Luftverschmutzung macht anfälliger. Auch das COVID-19-Infektionsrisiko könnte durch Luftverunreinigungen erhöht werden, sagt Wissenschafts-Verein "ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt" (ÄGU).

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 07. April 2020 (13:22)
Luftverschmutzung: Je länger Menschen schlechter Luft ausgesetzt sind, desto eher können sie Lungenerkrankungen treffen. Dass in der aktuellen Coronakrise manche Politiker die Aufweichung von Umweltvorgaben fordern, ist nach Ansicht der Wissenschaftler von "ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt" daher extrem kontraproduktiv.
APA/dpa-Zentralbild/Hendrik Schmidt

Beobachtungen aus China geben zu denken: Auch unter sehr vorsichtigen Grundannahmen für die Abschätzungen ist die Zahl der durch die Verringerung der Umweltverschmutzung geretteten Leben deutlich höher als die Anzahl jener, die nach offiziellen Angaben durch das Virus umgekommen sind.

Umweltverschmutzung rächt sich

Hans-Peter Hutter, Vorstand der ÄrztInnen für eine gesunde Umwelt (ÄGU): „Es kann daraus selbstverständlich nicht abgeleitet werden, dass Pandemien gut für die Gesundheit der Bevölkerung sind. Aber solche Überlegungen sollen uns auch daran erinnern, welche gesundheitlichen Folgen die durch unsere übliche gesellschaftliche Lebensweise, unser übliches Mobilitätsverhalten, etc. bedingte Umweltverschmutzung mit sich bringt.“

Luftverunreinigung macht anfälliger für Lungenerkrankungen

Es gibt weiters zahlreiche wissenschaftliche Belege dafür, dass eine langfristige Belastung mit Luftverunreinigungen wie Feinstaub und Stickstoffdioxiden Menschen anfälliger für Lungenerkrankungen (z.B. Lungenentzündung) macht. Aber nicht nur die Infektanfälligkeit nimmt zu. Im Falle einer Erkrankung sind die Symptome schlimmer. Das gilt sowohl für bakterielle Infektionen als auch für virale Infektionen.

Gesundheitsprobleme als Risikofaktoren

Bestimmte Gesundheitsprobleme, die Menschen anfälliger gegenüber Luftverschmutzung machen – Vorerkrankungen wie Herz- Kreislauf- und Atemwegs- bzw. Lungenerkrankungen – sind gleichzeitig auch Risikofaktoren für einen schweren Verlauf von COVID-19-Infektionen.

Forderung nach Lockerung von Umweltschutz gerade jetzt falsch

Diesen Tatsachen stehen die ersten Anzeichen einer Aufweichung von Umweltvorgaben und Regulierungen gegenüber. So hat unlängst die US-amerikanische Umweltbehörde (Environmental Protection Agency EPA) den Vollzug von Umweltgesetzen während der COVID-19-Krise ausgesetzt. Das ist besorgniserregend und muss bei uns verhindert werden, so Hutter.

Stattdessen forderten Vertreter der Europäischen Volkspartei unter Berufung auf die Corona-Krise, dass die geplante „Farm to Fork“-Strategie, die zu einer nachhaltigeren Landwirtschaft und zu gesünderen Lebensmitteln in Europa führen würde, ausgesetzt wird, da die Landwirtschaft ohnehin schon so sehr durch die Krise getroffen werde.