Brigitte Ribisch: "Typisch Frau gibt es nicht“. Zum Frauentag am 8. März spricht die neue Vizepräsidentin im Gemeindebund, Brigitte Ribisch, über die Rolle der Frauen in der Politik.

Von Carina Rambauske. Erstellt am 05. März 2019 (03:00)
Astrid Bartl
Brigitte Ribisch, stellvertretende Gemeindebundpräsidentin, Bürgermeisterin (ÖVP) von Laa/Thaya und Bildungsmanagerin für das Weinviertel.

NÖN: Sie sind seit 14 Jahren politisch aktiv, aktuell Bürgermeisterin von Laa/Thaya und Vizepräsidentin des Gemeindebunds. Wie kam es zu dem Weg in die Politik?
Brigitte Ribisch: Ich war immer sehr interessiert und auch in Vereinen in meiner Heimatstadt aktiv. Bis mich mein Vorgänger darauf ansprach, wäre ich nicht auf die Idee gekommen, dass man mich für mehr brauchen könnte. Im ersten Moment fragte ich mich, ob ich das überhaupt kann. Nach kurzer Überlegung habe ich mich entschlossen, die Herausforderung anzunehmen. Und so bin ich hineingerutscht – schon auch, indem ich ermutigt wurde.

Der Frauenanteil in der niederösterreichischen Kommunalpolitik liegt bei 24 Prozent. Warum ist dieser Wert nicht höher?
Ribisch: Wir Frauen haben das Privileg, schwanger werden zu können – dadurch entsteht ein Einschnitt in der Planung des Berufslebens. Auf der anderen Seite besteht nach wie vor das tradierte Rollenbild, wodurch Frauen das Gefühl haben, alleine für das Managen des Familienlebens verantwortlich zu sein. Auch wenn nach außen hin die Arbeitsteilung gut beschrieben wird, behalten Frauen das Gefühl, die Letztverantwortung zu haben. Dieser Gedanke kommt auch nicht von ungefähr – ich wurde oft gefragt, wie ich das mit meinen Kindern mache. An meine Kollegen daneben wurde diese Frage nie gestellt.

Wie haben Sie darauf reagiert?
Ribisch: Ich gab die Frage weiter: „Und, wie machst du das mit deinen?“ Heute fragt das keiner mehr. Dennoch sind wir nach wie vor geprägt, ein schlechtes Gewissen zu haben und daran zu zweifeln, ob sich das alles ausgeht. Ich sage, wenn das Leben gut geplant ist, geht es sich aus – ausgenommen natürlich, wenn etwas Außergewöhnliches, wie eine Krankheit, passiert.

Finden Sie, dass sich das Rollenbild bereits verändert hat?
Ribisch: Ja, das hat es. Business und Politik – in meiner Vorstellung als Kind waren das Männer in Anzügen. Mittlerweile ist es, vor allem für junge Leute, kein Thema, ob der Bürgermeister Frau oder Mann ist.

Wie kann es gelingen, die Rollenbilder noch mehr zu brechen?
Ribisch: Wichtig ist es, Vorbilder zu haben – unabhängig davon, ob das die Frau in der Politik, der Mann zu Hause oder umgekehrt ist. Während für den einen das gut ist, ist für den anderen das andere gut. Es gibt nicht typisch weiblich und typisch männlich – dieses Denken geht zurück auf Prägung und Deutungsmuster. Diese gilt es zu lösen, da es so vieles zu gestalten gibt, wofür es viele gute Köpfe mit Ideen braucht.

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