Sky Du Mont: „Ich bin jetzt ein halber St. Pöltner“

Erstellt am 28. September 2022 | 05:19
Lesezeit: 8 Min
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Sky du Mont und Julia Schütze sprachen im Interview erstmals über ihr Kennenlernen, ihre Zukunftspläne und eine geplante Charity-Lesung.
Foto: Maria Prchal
Schauspieler und Autor Sky Du Mont baut mit Moderatorin Julia Schütze ein Haus in der Landeshauptstadt. Mit der NÖN sprachen sie im ersten gemeinsamen Interview über Du Monts neues Buch, wie sie sich kennenlernten und die Zukunft.

NÖN: Mit Ihrem neuen Buch „Ungeschönt“ beschreiten Sie neue Wege. Es sind sehr kurze Kapitel. Wie ist es entstanden?

Sky Du Mont: Ich hatte einen runden Geburtstag und plötzlich wurde mir klar, dass man im letzten Drittel des Lebens angekommen ist. Dass viele Dinge zu Ende gehen. Aber eigentlich stimmt das nicht. Denn viele Dinge machen sich auch auf. Zu Ende geht vieles, selbst wenn man fünf Jahre alt ist. Ich fing also an, das aufzuschreiben und für mich selbst zu analysieren, wie viel Leben noch da ist, wenn man das Leben leben will, auch in meinem Alter.

Wie würden Sie das Buch beschreiben?

Du Mont: Es ist ein bisschen philosophisch.

Sie schreiben: „Es war auch schon einmal schlimmer, älter zu werden“. Was ist jetzt besser am Älterwerden?

Du Mont: Am Älterwerden ist natürlich nichts besser. Das wäre Quatsch. Ich bin gesund, bin in einem Beruf, wo man noch arbeiten kann mit 75, bin sportlich, insofern kann ich mich nicht beschweren. Es ist natürlich Glück, denn viele Menschen in meinem Alter sind schon gebrechlich und haben Krankheiten. Andererseits: Was ist gut dran, wenn man 20 ist, kein Geld hat und fünf Nebenjobs haben muss.

Sky du Mont Interview
Foto: Maria Prchal

Sie arbeiten noch. Fokussieren Sie sich nun vorrangig aufs Schreiben?

Du Mont: Ich arbeite viel mit meiner Stimme. Hörspiel, Podcasts und ich spreche auch viel Werbung; „Brille – Fielmann“ zum Beispiel und das seit vielen Jahren. Ich spiele schon noch, bin aber sehr wählerisch geworden mit den Jahren.

Ich habe bisher mit einem Mann noch nie so viel gelacht wie mit ihm. Julia Schütze über Sky Du Mont

Das heißt, man wird Sie auch vor der Kamera wieder sehen?

Du Mont: Ja, natürlich. Nur Theater spiele ich nicht mehr. Ich war ja lange am Staatstheater, aber das mach’ ich nicht mehr.

Hat Sie St. Pölten schon zum nächsten Buch inspiriert?

Du Mont: Nein (lacht). Jetzt muss ich erst mal dieses Buch betreuen. Zwischen diesem Buch und dem davor war lange Zeit gar nichts. Es kommt drauf an, wann es wieder passt.

Julia Schütze: Ein St. Pöltner Krimi wäre doch was.

Du Mont: Krimis habe ich zwei geschrieben, die waren beide schlecht. Aber die wurden verfilmt. Meine schlechtesten Bücher wurden verfilmt. Komischerweise.

Kommen wir zur Frage, die vielen unter den Nägeln brennt. Wie haben Sie beide sich kennengelernt? Über den Podcast Julia Schütze Talk2me?

Schütze: Bei meinem Podcast höre ich auch auf meine Tochter, um die Gästeliste so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten. Sie ist 21 und hat sich Ende 2021 den Schuh des Manitu angesehen.

Du Mont: Aber man muss sagen, wir kannten uns ja schon.

Schütze: Ja. Meine Tochter meinte, dass es super wäre, wenn ich Sky du Mont für ein Interview bekommen würde. 2017 hab ich schon einmal ein Interview mit ihm gemacht, also habe ich ihn angeschrieben.

Und haben Sie sich daran erinnert?

Du Mont: (Schüttelt den Kopf) Ich muss mich aber verteidigen. Das war kurz nach meiner Trennung. Ich hatte 21 Kilo abgenommen. Es ging mir nicht gut, deshalb war ich nicht in der Lage, Frauen wahrzunehmen.

Sky du Mont Interview
Foto: Maria Prchal

Sie haben also ein weiteres Interview angefragt, Julia Schütze. Wie ging es weiter?

Schütze: Er hat zurückgeschrieben: „Ich weiß nicht, ob ich da noch lebe.“

Du Mont: Aber das ist ein deutscher Spruch. Sie meinte, ich stehe kurz vor dem Selbstmord. Überhaupt nicht, keine Frage. Ich habe drei Kinder.

Schütze: Ich habe mir gedacht, dann lassen wir ihn. Es gibt noch andere. Und dann, Anfang 2022, sagt meine Tochter: „Schnell, Mama! Sky du Mont hat eine Freundin, der ist grad glücklich, vielleicht gibt er dir ja jetzt ein Interview.“ Ich habe es also noch einmal probiert. Sky betonte, dass er keine Freundin hat, aber wir das Interview machen werden. Bei den Aufnahmen für den Podcast hat er mich dann tatsächlich einmal aus dem Konzept gebracht.

