Wohin jetzt mit den weggewiesenen Männern?. In Krisen zeigen sich Systemfehler. Etwa der, dass Weggewiesene nirgendwo hinkönnen.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 13. Mai 2020 (05:53)
Weggewiesen – und auf der Straße gelandet. Das soll sich nach Ansicht der Männerberater ändern.
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Ein gewalttätiger Mann wird von der Polizei von zu Hause weggewiesen. Die Wohnung darf er nun nicht mehr betreten. Aber wohin soll er gehen? Wenn ein Unterkommen bei Freunden, Verwandten oder im Hotel nicht möglich ist? Gerade in der Coronakrise hat sich dieses System als problematisch erwiesen.

Der St. Pöltner Gewaltberater Martin Steiner fordert Notwohnungen für weggewiesene Männer.
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Der St. Pöltner Männerberater und Psychotherapeut Martin Steiner und zwei seiner Berufskollegen – Peter Herzog von der Waldviertler Männerberatung und Psychotherapeut Arno Dalpra – haben sich zur DENK-WerkstaTTT zusammengeschlossen, um auf diese Schieflage hinzuweisen. „Ich will die Frauenseite nicht kritisieren, ich finde es sehr gut, dass es Fraueneinrichtungen gibt“, sagt Steiner, „jedoch gibt es keine einzige Notwohnung für Männer.“

Es ginge ja nicht immer nur um Gewalt, sondern auch darum, dass es zu Hause unerträglich werden könne. „Viele Frauen sind nach der Wegweisung in einem Dilemma, sie wissen, dass die Männer nirgendwo hinkönnen. Und dann heben sie die Wegweisung auf, und der Kreislauf der Gewalt beginnt von vorne.“

Notschlafstellen für Männer fehlen

Hier bräuchte es Notschlafstellen, die es den Männern ermöglichen, Grundbedürfnisse wie Schlafen und Wohnen abzudecken. „Die Ressourcen für Frauen sind da“, sagt Steiner, „es gibt in Österreich 30 Frauenhäuser. Aber für Männer muss es auch Möglichkeiten geben, wo sie hinkönnen, die auch leistbar sind – Männernotwohnungen.“

Zumindest zwei betreute Notwohnungen pro Bezirk seien nötig. „Wegweisung ist eine notwendige Intervention, es muss Distanz hergestellt werden.“ Aber danach müssten sich Gewalttäter mit ihrem Handeln auseinandersetzen. Daher müssten diese Einrichtungen betreut werden. „In den ersten 48 bis 72 Stunden sind die Männer für Betreuung schneller zugänglich, das ist für eine weitere Intervention maßgeblich.“ Nach dieser Zeitspanne, so Steiner, würden Gefährder wieder anfangen, ihr Handeln zu bagatellisieren.

„Wir wissen, dass das ein unangenehmes Thema ist, doch für Nachhaltigkeit benötigt es mehr! Aber von einer Wegweisung alleine hat keiner was.“

2021 wird es eine Tagung zum Thema in St. Pölten geben.