Erstellt am 13. Juni 2018, 14:59

131 Deutschförderklassen in Niederösterreich geplant. Bildungsminister Faßmann schickt Leitfaden für Schulen für Sonderunterricht aus. Geplante „massgeschneiderte Lösungen“ besänftigen Pflichtschul-Lehrergewerkschaft.

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Ab dem neuen Schuljahr ist in Niederösterreich mit 131 eigenen Deutschförderklassen zu rechnen. Diese müssen neben regulären Klassen für Schüler, die nicht ausreichend Deutsch können, ab September eingerichtet werden. Mit 1203 Förder-Schülern wird in Niederösterreich gerechnet. Basis ist in Niederösterreich, dass ab 17 Schüler - zulässig wären bis zu 25 - getrennt wird.

Für elf Klassen besteht laut Bildungsministerium in Niederösterreich noch Spielraum, bundesweit für 126. Österreichweit plant das Bildungsressort mit 1195 Deutschförderklassen. Die SPÖ läuft gegen eine Trennung zur Sprachförderung Sturm.

Treffen im Bildungsressort bringt Fortschritte

Bildungsminister Heinz Fassmann ließ am Mittwoch nach einer Aussprache mit Gewerkschaftern der Pflichtschullehrer und ihrem Vorsitzenden Paul Kimberger keinen Zweifel daran, dass die Deutschförderklassen ab Schulbeginn im September umgesetzt werden. Wegen der knappen Zeit drohen Wiener Direktoren und Lehrer mit einem Boykott. Die Gewerkschaft hatte wegen fehlender Planbarkeit ultimativ auf einem Termin mit dem Minister bestanden.

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Nun ist Vorsitzender Kimberger wesentlich beruhigter. Kampfmaßnahmen dürften vom Tisch sein, weitere Gespräche sind geplant. Den Lehrervertretern wurde ein Leitfaden für Deutschförderklassen übergeben, der auch an alle Schulen verschickt wird.

Fassmann lässt nicht an Zeitplan rütteln

Daneben gibt es auch die Zusage Fassmanns, dass zwar an den Eckpunkten der Deutschförderkkassen nicht gerüttelt wird, auf Probleme der einzelnen Schuldstandorte wird aber eingegangen. Gewerkschaftschef Kimberger strich die Bedeutung solcher „maßgeschneiderter Lösungen“ hervor. Formal werden jetzt die Informationen bewertet, bevor die Pflichtschullehrergewerrkschaft über Vorgehen und etwaige Kampfmaßnahmen entscheidet. Allein die baldigen Schulferien sprechen neben dem Info-Material gegen Kampfmaßnahmen.

Minister sieht auch Holschuld bei den Schulen

Minister Fassmann sah damit eine Bringschuld erfüllt. Er sprach auch von einer „Holschuld“ von Direktoren und Lehrern. Dass diese zu faul gewesen seien, Informationen bisher zu lesen, wollte er auf Nachfrage damit aber ausdrücklich nicht gesagt haben: „Nein, gar nicht.“

Allerdings kritisierte Fassmann, dass der Widerstand bei manchen gegen Deutschförderklassen „tatsächlich ideologisch bedingt“ sei. „Manche wollen es nicht“, bilanzierte der Ressortchef.

Gewerkschaftschef steht grundsätzlich zur Sprachförderung

Gewerkschafter Kimberger hält die Maßnahme grundsätzlich für gut. „Wir brauchen deutlich mehr Sprachförderung“, betonte er. Mit speziellen, möglichst autonomen Lösungen an den Schulstandorten und dem Leitfaden ist für ihn mehr Planbarkeit nun deutlich mehr gewährleistet.