Wie hat Sky das geschafft?

Schütze: Er hat begonnen, mich etwas zu fragen.

Du Mont: Das mochte sie gar nicht.

Schütze: Da war ich still dann, gell?

Du Mont: Ja.

Schütze: Ich habe dich gefragt: „Hauptsache Sie sind glücklich?!“ Und du hast geantwortet: „Sind Sie es denn?“ Ich sagte: „Ich arbeite dran.“ Und er sagte: „Das wird Ihnen gelingen.“

Wie ging es weiter?

Schütze: Mein bester Freund meinte, dass es beim Podcast voll geknistert hat. Da war’s eigentlich schon so, dass Sky und ich hin- und hergeschrieben haben. Und dann …

Du Mont: … saß ich im Flugzeug.

Schütze: Ich war zwölf Jahre Single und hatte keine Ahnung, wie ein Date funktioniert. Meine Tochter riet mir zu einem Spaziergang um den See. Ich habe ihn viermal um den Viehofner See gejagt. Der Moment, in dem ich mir dachte, der ist richtig toll, war, als wir mit zwei Bechern Kaffee in meinem Auto auf einem Parkplatz standen und er mir von Udo Jürgens komponierte Musik vorgespielt hat.

Du Mont: Das war’s und jetzt bin ich halber St. Pöltner.

Sie haben ja schon an vielen Orten in der Welt gelebt, auch in einer kleinen Stadt wie St. Pölten?

Du Mont: Das gefällt mir so gut.

Schütze: Er sagt immer: „Ich geh ins Dorf“, wenn er auch mal allein Richtung Rathausplatz spaziert (lacht).

Du Mont: Fangen wir einmal im Großen an. Ich steh total auf Österreich. Ich fühle mich wahnsinnig wohl hier. Und ich habe gemerkt, dass ihr eigentlich gar nicht wisst, wie gut es euch hier geht. In Deutschland funktionieren viele Dinge gar nicht mehr. Bei euch ist das alles noch viel intakter. Deswegen gefällt es mir schon von vornherein und ich habe hier jemanden, der mich zum Spazierengehen zwingt (lächelt) ...

Wie geht es jetzt weiter bei Ihnen beiden?

Du Mont: Wir haben uns ein Grundstück gekauft. Wir bauen.

Schütze: Am Eisberg.

Im Podcast haben Sie gesagt, dass Sie seit der Scheidung große Veranstaltungen eher meiden. Wird man Sie bei Events oder im Theater sehen?

Du Mont: Ich bin froh, dass ich auf keine großen Events muss.

Schütze: Wir waren jetzt in Hamburg bei der Deutschlandpremiere von „Mamma Mia!“. Und wir ticken so ähnlich. Die Frage, ob wir dann noch zur After-Party gehen, stand gar nicht im Raum. Wir haben uns angeschaut, haben den Fahrer gerufen und sind heimgefahren.

Haben Sie sich schon ein Bild vom kulturellen Angebot der Stadt gemacht?

Du Mont: Ich habe nur gesehen, dass hier gute Stücke gemacht werden, anspruchsvolle.

Haben Sie selbst Pläne für Auftritte in St. Pölten?

Du Mont: Wir planen eine Charity-Lesung. Ich mache ja sehr viele Lesungen. Ich habe zum Beispiel in der Philharmonie eine Weihnachtslesung gemacht mit Orchester. Ich lese englische Geschichten, die sind lustig und nicht so traurig wie unsere Geschichten. Der Dirigent musste zweimal den Einsatz geben, weil die Mitglieder des Orchesters so gelacht haben. Jetzt habe ich mir gedacht, wir machen eine Charity-Action und das Geld spenden wir dem DomiZiel.

Warum gerade dem DomiZiel?

Du Mont: Ich denke, die Idee hatte der Bürgermeister.

Schütze: Es ist eine Sache, die Sky und den Bürgermeister verbindet, dass beide ein Herz für benachteiligte Menschen haben.

Wie geht es denn jetzt weiter. Sie haben drei Kinder, ihr Sohn ist noch minderjährig und lebt zum Teil bei Ihnen. Kommt der auch nach St. Pölten?

Du Mont: Ich würde halb-halb erstmal machen. Er ist ja erst 16, der braucht mich noch mindestens zwei Jahre. Er ist drei Wochen bei mir und drei Wochen bei meiner Ex-Frau. Das Haus ist ja eh noch nicht fertig (schmunzelt).

Wenn Sie in der Stadt gesehen werden, wird das sofort auf Facebook gepostet. Wie geht es Ihnen damit?

Du Mont: Ich musste so lachen. Ihre Tochter sagt, da stehen lauter „Sichtungen“ drinnen. Aber die Leute lächeln und schöner geht’s doch gar nicht.

Julia Schütze, Sie haben uns das neue Buch empfohlen, was gefällt Ihnen daran?

Schütze: Das Buch ist Sky. Es ist das, was ich an ihm liebe, es ist so authentisch, ohne Stress, freundlich. Ich habe bisher mit keinem Mann so viel gelacht wie mit ihm.

Du Mont: Ich musste wirklich baggern. Die Zeit hat mich altern lassen (lacht).