„Truppe war morgens nicht mehr vor Ort“. Zeitzeugen aus dem Bezirk berichten, wie sie die Tage rund um das Kriegsende im Mai 1945 erlebten.

Von Leopold Rank und Claudia Christ. Erstellt am 27. April 2015 (16:15)
NOEN, Bildquelle: Stadtarchiv Melk
In den letzten Tagen des Krieges sprengten abziehende deutsche Truppen noch die Rollfähre in Melk. Die Fähre wurde nach dem Krieg wieder repariert und war bis in die 70er-Jahre im Einsatz.
„Ich war damals 14 Jahre alt“, erzählt Barbara Weber in Hofamt Priel. Gleich gegenüber ihrem Elternhaus ereignete sich kurz vor dem offiziellen Kriegsende ein schreckliches Massaker: Waffen-SS-Mitglieder richteten hier in der Nacht auf 3. Mai 1945 228 ungarische Juden auf brutalste Weise hin.

„Am Tag danach sammelte ich gemeinsam
mit meinem Vater die Patronenhülsen ein.“
Barbara Weber


„Wir hörten nur die Schüsse der Gewehre, aber mein Vater hat die Hinrichtung der Juden mit eigenen Augen gesehen, und dann kam unser Nachbar herübergelaufen, weil der glaubte, unser Haus würde brennen, doch es waren die vielen Leichen“, erinnert sich Barbara Weber betroffen.

NOEN, Foto: Christ
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Am Tag danach sammelte sie gemeinsam mit ihrem Vater die leeren Patronenhülsen ein. „Mein Vater musste damals sogar eine Aussage bei der Bezirkshauptmannschaft machen, aber die Täter wurden nie ausfindig gemacht. Es waren schreckliche Tage, die Tage kurz vor Kriegsende.“

Handschlag machte Erlauf über Nacht zu historischem Ort

Ein symbolträchtiger Handschlag macht damals den Ort Erlauf über Nacht zu einem historischen Ort: Am 8. Mai trafen dort der sowjetische General Dimitri Dritschkin und der US-amerikanische General Stanley Reinhart aufeinander und feierten das offizielle Kriegsende.

Zeitzeuge Anton Amesberger, er wird heuer 80 Jahr alt, erinnert sich: „Es war Ende April 1945, täglich rechneten wir mit dem Einmarsch der russischen Truppen in Ornding.“

NOEN, Foto: Rank
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Am 8. Mai war es dann so weit: Die letzten deutschen Truppen setzten sich über die Bundesstraße 1 Richtung Westen ab. „Danach kamen die sowjetischen Panzer nach in den Ort. Offensichtlich haben die Russen nicht mehr mit Widerstand gerechnet“, erzählt Amesberger. Nachdem der erste Panzer die östliche Ortseinfahrt passierte, erfolgte ein Schusswechsel mit der deutschen Wehrmacht. Ein deutscher Soldat wurde getötet.

Soldaten mit Sturmgewehr im Anschlag im Anmarsch

„Wir sahen gerade noch, wie russische Soldaten mit Sturmgewehr im Anschlag kampfbereit ins Dorf marschierten, dann suchten wir Schutz in den Kellern.“ Anton Amesbergers Bruder Franz war am 7. Mai als Mitglied der deutschen Wehrmacht auf Kurzbesuch bei seiner Familie. „Am nächsten Morgen um 7 Uhr musste er sich wieder in Erlauf bei seiner Truppe melden. Als er dort ankam, war seine Truppe nicht mehr vor Ort.“

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