Kohls Versöhnung mit sich und der Welt

Der Wolkersdorfer Bernhard Kohl zieht nach zweieinhalb Monaten Dancing Stars zufrieden Bilanz. Der unerwartete Publikumszuspruch freute den „gefallenen“ Ex-Radprofi am meisten.

Erstellt am 03. Dezember 2021 | 14:55
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Foto: ORF/Roman Zach-Kiesling

NÖN: Ist Ihnen der Umstieg auf Normalmodus nach zweieinhalb Monaten Dancing Stars schon gelungen?

Bernhard Kohl: Ja, weil es auch gar nicht anders geht. In meiner Firma hat sich über die letzten Wochen so viel aufgestaut, das es jetzt alles ab zu arbeiten gilt. Da bin ich auch richtig froh darüber, weil es viele Kollegen gibt, die nach so einer intensiven Zeit in ein richtiges Loch fallen.

Wie zeitintensiv war Dancing Stars?

Kohl: Das hat sich gesteigert, umso länger ich bei der Show dabei war, weil auch die Tänze pro Sendung mehr wurden. Am Ende waren es täglich sechs Stunden reines Tanztraining. Dazu Medientermine, Kostümanproben, redaktionelle Besprechungen. Und das Ganze Montag bis Sonntag. Es war ein Fulltime-Job. Es ist gut, dass ich jetzt eine Aufgabe habe und nicht von hundert auf null falle.

Hätten Sie damit gerechnet, dass das derart fordernd wird?

Kohl: Moderator Norbert Oberhauser ist ein Kunde von mir und mit ihm habe ich mich im Vorfeld darüber unterhalten. Er hat mir schon gesagt, dass das ausgesprochen zeitaufwändig wird. Ganz so hätte ich es mir ehrlicherweise aber nicht vorgestellt.

Sie wurden von der Jury zwar gegen Ende hin immer häufiger gelobt, der beste Tänzer der Show waren Sie aber nicht. Ihre Fans haben Sie mit ihren Anrufen von Woche zu Woche gerettet. Wussten Sie, dass Sie so viele Fans im Land haben? Wo kamen die her?

Kohl: Vor wenigen Tagen saß ich bei der „Licht-ins-Dunkel-Gala“ am Spendentelefon. Ich hab‘ da circa 150 Anrufe entgegengenommen. Neun von zehn davon haben mich auf Dancing Stars angesprochen, mir gratuliert. Viele haben mir erklärt, ihnen hätte so gefallen, dass ich eben kein perfekter Tänzer war und ich mir die Fortschritte durch Fleiß erarbeitet hätte. Das dürfte den Leuten gefallen haben.

Ohne in alten Wunden bohren zu wollen. Meinen Sie, dass der Großteil der Menschen Ihnen ihr wenig ruhmreiches Ende Ihrer Sportlerkarriere verziehen haben?

Kohl: Sagen wir so: Ich habe sehr viel positives Feedback bekommen und das ist mein größter Gewinn an der Sache. Ich hab‘ mit der Vergangenheit ein wenig abschließen können. Damit hat sich ein Kreis geschlossen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Platz vier kann sich jedenfalls sehen lassen. Wann wurde Ihr sportlicher Ehrgeiz geweckt?

Kohl: Der war von Beginn an da. Es ging mir weniger um die Platzierung, aber ich habe mir immer neue Ziele gesteckt. Zuerst war Runde fünf mein großes Ziel, dann die Sendung mit dem Showtanz. Immer weiter.

Wie anstrengend war’s? Hat das Tanzen dem ehemaligen Leistungssportler auch körperlich zugesetzt?

Kohl: Körperlich waren am Ende alle Promis und auch einige Profitänzer am Limit. Alle außer mir. Meine Probleme haben sich eher im Kopf abgespielt (lacht).

Sie haben ein Fahrradgeschäft. Hilft Ihnen Ihr Auftritt in „Dancing Stars“ auch beruflich?

Kohl: Jetzt im Nachhinein gesehen wahrscheinlich schon. Es war aber schon auch ein gewisses Risiko dabei. Die Sache hätte auch nach hinten losgehen können, wenn ich mich da komplett lächerlich gemacht hätte. Man darf nicht vergessen, ich war kompletter Anfänger. Es ist halt vieles Überwindung und Kopfsache.

Abschließend: Wenn Sie mit Ihrer Frau einen Ball besuchen, könnten Sie mit ihr einen Walzer tanzen, der so gut aussieht, wie im Fernsehen? Oder haben Sie während der Show jeweils nur Tänze und Choreografien von A bis Z einstudiert?

Kohl: Das schaut im Fernsehen nur deshalb so gut aus, weil die Partnerin – in meinem Fall Vesela Dimova – ein Vollprofi ist. So ehrlich muss man sein. Weil meine Frau aber tänzerisch begabt ist, schaut das hoffentlich auch weiter gut aus. Ich will da ja auch dranbleiben. Bei den ersten Shows war es tatsächlich so, dass wir genau diesen Tanz und diese Choreografie eingelernt haben. Das war zu Beginn ein ständiges Zählen von eins bis acht, wo ich mir merken musste, bei welcher Zahl ich welchen Schritt, welche Armbewegung und welche Hüftbewegung zu machen habe. Mit der Zeit wurde das aber besser. Viele Sachen passierten dann schon automatisch. Wenn mir Vesela dann einen Tipp gab, dann konnte ich mich dann auch wirklich auf diese eine Sache konzentrieren, ohne dass zehn andere Sachen wieder weg waren. Irgendwann hat es mir tatsächlich Spaß gemacht. Ich glaube, das hat man auch gesehen.