere Projekt der Schüler nicht so geklappt, wie sie sich das gewünscht hätten. Dann aber kann man darüber reden, sich ansehen, was funktioniert hat und daraus lernen, erläutert der Leiter der „Bewegten Klasse“. Wie geht man mit Enttäuschung um? Wie wichtig ist Vertrauen?

Hauptsache: Die Schüler können Erfahrungen machen. Wie Eltern in diesem Zusammenhang Kinder fördern können? Dem Kind zuhause Verantwortlichkeiten geben, ihnen etwas zutrauen. Zum Beispiel können sie die Wäsche aufhängen. In einem Rahmen, in dem sie nicht gefährdet sind, den Umgang mit Werkzeug lernen lassen, sie Dinge auch selbst ausprobieren lassen. Kinder nicht von Erfahrungen fernhalten. Dabei kann auch etwas schiefgehen. Ein Teller kann auch runterfallen. Das Kind muss gefordert werden.

Eine Bewegung seit 1994

„Bewegte Klasse“ wird für die Grundstufe, die Sekundarstufe 1 und Schulen angeboten. Für die Kleinsten vom Land NÖ schon seit 1994. Und: „Die Nachfrage ist ungebrochen hoch.“ Jeden Frühling, im März oder im April, gibt es einen Tag der Anmeldung. Dann müssen interessierte Pädagogen schnell sein, um eine Betreuung ab Herbst zu ergattern.

Insgesamt werden rund 300 jährlich begleitet. Die möglichen Themenfelder reichen bei den Jüngeren etwa von „Aktives-Bewegtes Lernen“ bis „Ernährung und Pause“. Bei den Älteren steht die Sozialkompetenz im Zentrum, das gemeinsame Miteinander (mit Elementen aus der Erlebnis-/Outdoorpädagogik und Psychomotorik oder „Schau!Spiel, Rhythm and Dance“ (mit Elementen aus der Theater-, Rhythmik- und Tanzpädagogik).

www.noetutgut.at