Wieselburg

Erstellt am 13. März 2018, 01:45

von Michaela Fleck-Regenfelder

Karl Fischer: Ein Sergeant wird zum Massenmörder.

„Mein Vater ist voriges Jahr gestorben. Da gibt’s noch zwei Häuser in Wieselburg, von denen ich eines auf jeden Fall behalten möchte“: Karl Fischer. Der Schauspieler ist mit Kollegin Susi Stach verheiratet und lebt in Wien.  |  M. Lottmann

„Ich hab’ davon nichts gewusst!“ Sagt Karl Fischer. Und ist damit nicht alleine. Weil: Die meisten wissen heute nichts mehr vom „Murer Franz“, dem Bauernsohn, der in Vilnius als Nazi zum „Schlächter“ wurde und in Österreich nach dem Krieg in seinem alten Trachtenjanker in einem unglaublichen Prozess freigesprochen wurde.

„Das ist österreichischer Verdrängungsmechanismus“, meint Karl Fischer, der ab Freitag im Kino den Trachtenjanker von Franz Murer anhat – neben Karl Markovics als Nazi-Jäger Simon Wiesenthal oder Erni Mangold als Oma Kloiber.

„1963“, erzählt der heute 61-jährige Schauspieler, „war ich sieben, und ich hab das schon erlebt, die Herren mit den Hüten und Aktentaschen, in denen nichts drinnen war ...“ Und davor, während der Nazi-Zeit, „war die ganze Gesellschaft in einem geisteskranken Zustand“. Wenn man aber sage, der Murer, der war halt ein Psychopath, „dann macht man sich’s leicht“.

"Greif nix an, du hast zwei linke Händ’"

Wie man so einen spielt? „Ich habe mir auf den wenigen Fotos, die es gibt, angeschaut, wie sitzt der, wie schaut der. Und ich hab’ überlegt: Welches Tier find ich am grauslichsten? Wir wohnen in einem Kleingartenhaus, in Wien, im Winter kommen da die Mäuse – die find’ ich total grauslich. So, habe ich mir dann vorgestellt, so hat der Murer die Juden gesehen.“

Das, sagt Karl Fischer, der schon Killer und Sergeants, Millionäre und Beamte, Psychoanalytiker und Unternehmer gespielt hat, habe ihn schon immer interessiert, „in irgendein anderes Leben einsteigen“. Also hat der Sohn eines Fassbinders, dem sein Vater immer gesagt hat: „Greif nix an, du hast zwei linke Händ’“, seinen Job bei einer Versicherung gekündigt, um Schauspieler zu werden. „Das ist auch eine gewisse Flucht, wenn Kinder so was machen. Wenn alles passt, bleibt man daheim und wird glücklich!“

In Wieselburg, wo er aufgewachsen ist, hat Karl Fischer auch eines seiner großen Vorbilder getroffen. „Einmal geh’ ich zum Haarschneider, da sitzt der Paul Hörbiger. Der hat auch in Wieselburg gewohnt.“ Da er sich nicht getraut habe, hinzugehen, habe er nachher nach einem Büschel Haare gefragt, das am Boden lag.

Das Haarbüschel hat er heute noch. Seine Paraderolle auch. „Mitte April bis Mitte Juni drehen wir wieder“, erzählt Fischer, der seit 18 Jahren Donna Leons Sergente Vianello in der ARD gibt. „Ich hab’ den Vianello schon herzlich lieb!“

15. März , 20 Uhr, Cinema Paradiso St. Pölten: „Murer“ (NÖ-Premiere).