Die Grenzgängerin Sabine Stieger. Die in Ernsthofen aufgewachsene Austro-Chanteuse Sabine Stieger bringt im März ihr neues Album „Mitgeschnitten“ heraus. Ein Porträt einer Künstlerin, die auch einmal „Samy Jones“ hieß, über Jahre hinweg Teil von Global Kryner war und sich von nichts einschüchtern lässt.

Von Lara Ritter. Erstellt am 06. März 2019 (02:51)
Bernhard Eder

In diesem Jahr erscheinen gleich zwei Alben von der Sängerin Sabine Stieger, die in Ernsthofen, Bezirk Amstetten, aufgewachsen ist.

Eine Frau, die im Dialekt singt, das gehört sich nicht. Auf diese Reaktion ist Sabine Stieger bei Plattenfirmen oft gestoßen. „Außer man singt Schlager, oder über Themen, die als ‚klassische Frauenthemen‘ angesehen werden, wie die Sehnsucht und das Muttersein.“ Doch Sabine Stieger hat nicht den Anspruch jedem zu gefallen und singt über alles „nach dem ihr der Schnabel wächst“, darüber dass „ma goa nix muss“ und die Liebe manchmal „haas koit“ ist. „Was mich immer wieder ärgert, ist das Gefühl, dass viele Kolleginnen und ich von einer Industrie nahezu verhindert werden, sodass die Leute, denen es gefallen könnte, uns nicht zu hören bekommen“, erzählt sie.

Zu behaupten es sei derb, wenn eine Frau im Dialekt auch über Themen wie Politik und Alltagsbeobachtungen singt, findet sie absurd. „Danzer und Co. machen das schon seit Jahrzehnten, bei denen hat sich keiner beschwert. Und sobald man über die Grenze geht, ist es den Leuten egal, in welcher Sprache man singt.“

In kalten Gewässern

Gesungen hat die 36-Jährige schon auf der ganzen Welt mit ihrer ehemaligen Band Global Kryner. „Nachdem der Hype in Österreich vorbei war, haben wir drei Jahre lang nur im Ausland gespielt. Begonnen hat alles damit, dass ein Bekannter, der Tontechniker war, der Band eine Aufnahme von ihr vorspielte. Die fünf Musiker wollten sie sofort dabei haben. „Ich bin damals ins kalte Wasser gesprungen“, meint sie, „immer wieder aufs Neue.“

Bald kam die Vorentscheidung zum Songcontest, dann der Songcontest selbst, bei dem sie im Dirndl vor Millionen Menschen sang, sich mit ihrem Bandkollegen eingehakt im Kreis drehte und ihre Tanzschritte nicht vergessen durfte. Es folgten Platten-Aufnahmen, Konzerte und Preisverleihungen. „In der Zeit wäre es leicht gewesen. deppert zu werden und abzuheben, weil jeder dir sagt, wie toll du bist. Zum Glück hatte ich Erdung als Küken der Band, alle anderen waren Anfang 30, ich Anfang 20. Es war uns klar, dass ein Hype schnell wieder vorbei sein kann.“

Von Samy zu Sabinschky

Fast neun Jahre lang mischte die Band den ‚Oberkrainer Sound‘ mit Pop, Jazz und Weltmusik und brachte ihn in die Konzerthallen. Für Sabine Stieger war es eine wichtige Phase in ihrem Leben, denn von Jazz bis zu Folklore war an Musikrichtungen vieles dabei. „Die musikalische Monokultur ist nichts für mich“, ist sie sich sicher. Das macht sich auch bei ihren Alben bemerkbar, die Einflüsse von Pop, Gipsyswing, Folk und Chanson aufweisen.

Erste musikalische Schritte machte sie in der Gemeinde Ernsthofen. „Es war ein Glücksfall dort aufzuwachsen“ meint Stieger.

Ihre Kindergärtnerin wurde ihre Gitarrenlehrerin, ihre Familie war Teil des Musikvereins und ihre erste Band startete sie in der Musikschule. Anfang zwanzig gab sie sich den Künstlernamen Samy Jones und begann, soulige Retro-Popmusik zu machen. Dieses Projekt verfolgte sie auch während ihrer Zeit bei Global Kryner und veröffentlichte zwei Alben, bis sie 2015 begann, als Sabine Stieger im Dialekt zu singen. Mit dabei das „Team Sabinschky“, das aus vier Musikern besteht.

Fehlende Gleichberechtigung

In den vielen Jahren, in denen sie in der Musikbranche gearbeitet hat, hat sie erlebt, dass dort ein Machtgefälle zwischen Männern und Frauen herrscht.

„Es gab genug an sexistischen Beleidigungen und Übergriffen.“ Ihre Erlebnisse reichen von Radiomoderatoren, die ihr anboten ihre Songs zu spielen, wenn sie mit ihnen auf einen Kaffee geht oder Schlimmeres macht, bis hin zu schlüpfrigen Einladungen von Plattenfirmenchefs, bei denen das Büro verdunkelt war.

„Selbst bei Gesprächen mit Journalisten, die von sich aus das Thema #metoo ansprechen, merke ich, wie schwierig dieses Thema und wie zweischneidig diese Klinge ist. Schnell läuft man Gefahr, dass der Spieß umgedreht wird und man dasteht, als wolle man Köpfe rollen lassen, um sich selber einen Vorteil für die eigene Karriere zu verschaffen. Da gibt es noch viel zu tun.“

Am 8. März, dem Weltfrauentag, wird Sabine Stieger ihr drittes Album „Mitgeschnitten“ veröffentlichen. Es wurde als Konzert im Studio aufgenommen und ist ein Querschnitt ihrer Musik seit 2015, gemischt mit neuen Liedern.

Im Herbst folgt schon ihr viertes Album. Am 9. November tritt Sabine Stieger dann in Ernsthofen auf.