Groß Gerungs

Erstellt am 09. Oktober 2018, 01:24

von Teresa Sturm

Krebszüchter siedelt Edelkrebse wieder an. Leopold Fichtinger betreibt in Groß Gerungs die größte Krebszucht ganz Österreichs.

Die Speisekrebse von Leopold Fichtinger kosten ab 70 Gramm das Kilo 55 Euro. Im Bild zeigt er ein Männchen und ein Weibchen.  |  Teresa Sturm

„Der ist nicht zu groß. Von dem kann man sich zwicken lassen“, sagt Leopold Fichtinger auf Nachfrage, als er einen seiner Speisekrebse zeigt. Und tatsächlich lässt sich der Schmerz aushalten. „Bei einem Größeren blutet man“, sagt der Waldviertler lachend.

Und er muss es wissen. Seit vielen Jahren interessiert er sich für Krebse. Als Fichtinger früher mit seiner Tochter in der Tierhandlung war, ist sie bei den Kaninchen gestanden und er bei den Aquarien. Nach einem Krebsseminar in Lunz am See begab er sich auf die Suche von Teichen. 2010 kaufte er dann zwei Hektar. „Das war alles Sumpf“, erzählt der 53-Jährige. Mittlerweile befinden sich auf dem Grundstück acht von ihm selbst geplante und gebaute Teiche.

Der gelernte Tischler arbeitet seit vielen Jahren im Außendienst für eine Firma, die Fertighäuser errichtet. Von seiner beruflichen Laufbahn hat er auch das Know-how.

"Man kann nichts erzwingen"

Fichtingers System in Groß Gerungs ist ausgeklügelt. Das Wasser der Teiche kann er in den Kanal pumpen und den trockengelegten Teich anschließend wieder über einen weiteren Teich befüllen. Es gibt eine Photovoltaikanlage, Fichtinger ist dort komplett energieautark.

Vor 200 Jahren war Europa vom Edelkrebs dicht besiedelt, auch das Waldviertel. Doch der amerikanische Signalkrebs hat ihn fast ausgerottet. Daher setzt Fichtinger immer wieder still und heimlich Krebse aus, um die Tiere wieder anzusiedeln.

Das Arbeiten mit der Natur sei das Schönste an seinem Beruf: „Man kann nichts erzwingen. Die Natur gibt vor, wann die Paarungszeit ist und wann die Krebse schlüpfen.“

Hauptabnehmer der Krebse sind Teichbesitzer, die die Tiere selbst züchten wollen. Mehrere Restaurantbetreiber wollen Fichtingers Speisekrebs auf die Speisekarte setzen, doch dafür hat er zu wenig Tiere. Es dauert vier Jahre, bis sie zum Verzehr geeignet sind. Daher sind die nächsten zwei Teiche schon wieder in Planung.

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